Über die Geschichte der Vertriebenen im Siegerland

Dokumente, Bilder und Fluchtgegenstände bezeugen das Schicksal Vertriebener. Foto: wette

wette Siegen. Einen ganz speziellen Einblick in das mit Abstand schrecklichste Kapitel deutscher Geschichte beziehungsweise die Zeit danach gewährt seit Kurzem das Siegerlandmuseum im Oberen Schloss. Dort wurde jetzt eine Dauerausstellung eröffnet, die zu großen Teilen der Geschichte der Vertriebenen und Aussiedler des Kreises Siegen-Wittgenstein gewidmet ist: „Siegen – Siegerland im Wandel“ lautet ihr Titel.

„Sie alle, die Sie im Siegerland sesshaft geworden sind, haben nach wie vor eine sehr starke Bindung an Ihre Heimat. Daran ändert auch die Entfernung und ein Zeitraum von mehr als 60 Jahren nichts“, richtete Siegens Bürgermeister Steffen Mues jetzt das Wort an die anwesenden Vertreter der Vertriebenenverbände. Es sei bekannt, dass sich Menschen oft erst nach langer Zeit wieder an bestimmte Details aus der Kindheit erinnerten – beispielsweise, wenn sie Kindern beim Spielen zusähen. „Mit der Freude eng verbunden ist dann sicher oft der Schmerz des Verlustes und ein Gefühl des selbst Verloren-Gegangenseins“, so Mues: „In dieser Situation gewinnen Gegenstände eine besondere Rolle. An ihnen kann man sich im wahrsten Sinne des Wortes festhalten.“

Anhand dreier Schicksalsschläge, die Erinnerungsdokumente und authentische Gegenständen aus der betroffenen Zeit dokumentieren, wird das von den Vertriebenen Erlebte greifbar. Zudem wird im Siegerlandmuseum an das Hauptdurchgangslager am Wellersberg erinnert. Insgesamt 59 Exponate – beispielsweise Bilder, Koffer oder ein Rucksack – sind zu sehen. Texttafeln informieren ergänzend über die Flucht aus den ehemaligen Ostgebieten, wovon immerhin rund 14 Mill. Deutsche betroffen waren. Paul Breuer, Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein und zugleich Vorsitzender des Beirats für Vertriebenen- und Aussiedlerfragen, rechnete vor, dass im Kreisgebiet rund 60 000 Menschen einen Ursprung als Flüchtling oder Vertriebener hätten. Die Vertriebenen hätten sich seinerzeit engagiert und ihren Teil zum Aufbau der Region geleistet: „Ihre Integration war keine von oben, sondern eine von unten.“

Hans-Heinrich Thomas vom Bund der Vertriebenen zeigte sich erfreut darüber, dass nun endlich eine lange Phase des Übergangs beendet werden konnte. Im Jahr 2004 nämlich wurde die Ost- und Mitteldeutsche Heimatstube im Zuge der Neukonzeption des Siegerlandmuseums aufgelöst; erst jetzt fanden die Vertriebenen eine neue Präsentationsplattform.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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