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Homeoffice ändert nichts an Neubau-Plänen
Twitter kein Vorbild für Siegen

Corona hat viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Region ins Homeoffice gezwungen. Da stellt sich die Frage, ob Neubauten von Bürogebäuden oder die umfangreiche Sanierung bestehender Immobilien – hier das Weidenauer Rathaus – überhaupt noch notwendig sind. Wenig überraschend halten die Verwaltungen aber an ihren Plänen fest.
  • Corona hat viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Region ins Homeoffice gezwungen. Da stellt sich die Frage, ob Neubauten von Bürogebäuden oder die umfangreiche Sanierung bestehender Immobilien – hier das Weidenauer Rathaus – überhaupt noch notwendig sind. Wenig überraschend halten die Verwaltungen aber an ihren Plänen fest.
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  • hochgeladen von Anja Bieler-Barth (Redakteurin)

cs Siegen. Twitter schaffte es in diesen Tagen in die Schlagzeilen. Falls gewünscht, wolle man es den Angestellten grundsätzlich ermöglichen, „für immer“ aus dem Homeoffice heraus zu arbeiten, teilte das Unternehmen kürzlich mit. Auch in der heimischen Region tauschten viele Beschäftigte kurzerhand ihre Büros gegen das Office in den eigenen vier Wänden ein, die Meinungen zu dem Prozedere gehen dabei weit auseinander. Vermehrt stellte sich in den vergangenen Wochen die Frage: Ist das Homeoffice die Zukunft unserer Arbeitswelt? Und wenn ja: Fallen da teure und aufwendige Neubauten von Bürogebäuden nicht völlig aus der Zeit? SZ-Nachfrage bei Kreis- und Siegener Stadtverwaltung.
Imposante Eckdaten für neues Kreis-VerwaltungsgebäudeRund 12 Mill.

cs Siegen. Twitter schaffte es in diesen Tagen in die Schlagzeilen. Falls gewünscht, wolle man es den Angestellten grundsätzlich ermöglichen, „für immer“ aus dem Homeoffice heraus zu arbeiten, teilte das Unternehmen kürzlich mit. Auch in der heimischen Region tauschten viele Beschäftigte kurzerhand ihre Büros gegen das Office in den eigenen vier Wänden ein, die Meinungen zu dem Prozedere gehen dabei weit auseinander. Vermehrt stellte sich in den vergangenen Wochen die Frage: Ist das Homeoffice die Zukunft unserer Arbeitswelt? Und wenn ja: Fallen da teure und aufwendige Neubauten von Bürogebäuden nicht völlig aus der Zeit? SZ-Nachfrage bei Kreis- und Siegener Stadtverwaltung.

Imposante Eckdaten für neues Kreis-Verwaltungsgebäude

Rund 12 Mill. Euro Baukosten, 2200 Quadratmeter Nutzfläche, knapp 80 Büros allein für das Jugendamt – die Eckdaten für die im September vergangenen Jahres beschlossene Errichtung eines weiteren Kreis-Verwaltungsgebäudes in Nachbarschaft zur gläsernen Immobilie an der Koblenzer Straße sind imposant. Damals übte die CDU im Kreistag deutliche Kritik an dem Vorhaben; schließlich werde die Verwaltung der Zukunft online erreichbar sein und online arbeiten.

Kreishaus-Neubau ist beschlossene Sache

Die Entwicklungen rund um über das Internet verfügbare Dienstleistungen sowie das Arbeiten aus dem Homeoffice habe der Kreistag stets im Blick gehabt, heißt es auf Anfrage der Siegener Zeitung aus dem Kreishaus. „Aus gewichtigen Gründen“ habe man sich für die Errichtung eines Neubaus ausgesprochen. „Vor Corona“ habe die Kreisverwaltung, die knapp über 1000 Beschäftigte zählt, bereits 19 sogenannte Telearbeitsplätze eingerichtet. Zudem seien unabhängig von der Pandemie weitere 17 Anträge auf Arbeit aus dem Homeoffice aktuell in Bearbeitung. „Telearbeit“ heiße aber in allen Fällen nicht, dass zu 100 Prozent von daheim aus gearbeitet werde, sondern maximal bis zu 60 Prozent.

Homeoffice ersetzt nicht den Arbeitsplatz im Bürogebäude

„In der Praxis haben vor Corona die Kolleginnen und Kollegen, die einen Telearbeitsplatz haben, 35 Prozent ihrer Arbeitszeit aus dem Homeoffice erledigt. Allein diese Zahl macht deutlich, dass Homeoffice nicht bedeutet, dass für diese Kolleginnen und Kollegen kein Arbeitsplatz im Kreishaus vorgehalten werden müsste“, schreibt die Pressestelle weiter. Aktuell arbeiteten zusätzlich zu den genannten Personen elf Kollegen ausschließlich im Homeoffice. Darüber hinaus hätten rund 100 Mitarbeiter zeitweise von Zuhause gearbeitet. Dies sei aber nur durch viele Kompromisse und den eingeschränkten Besucherverkehr möglich. Zusammengefasst: Das vermehrt angewendete Modell des Homeoffice ersetzt nach Ansicht der Kreisverwaltung keinen Neubau, zumal dieser auch wirtschaftlich Sinn ergebe. Denn entfallene Mietzahlungen wiegten die Kosten für Ausschreibungen über die Kreisumlage insgesamt aus.

Polizeiarbeit von daheim aus ist nicht möglich

Großes hat Landrat Andreas Müller auch hinsichtlich der Kreispolizeibehörde vor: Eine Sanierung der Immobilie an der Weidenauer Straße scheide aus, gesucht wird derzeit ein Investor zur Errichtung eines neuen Zentralgebäudes mit einer 6500 Quadratmeter umfassenden Nutzfläche.

Hauptquartier gesucht

Die Behörde zählt aktuell 478 Beschäftigte (408 Beamte, davon 27 in Teilzeit, und 71 Regierungsbeschäftigte, davon 28 in Teilzeit). „Neun Beschäftigte haben aktuell einen Heimarbeitsplatz“, gibt die Pressestelle weiter an. In vielen Bereichen (Geheimschutz, Datenschutz, IT-Sicherheit) sei es jedoch bei der Polizei grundsätzlich nicht möglich, diese auf Heimarbeitsplätze zu verlagern. Und weiter: Neben der polizeilichen Alltagsarbeit müsse man stets in der Lage sein, auf besondere Einsätze (Kapitaldelikte, Gewaltdelikte oder Fahndungs- und Suchmaßnahmen) zu reagieren. Dies sei mit Beschäftigten, die ihre Arbeitszeit überwiegend im Homeoffice erledigen, nicht zu gewährleisten.
In den nächsten Jahren werde sich die Beschäftigtenzahl der Polizei zudem weiter erhöhen. Deshalb hält man an den Planungen fest: „Bei dem Neubau geht es zudem auch nicht nur um Büroflächen, sondern es fehlen geeignete Funktionsräume, um die polizeilichen Aufgaben erfüllen zu können.“

Rathaus in Weidenau soll ertüchtigt werden

Ähnliches lässt die Stadtverwaltung Siegen verlauten, für die 1507 Mitarbeiter tätig sind, davon 485 in Teilzeit. Coronabedingt seien rund 60 Mitarbeiter ins Homeoffice gewechselt, schreibt die Pressestelle der Krönchenstadt, schon vor der Pandemie hätten 15 Mitarbeiter über feste Heimarbeitsplätze verfügt. Seit Jahren ist das renovierungsbedürftige Weidenauer Rathaus ein Thema, für dessen Ertüchtigung inzwischen erste Kostenschätzungen und Raumkonzepte vorlägen. „Vor dem Hintergrund der tatsächlich gelebten Digitalisierung wird künftig sicherlich nicht für jeden Kopf eine eigenes Büro vorgehalten“, sagt Wolfgang Cavelius, Geschäftsführer der kommunalen Entwicklungsgesellschaft Siegen. Dennoch: An den Überlegungen wird grundsätzlich nicht gerüttelt.

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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