Keine Party in der Pandemie
Trotz Lockerungen keine Großveranstaltungen

Trotz der Corona-Lockerungen werden in diesem Jahr so gut wie keine Feste stattfinden - natürlich auch das Siegener Stadtfest nicht.
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sabe Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Party und Pandemie gehen für viele immer noch nicht zusammen. Auch wenn die Ansteckungszahlen gerade so niedrig sind, wie seit Langem nicht mehr, auch wenn die Inzidenzen die nächsten weitreichenden Lockerungen zulassen. Theoretisch könnten zurzeit im Kreis also auch wieder Volks- und Schützenfeste stattfinden. Wenn zum Beispiel sämtliche Personen über einen negativen Test verfügen (geimpft und genesen sind einem Negativ-Test gleichgestellt), darf die Maske auf dem Gelände fallen.

Ansonsten ist die feuchtfröhliche Feierei allerdings weiterhin an einen ganzen Stapel von Auflagen gebunden. Und auch darüber hinaus: Es wird schwierig, sonst über Monate geplante Events jetzt doch spontan stattfinden zu lassen.

Lockerungen ändern an Absagen nichts

An der Absage beliebter Großevents, wie der Wendener Kirmes im August zum Beispiel, ändern die ab heute geltenden Lockerungen also nichts. „Die Absage bleibt bestehen und es wird auch keine alternative Ersatzveranstaltung geben“, heißt es aus dem Rathaus. Das war zu vermuten, eine „Kirmes light“ kommt den Wendschen nicht in die Tüte – und auch sonst lassen die meisten Veranstalter an ihrer Absage, frei nach dem Motto „ganz oder gar nicht“, keineswegs rütteln.

So sind bei Markus Bröcher, Kreisoberst des Kreisschützenbundes Olpe, bisher keine Anmeldungen zur Feier von Schützenfesten eingegangen. „Und das kann ich mir im Moment auch nicht vorstellen.“ Schon für ein mittelgroßes Fest brauche es ja mindestens acht Wochen Vorbereitung. Eine Zeit, in der sich auch die Pandemie-Lage „ganz schnell wieder ändern kann“.

"Was sollen wir jetzt groß planen,
wenn die Inzidenzen womöglich bald schon wieder steigen?"

Magnus Treude
Schießverein Birkefehl

Also hält man es vielerorts lieber wie in Birkefehl. Dort hat der Schützenverein statt des großen Festzelts einen Frühschoppen für hundert Gäste (ausschließlich Teilnehmer mit den berühmten drei G.) für Anfang August angesetzt.

Batzen Bürokratie zu klären

Diese Form des Zusammenkommens war aber auch schon vor den neuen Lockerungen möglich. Organisiert sei alles via Anmeldung, erklärt Vorsitzender Magnus Treude. Und schon diese Feierlichkeiten im Kleinen haben es in sich. Ein ganzer Batzen Bürokratie war mit der Gemeinde Erndtebrück zu verhandeln, um das Hygienekonzept darzustellen. Doch das sei es wert gewesen, findet Treude.

Auch das Schützenfest in Bad Berleburg, das über Tage hinweg zahlreiche Besucher anzieht, macht in diesem Jahr Pause.
  • Auch das Schützenfest in Bad Berleburg, das über Tage hinweg zahlreiche Besucher anzieht, macht in diesem Jahr Pause.
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„Es ist jetzt das zweite Jahr, in dem Vereinsaktivitäten quasi nicht stattfinden konnten. Natürlich freuen sich die Leute, wenn sie zumindest in dieser Form zusammenkommen können.“ So könne man zumindest ein bisschen Leben stattfinden lassen. Trotzdem: Die Teilnehmerzahl aufgrund der Lockerungen jetzt noch spontan aufzustocken, womöglich doch zurück zum Über-1000-Mann-starken Schützenfest, davon hält Treude wenig. „Was sollen wir jetzt groß planen, wenn die Inzidenzen womöglich bald schon wieder steigen.“

Totschlagargument: keinerlei Planungssicherheit für Großverantaltungen

Und – das Totschlagargument für Großveranstaltungen und die damit verbundenen Auflagen: „Es gibt keinerlei Planungssicherheit“, sagt demnach auch Uwe Müller, Mitorganisator des beliebten Siegener Oktoberfestes. Karten für das Zelt hinter der Siegerlandhalle waren oft weit im Voraus ausgebucht. Jetzt wäre die Zeit, in der man langsam das Zelt bestellen und die Veranstaltung durchplanen müsste. Aber: „Wir stehen weiterhin vor einer ungewissen Zukunft.“ So wolle man sich in dieser Woche zwar noch beraten – man stehe in Gesprächen – , aber die Tendenz geht wohl dahin, Dirndl und Lederhosen ein weiteres Jahr im Schrank zu lassen.

Aber: Ausnahmen gibt es. Im Wittgensteinischen Arfeld hat die junge Burschenschaft für ihre Traditionskirmes keine Auflagenhürde gescheut und der Stadt Bad Berleburg ein 40-seitiges Hygienekonzept vorgelegt. „Für viele ist die Kirmes das Highlight des Jahres“, sagt Tobias Beitzel, 2. Vorsitzender, der sich schon jetzt zwei Wochen Urlaub dafür eingetragen hat. Für die Burschenschaft, sagt er, gehe die Kirmes gut und gerne neun Tage am Stück.

Fest sicher organisieren

Dabei gehe es sicherlich nicht darum, die jetzt geltenden Regeln so weit wie möglich zu dehnen, sondern darum, „für alle ein sicheres Fest zu organisieren“. Dafür haben die Arfelder sich beispielsweise um zusätzliche Sanitäranlagen gekümmert, außerdem gibt es Durchlaufspülmaschinen, damit die leeren Biergläser nicht nur kalt und „mal eben händisch“, sondern heiß und maschinell gewaschen werden. Ein Corona-Konzept, das auch nach der Pandemie gerne bleiben darf.

Die Mehrheit bleibt skeptisch Wie fühlt es sich an: der Bass, die Menschen, das enge Tanzen, am besten gleich auf Tischen, beim „Rudern“, „Aloha heja he, Aloha heja he“, kein Abstand. Wissen wir das noch? Vermissen wir das? Wollen wir das überhaupt wieder, jetzt, wo jeder von der Delta-Variante und der möglichen vierten Welle spricht? Im Netz ist man sich uneins. Auf dem Instagram-Kanal der Siegener Zeitung zeigt eine nicht repräsentative Umfrage, wie sehr die Meinungen auseinandergehen. Von 313 Teilnehmern finden es 56 Prozent generell falsch, dass mit den Lockerungen in der Region fast alle Auflagen fallen, bei 44 Prozent finden die neuen Freiheiten Zustimmung. 44 Prozent würden demnach auch ohne Bedenken in eine Diskothek, auf ein Schützen- oder Volksfest gehen. 56 Prozent ist die Sache noch zu unsicher. Michelle Bittner schreibt uns zum Beispiel: „Ich vermisse das Feierngehen so sehr, aber hätte trotz Impfung Angst vor einer Ansteckung.“ Eine andere Userin findet: „Es hat jeder verdient, nach so einer langen Zeit feiern gehen zu können. Ich persönlich finde das aber alles noch zu früh.“
Trotz der Corona-Lockerungen werden in diesem Jahr so gut wie keine Feste stattfinden - natürlich auch das Siegener Stadtfest nicht.
Auch das Schützenfest in Bad Berleburg, das über Tage hinweg zahlreiche Besucher anzieht, macht in diesem Jahr Pause.
Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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