TuS Ferndorf stürmt auf Platz 3

 Einer trifft immer! Rechtsaußen Lukas Zerbe, hier gegen Philipp Ambrosius im DHRV-Tor, markierte gestern sagenhafte zehn Treffer für den TuS Ferndorf. Foto: böse
  • Einer trifft immer! Rechtsaußen Lukas Zerbe, hier gegen Philipp Ambrosius im DHRV-Tor, markierte gestern sagenhafte zehn Treffer für den TuS Ferndorf. Foto: böse
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geo - Der TuS Ferndorf bereitet dem Establishment der 2. Handball-Bundesliga weiter hartnäckig Bauchaschmerzen. Mit dem auch in der Höhe verdienten 29:25 (12:13)-Sieg beim Dessau-Roßlauer HV steckte der Aufsteiger die erste Saison-Niederlage eine Woche zuvor in Balingen bestens weg, kletterte mit 9:3 Zählern vor auf Platz 3 der Liga und beendete den Monat September mit der außergewöhnlichen Bilanz von 8:2 Punkten.

Außergewöhnlich an dem letztlich doch sicheren Erfolg in Sachsen-Anhalt war dabei die Tatsache, dass die Mannschaft den Ausfall des zur Zeit in Hochform spielenden Moritz Barwitzki verkraftete, den in der Nacht zu gestern im Hotel nahe Dessau Fieber und Erkältung packten. Das war insofern dumm, als dass man den zweiten Linksaußen, Magnus Neitsch, zu Hause gelassen hatte, der für die „Zweite“ treffen sollte. So mühten sich mit Mattis Michel und (bei Unterzahl) Branimir Koloper zwei Kreisläufer auf dem linken Flügel. Außerdem tauchte Rückraumspieler Julian Schneider als Fremdarbeiter auf der Barwitzki-Position auf. „Jules“ traf am Ende sogar einmal blitzsauber von Linksaußen.

Aber es gab in der nicht einmal zur Hälfte gefüllten Anhalt-Arena einen Spieler, der aus der Not des TuS eine sensationelle Tugend machte: Lukas Zerbe traf wie er wollte und von wo er wollte. Zu Treffern von Rechtsaußen gesellten sich solche vom Kreis, beim Konter und natürlich vom Siebenmeterpunkt. Am Ende summierte sich seine Leistung ohne einzigen Fehlwurf auf zehn Tore – so kletterte der TuS also auf nur einem „Flügel“ in die Höh’!

Aber der zweite Auswärtserfolg in der Bauhaus-Stadt hat eine längere Vorgeschichte, denn in der 1. Halbzeit spielte das Team von Trainer Michael Lerscht mit mehr Tiefen als Höhen. Die Abwehr stemmte sich nur ungenügend den nicht sonderlich einfallsreichen, aber wuchtigen DRHV-Angreifern entgegen. Und vorne wurden Überzahl-Situationen eigennützig verscherbelt (Andersson, Lucas Schneider). Branimir Koloper schimpfte wutentbrannt mit seinen Mitspielern, in der Kabine überließ er dann das Schimpfen dem Coach: „Ja, Michael ist laut geworden!“

Aus dem nur knappen Halbzeit-Rückstand wurde dann zwar noch einmal ein Drei-Tore-Hintertreffen (12:15), aber dann packte das Team um Koloper das Abwehrmonster aus – und wie! Jonas Faulenbach, dem nach spektakulären Start einiges misslungen war, machten zwei ganz wichtige Tore und polierte seine Bilanz auf Normalniveau auf (5 Tore). Lucas Schneider gab einmal mehr den unbarmherzigen „Vollstrecker“, etablierte sich wieder als „Balldieb“ in der Abwehr (zum 20:17), Ins-leere-Tor-Werfer (zum 25:20) und unfreiwilliger Kreisläufer nach wunderschönem Anspiel von Jonas Faulenbach zum 27:22. Das übrigens zu einem Zeitpunkt der Partie, als die Nordsiegerländer mit ihrer überragenden Abwehrarbeit Dessau den Schneid längst abgekauft hatten, selbst die Angriffe spektakulär zu Ende spielten und die ersten Zuschauer dazu animierten, den Heimweg anzutreten.

Wäre da nicht eine ziemlich überflüssige Zeitstrafe gewesen, hätte man auch dem vor Spielwitz sprühenden Marijan Basic die Bestnote verleihen können. Und schließlich war da noch Kai Rottschäfer, der in der 2. Halbzeit zwei Siebenmeter parierte – einen davon beim Stand von 22:19 in der 53. Minute. Damit zog der Zerberus den Hausherren den wohl allerletzten Zahn!

Zur Ehrenrettung der Sachsen-Anhaltiner muss man sagen, dass auch die ein bisschen Pech hatten: Tomas Pavlicek verletzte sich schmerzhaft am Finger und konnte nur noch Siebenmeter werfen, und Kapitän Florian Pfeiffer „schoss“ in der Schlussphase die Hexe (ältere männliche Zeitgenossen leiden jetzt beim Lesen mit …). Aber dennoch führt kein Weg an der mittlerweile nicht mehr ganz so neuen Erkenntnis vorbei, dass der TuS Ferndorf gerade den Status einer „Eintagsfliege“ im deutschen Handball-Business abstreift.

Dessau-Roßlau erlebte derweil ein Handball-Wochenende der Gäste-Teams. Denn am Samstag hatte die am Wochenende in einem Dessauer Hotel residierende russische Frauen-Nationalmannschaft 35:31 gegen Deutschland gewonnen. Alle Zuschauer dieses Spiels hätten sich gestern kostenlos den Emporkömmling der 2. Liga ansehen können – da haben doch etliche etwas verpasst!

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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