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Corona trifft Taxiunternehmen hart
Über die Hälfte der Fahrten fällt aus

Die heimischen Taxiunternehmen haben einige Kosten in den Schutz der Mitarbeiter und Kunden investiert, beispielsweise Trennscheiben angebracht oder Handschuhe und Masken bereitgestellt. Die Kundenzahlen sind dennoch klar gesunken.
  • Die heimischen Taxiunternehmen haben einige Kosten in den Schutz der Mitarbeiter und Kunden investiert, beispielsweise Trennscheiben angebracht oder Handschuhe und Masken bereitgestellt. Die Kundenzahlen sind dennoch klar gesunken.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

juka Siegen. Warten. Ungewöhnlich ist das für Taxifahrer nicht. Auch in „normalen“ Zeiten verbringen sie einen nicht unwesentlichen Teil damit, in ihren Fahrzeugen zu verharren und auf Gäste zu warten. Doch das Coronavirus stellt die Geduld oftmals auf eine wesentlich härtere Probe und die zahlreichen Unternehmen in der Region vor große Probleme. „Ich warte meistens ungefähr zwei Stunden auf eine Fahrt“, erklärt der private Taxiunternehmer Stefan Hundt. „Es fehlen auch die weiten Fahrten. Es ist viel für 6,70 Euro auf den Rosterberg oder ähnliches dabei“, zeigt er auf. Mit den Problemen steht er nicht alleine da. Die gesamte Branche hat zu kämpfen.

Viele Gründe für Fahrgast-Rückgang
„Wir haben einen starken Rückgang des Fahrtaufkommens.

juka Siegen. Warten. Ungewöhnlich ist das für Taxifahrer nicht. Auch in „normalen“ Zeiten verbringen sie einen nicht unwesentlichen Teil damit, in ihren Fahrzeugen zu verharren und auf Gäste zu warten. Doch das Coronavirus stellt die Geduld oftmals auf eine wesentlich härtere Probe und die zahlreichen Unternehmen in der Region vor große Probleme. „Ich warte meistens ungefähr zwei Stunden auf eine Fahrt“, erklärt der private Taxiunternehmer Stefan Hundt. „Es fehlen auch die weiten Fahrten. Es ist viel für 6,70 Euro auf den Rosterberg oder ähnliches dabei“, zeigt er auf. Mit den Problemen steht er nicht alleine da. Die gesamte Branche hat zu kämpfen.

Viele Gründe für Fahrgast-Rückgang

„Wir haben einen starken Rückgang des Fahrtaufkommens. Das Nachtgeschäft ist komplett eingebrochen, wir haben keine Flughafenfahrten, stationäre Krankenhaus-Aufenthalte oder Reha-Maßnahmen werden abgesagt oder verschoben und an den Schulen gab es teilweise Distanz-Unterricht“, zählt Gerold Schmidt, Geschäftsführer von Taxi Schmidt in Siegen, auf. Besonders der sinkende Anteil von Krankenfahrten falle ins Gewicht, zudem steige der Aufwand und die Kosten für Desinfektion oder weitere Schutzmaßnahmen.

Im Vorjahr habe man wochentags ungefähr 330 bis 350 Fahrten gehabt, dies sei nun um knapp 25 Prozent auf 250 bis 280 Fahrten zurückgegangen. Noch drastischer ist die Entwicklung allerdings am Wochenende. Dort hat Schmidt einen Rückgang von ungefähr 55 Prozent zu verzeichnen. „Im Vorjahreszeitraum waren es gut 400 bis 460 Fahrten, aktuell nur noch 180 bis 200 Beförderungen“, rechnet Schmidt vor. In ähnlichen Dimensionen befinden sich auch die Einbußen bei Stefan Hundt. „Sicherlich die Hälfte ist weggefallen“, weiß der Taxiunternehmer. Die Gründe dafür liegen auf der Hand.
Die Schließungen der Gastronomie spielen insbesondere am Abend eine Rolle, aber auch die Absage der Weihnachtsmärkte, der Rückgang von Geschäftsreisen und die Reduzierung der privaten Feiern tragen ihren Teil dazu bei. „Teils bevorzugen Fahrgäste auch ihren privaten Pkw und verzichten auf nicht unbedingt notwendige Termine“, erzählt Schmidt von seinen Erfahrungen.

Zusätzliche Kosten durch Corona

Doch Corona hat nicht nur die Fahrgastzahlen reduziert, sondern auch zusätzliche Kosten verursacht. Beispielsweise seien diese für den Schutz der Mitarbeiter und Kunden, durch den Einbau von Trennscheiben oder der Bereitstellung von Einmal-Handschuhen und Masken, sowie für die Desinfektion der Fahrzeuge fällig geworden. „Wir haben aber auch eine verringerte Personenauslastung in den Fahrzeugen und dadurch einen höheren Fahrzeug- und Personalbedarf“, erklärt Schmidt.
Das Kurzarbeitergeld sei dabei ein hilfreiches Mittel, um Stellenabbau zu verhindern. Andere Hilfen seien derweil nur mit einem hohen bürokratischen und zeitlichen Aufwand zu erhalten, kritisiert der Geschäftsführer. „Eine Erstattung der Kosten für den Einbau der Trennscheiben sind beispielsweise nicht rückwirkend möglich. Diese Hilfe stand noch nicht bereit, als wir im Februar und März unsere Fahrzeuge ausgestattet haben“, führt Schmidt an. Auch die Erstattung der Lohnfortzahlung während einer Quarantäne dauere sehr lange. „Wir fallen da ein bisschen durch das Raster“, bestätigt Hundt die Erfahrungen. Er selbst habe versucht, die Soforthilfe zu beantragen, sich über zwei Stunden damit beschäftigt. Letztlich erfolglos.

Taxiunternehmer sehen kein Licht am Ende des Tunnels

Licht am Ende des Tunnels ist zudem nicht in Sicht. „Die nächsten drei Monate ist damit nicht zu rechnen. Vielleicht ab Mitte März, wenn es wieder wärmer wird und ein Teil der Menschen geimpft ist“, hofft Hundt. Aber im für die Branche so wichtigen letzten Monat des Jahres bleiben die Aussichten düster. „Der Dezember ist eigentlich der umsatzstärkste Monat im ganzen Jahr. Hier werden Gewinne erwirtschaftet, welche helfen, den umsatzschwachen Januar zu kompensieren und ein gewisses Polster aufzubauen“, so Schmidt.

Doch das wird aufgrund der Umstände nun schwierig bis unmöglich. „Wir erwarten sehr große Einbußen, da Betriebs-, Familien-, und Silvesterfeiern nicht oder nur stark verringert stattfinden werden“, befürchtet er. Auf die Frage, ob die Situation irgendwann auch existenzbedrohend werden könnte, gibt es ein knappes: „Ja.“ Und wirklich Mut dürfte den Unternehmen der angedachte komplette Lockdown auch nicht machen. Ganz im Gegenteil. Das Warten wird wohl eher noch eine ganze Zeit weitergehen.

Nachts von Betriebspflicht entbunden

Der Kreis Siegen-Wittgenstein hat die Taxiunternehmen derweil von der Betriebspflicht zwischen 20 und 6 Uhr entbunden. „Das ist auch sinnvoll“, findet Stefan Hundt. Auch der Vorstoß von FDP-Politiker Christian Lindner, Menschen aus Risikogruppen mit Taxigutscheinen auszustatten, findet bei dem Unternehmer Anklang. „So würde man verhindern, dass diese in vollen Bussen oder Zügen fahren müssen.“ Ob dieser Vorschlag jedoch umgesetzt wird, erscheint momentan äußerst fraglich.

Autor:

Julian Kaiser (Volontär) aus Siegen

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