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Meinungen von Auswanderern aus der Region
„Trump wird eine Gefahr bleiben“

Sharon Fino.
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sabe/bw/goeb Siegen/Washington. Die Geschehnisse in Washington bewegen die Menschen – in den USA und in der Region gleichermaßen. Wir haben mit Auswanderern, die bereits vor der US-Wahl im November zu Wort gekommen waren, und einem ehemals in den USA lebenden Westerwälder über ihre Gedanken gesprochen. Egal ob Demokrat oder Republikaner – in diesem Fall sind sich alle einig.
 
Dr. Paul Riedesel (Minnesota): Obwohl der Wahlsieg von Joe Biden durch den US-Kongress nun formell bestätigt worden ist, denkt Dr. Paul Riedesel, dass „Trump eine Gefahr bleiben wird.“ Der Sturm auf das Kapitol bestätigt den promovierten Soziologen und Wirtschaftsforscher mit Vorfahren in Wittgenstein in seiner Meinung massiv: „Trump trägt dafür alle Schuld auf seinen Schultern.

sabe/bw/goeb Siegen/Washington. Die Geschehnisse in Washington bewegen die Menschen – in den USA und in der Region gleichermaßen. Wir haben mit Auswanderern, die bereits vor der US-Wahl im November zu Wort gekommen waren, und einem ehemals in den USA lebenden Westerwälder über ihre Gedanken gesprochen. Egal ob Demokrat oder Republikaner – in diesem Fall sind sich alle einig.
 

  • Dr. Paul Riedesel (Minnesota): Obwohl der Wahlsieg von Joe Biden durch den US-Kongress nun formell bestätigt worden ist, denkt Dr. Paul Riedesel, dass „Trump eine Gefahr bleiben wird.“ Der Sturm auf das Kapitol bestätigt den promovierten Soziologen und Wirtschaftsforscher mit Vorfahren in Wittgenstein in seiner Meinung massiv: „Trump trägt dafür alle Schuld auf seinen Schultern. Er allein hat die Randalierer nach Washington eingeladen und sie das Kapitol stürmen lassen.“ Ein solcher Angriff auf die Demokratie, sagt er, zeige, wie weit es gekommen sei. „Unruhen und Proteste haben wir oft gesehen, aber nie einen bewaffneten Angriff auf das Kapitol.“
  • Sharon Fino (Florida): Sharon Fino ist zwar in Erndtebrück in Wittgenstein aufgewachsen, nach ihrem Studium zog sie aber in die USA, wo auch ihre Mutter, eine gebürtige Amerikanerin, seit vielen Jahren lebt. Die 29-Jährige findet es traurig und auch sehr erschreckend, „wie einfach es ist, die Menschen mit bloßen Behauptungen zu Gewalt zu verleiten“.
    Die gesellschaftliche Spaltung, die sich in diesem Ausbruch widerspiegelt, empfindet Sharon Fino als sehr schade, „denn man erreicht meistens mehr zusammen als getrennt und einige Probleme, die noch zu bewältigen sind, betreffen auch beide Seiten“. Die gebürtige Wittgensteinerin, die heute in Florida lebt, hofft, dass die nächsten Jahre unter dem künftigen US-Präsidenten Joe Biden „die Polarisierung zumindest reduziert und die Menschen friedlicher werden“. Sharon Fino ist daher optimistisch, dass dieser Streit bald ein Ende nimmt. „Nichtsdestotrotz sollte das, was da passiert ist, einfach nicht passieren. Jeder sollte Respekt für den demokratischen Prozess zeigen – egal ob ihm das Wahlergebnis gefällt oder nicht.“
    In ihrem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis erlebt sie diese Spaltung, die das gesamte Land erfasst hat, nicht: „Zum Glück teilt der Großteil meine politische Einstellung sodass es kein allzu großes Thema ist. Es bestehen natürlich auch ein paar Ausnahmen. Wir haben aber von Anfang an beschlossen, dass wir deren Meinung respektieren werden und sie unsere, sodass wir uns eben nicht aufspalten. Differenzen aller Art werden bei uns nicht nur akzeptiert, sondern sind sogar erwünscht“, verrät die 29-Jährige, die als Analystin in der Rechtsabteilung einer US-Investmentbank arbeitet.
  • Heiko Effenberger (Nevada): Die Welt fühlt sich für Heiko Effenberger an, wie auf den Kopf gestellt. Nicht, weil er an der knackenden Telefonleitung mit „Guten Abend“ begrüßt wird, als er, gerade aufgestanden, schnell mit den Hunden rausgehen wollte – Effenberger hat die jüngsten Ereignisse noch in den Knochen. „Für uns alle ist das ein markerschütternder Schock. Dass so etwas in diesem Land möglich ist, damit hat niemand gerechnet. Es fragen sich hier gerade viele, wie es überhaupt so weit kommen konnte.“ Die Proteste am 6. Januar seien schon Wochen vorher angekündigt worden, so der Surveillance Agent (Überwachungsmanager in einem großen Casino), „anscheinend hat man es nicht für nötig gehalten Washington und das Capitol ausreichend zu sichern.“ Der aus Sinsheim stammende und mit der hiesigen Region durch Freundschaft verbandelte Effenberger wünscht sich, „dass der neue Präsident ein bisschen Ruhe reinbringt in ein Land, das mehr gespalten ist als je zuvor.“ Große Hoffnungen hat er aber nicht. „Es ist schwer, dran zu glauben“. Bei der vergangenen Präsidentschaftswahl hatte der 45-Jährige seine Stimme Donald Trump gegeben. 
  • Dr. Stefan Hannuschke (ehemals Michigan): Stefan Hannuschke aus Selters im Westerwald hat fünf Jahre in den USA gelebt und dort promoviert (Michigan). Er arbeitet für den dänischen Software-Hersteller Omada und ist täglich im Rahmen von digitalen Teambesprechungen mit den USA verbunden. „Was dieser Mann dem Land angetan hat...“, ringt er nach Worten zu Trumps Verhalten. Die Bilder vermittelten den Eindruck, dass die USA auf den Stand einer Bananenrepublik gesunken sind. Dass der gewählte Präsident des mächtigsten Landes der Erde diesen Staat an den Rand des Abgrundes geführt habe, halte er für unverzeihlich. „Mir tut das für die Leute leid, die versucht haben, Trump zu verhindern.“  Hannuschke kritisiert das politische System der USA insofern, als dass die Amerikaner nur die Wahl hätten zwischen zwei Parteien. „Stellen Sie sich vor, Sie könnten in Deutschland nur zwischen links und rechts wählen“, schlägt der Software-Entwickler vor. „Dann würden Sie möglicherweise auch einer Partei ihre Stimme geben, nicht, weil Sie deren Programm gutheißen, sondern weil Sie dadurch einen anderen Kandidaten verhindern.“ Es stünden nicht 70 Millionen hinter Trump, wendet er ein. „Viele wollten einfach keine Democrats.“ Ein Hauptgrund für die Entwicklung sei die große Bildungsschere in den USA. „Für mich gehört Bildung dazu, über einen Politiker, wie Trump einer ist, dezidiert nachdenken zu können.“ Zu dieser unheiligen Allianz komme dann auch noch das große Geld zur Finanzierung der Präsidentschaftskampagnen. Ihm sei aufgefallen, dass Politik – anders als früher – in den täglichen Team-Besprechungen zwischen Amerikanern und Europäern heute gemieden werde. „Früher wurde zum Beispiel lebhaft drüber debattiert, was der Präsident für die Opfer des Wirbelsturms Katrina tut, usw.“ Heute fielen allenfalls mal Bemerkungen über Covid, sagt Hannuschke. Daran lasse sich erkennen, wie sehr die Politik bereits die Gesellschaft zerrissen habe. „Man schweigt lieber dazu, weil man sonst riskiert, dass es einen Riesen-Krach gibt.“ Dr. Hannuschke ist sicher, dass Trump juristisch belangt werden wird. „Trump hat den Verstand eines kleinen Kindes, er betreibt Politik wie ein Businessman und hat sich seine Methoden bei der Mafia abgeschaut. So einer darf nicht ungeschoren davonkommen.“
Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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