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Senior aus Kreuztal blickt mit Sorge auf den Abend
Üble Belästigungen an Halloween

An Halloween scheiden sich die Geister. Ein Senior aus Kreuztal berichtet von üblen Belästigungen. In Zeiten von Corona hält das Gesundheitsministerium  Umzüge von Tür zu Tür für „wenig verantwortungsvoll“.
  • An Halloween scheiden sich die Geister. Ein Senior aus Kreuztal berichtet von üblen Belästigungen. In Zeiten von Corona hält das Gesundheitsministerium Umzüge von Tür zu Tür für „wenig verantwortungsvoll“.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

nja Kreuztal/Siegen. Ein Gespenst geht um in Europa …: kein politisches diesmal, aber eines, das hier und da die sogenannte politische Korrektheit vermissen lässt: Halloween sorgt am 31. Oktober, am Abend vor Allerheiligen („All Hallows’ Eve“), nicht nur auf spaßige Weise für „Gruseln“: Gut in Erinnerung geblieben ist eine handvoll Nachwuchsgespenster, die an der Kreuztaler Haustür nicht nur nach Süßigkeiten lechzten, sondern anschließend auch noch kichernd vor dem Gäste-WC Schlange standen. Immer wieder aber, so berichtet ein Kreuztaler...

nja Kreuztal/Siegen. Ein Gespenst geht um in Europa …: kein politisches diesmal, aber eines, das hier und da die sogenannte politische Korrektheit vermissen lässt: Halloween sorgt am 31. Oktober, am Abend vor Allerheiligen („All Hallows’ Eve“), nicht nur auf spaßige Weise für „Gruseln“: Gut in Erinnerung geblieben ist eine handvoll Nachwuchsgespenster, die an der Kreuztaler Haustür nicht nur nach Süßigkeiten lechzten, sondern anschließend auch noch kichernd vor dem Gäste-WC Schlange standen. Immer wieder aber, so berichtet ein Kreuztaler Senior, der aus verständlichen Gründen nicht namentlich erwähnt werden möchte, graut ihm und seiner Frau vor dem Abend des Reformationstags: wenn das auf keltischen Bräuchen fußende, mit irischen Auswanderern in den USA und in Kanada gelandete und von dort auf das europäische Festland geschwappte Gruseltreiben auch das Siegerland „heimsucht“.

Immer wieder Probleme durch Halloween in Kreuztal

„Immer wieder gibt es Probleme“, erzählt er: Nicht, wenn lustig-putzig verkleidete Kinder frühabends vor der Haustür stehen und mit dem Ausruf „Süßes oder Saures“ Schnuck einfordern. Nein, mit etwa 15- bis 20-Jährigen habe er mehr als einmal ungute Erfahrungen gemacht. Sie klingelten gerne zu vorgerückter Stunde, nach 23 Uhr, und schreckten auch vor Vandalismus nicht zurück. Der Kreuztaler berichtet von Silvester-Böllern, die in Vorjahren Schmorschäden am Gemäuer hinterlassen hätten. Es werde gegen Türen getreten – „nicht nur bei uns“ –, das Haus mit Eiern beworfen. Er und seine Frau geben gerne: „Wie decken uns immer mit Süßigkeiten ein.“ Aber irgendwann müsse doch auch mal Ruhe sein. Freude bereite dieser Abend schon länger keine mehr. Vielmehr überlegt das Paar, das Licht in der Wohnung Samstagabend gar nicht mehr anzuschalten.

Polizei sieht keine Halloween-Brennpunkte

Gibt es zu Halloween im Kreisgebiet Gegenden, in denen die Ordnungskräfe verstärkt nach dem rechten schauen müssen? Die SZ fragte bei der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein nach: Brennpunkte gibt es aus deren Sicht nicht.

„Streich“ oder Straftat? „Dieses Jahr sollte darauf geachtet werden, dass aus Ärger über Corona oder wegen verschlossener Türen aus einem harmlosen Streich keine Sachbeschädigung wird, denn das kann strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.“ Das teilt die polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes mit und erinnert an die Einhaltung der AHA-Regeln auch beim Halloween-Zug von Tür zu Tür: Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske in bestimmten öffentlichen Bereichen tragen, wenn dies vorgegeben ist. „Verschlossene Türen sind unbedingt zu respektieren“, so Geschäftsführer Harald Schmidt (Kriminaloberrat) weiter. Wer einen Streich spielen wolle, müsse darauf achten, dass keine Menschen zu Schaden kommen beziehungsweise fremdes Eigentum beschädigt wird. „Viele Streiche sind allerdings schlicht Sachbeschädigungen. Diese können mit einer Geldstrafe und sogar mit bis zu zwei Jahren Gefängnis geahndet werden.“ Das kann z. B. beim Einwickeln eines Autos mit Toilettenpapier passieren, wenn dabei Kratzer im Lack entstehen. „Das ist kein harmloser Streich mehr, sondern eine Sachbeschädigung.“ Wer Parkbänke oder Haltestellenhäuschen zerstöre, begehe „gemeinschädliche Sachbeschädigung“ und müsse mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe rechnen. Der Schaden müsse zudem bezahlt werden. Auch wer nur mit einer Streiche spielenden Gruppe umherziehe, sich aber nicht aktiv beteilige, könne wegen gemeinschaftlicher Sachbeschädigung zur Verantwortung gezogen werden. „Sollten Sie Zeuge oder Opfer einer solchen Straftat werden, zögern Sie nicht, den Notruf 110 zu wählen.“

Im Rahmen des Einsatzgeschehens lasse sich auch nicht von einem „besonderen Abend“ sprechen. Kann diese Aussage mit Zahlen untermauert werden? „2019 hatten wir insgesamt sieben Einsätze von 18 bis 6 Uhr, bei denen eventuell ein Halloweenbezug bestehen könnte“, legt die Polizei inhaltlich nach: In Kreuztal wurden demzufolge Eierwürfe an ein Wohnhaus und auf der Straße, das Zünden von Böllern auf dem Schulgelände und eine Körperverletzung im Rahmen einer Halloween-Party aktenkundig, in Geisweid Eierwürfe, in Netphen sowie Bad Laasphe gingen ebenfalls Böller „hoch“. Grundsätzlich sei das Einsatzaufkommen nicht höher ist als an anderen Abenden. „Sollten Menschen dauerhaft belästigt oder sogar Opfer von Straftaten werden, dann sollten sie in jedem Fall die Polizei rufen.“

Corona macht auch Halloween einen Strich durch die Rechnung

Richtig gefeiert werden dürfte Halloween in diesem von der Corona-Pandemie heimgesuchten Jahr angesichts der steigenden Infektionszahlen wohl vor allem im privaten Ambiente – wenn überhaupt. Das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium hat laut dpa nun auch auch davor gewarnt, von Tür zu Tür ziehen: „In Corona-Zeiten das Grundstück anderer Personen zu betreten und ihnen – zuweilen ungefragt – eine Begegnung, bei der der Mindestabstand vermutlich nicht komplett eingehalten werden kann, aufzudrängen, erscheint wenig verantwortungsvoll“, heißt es aus Düsseldorf.
Theoretisch dürfe man zwar zu zehnt – in Risikogebieten zu fünft – von Tür zu Tür ziehen. Die Einschränkung von Kontakten aber sei nun mal „das Gebot der Stunde“. Gerade für anfällige Bevölkerungsgruppen wie ältere Menschen sei es risikobehaftet, wenn man bei ihnen klingele und eine Tüte für Süßigkeiten entgegen strecke.
Und da Siegerland, Wittgenstein, Olpe und Altenkirchen nicht zu den Halloween-Hochburgen zählen wie z. B. Ohio, USA, dürfte hierzulande wohl auch der Ehrgeiz, Corona zum Trotz Lutscher und Schokolade ans Kind zu bringen, geringer sein: Dort nämlich baute ein Vater Medienberichten zufolge mit seiner sechsjährigen Tochter eine zwei Meter lange Süßigkeitenrutsche, um dem Nachwuchs die Kariesbooster nicht vorenthalten zu müssen …

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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