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Kauflaune nur bedingt gesteuert
Umsatzsteuersenkung bringt kaum Mehrwert

Beim Autokauf – wie hier in der Hoppmann Autowelt – machte sich die Steuersenkung um 3 Prozentpunkte
bemerkbar auf der Rechnung. Ob dadurch aber zusätzliche Kunden gewonnen wurden, ist nicht leicht zu sagen.
  • Beim Autokauf – wie hier in der Hoppmann Autowelt – machte sich die Steuersenkung um 3 Prozentpunkte
    bemerkbar auf der Rechnung. Ob dadurch aber zusätzliche Kunden gewonnen wurden, ist nicht leicht zu sagen.
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  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

js Siegen. Sie gehört zu den Herzstücken des „Wumms“ – des im Juni beschlossenen, 130-Milliarden-Euro schweren Konjunkturprogramms, mit dem die Bundesregierung verhindern wollte, dass sich die Corona- auch noch zu einer heftigen Wirtschaftskrise auswachsen würde. Ab dem
1. Juli schlug die für Umsätze fällige Steuer mit 16 statt 19 Prozent zu Buche, mit dem Jahresende läuft diese Ermäßigung aus. Die Kunden dürften profitiert haben. Ob das für sie unterm Strich bemerkbar war, hängt von der Höhe der jeweiligen Rechnung ab. Beim Brötchenholen am Wochenende dürfte der Effekt verpufft sein – wer sich aber das Dach neu eindecken ließ, konnte kräftig sparen. Hat die Steuerermäßigung ihren Soll erfüllt?Aus unternehmerischer Sicht war dies nicht unbedingt der Fall.

js Siegen. Sie gehört zu den Herzstücken des „Wumms“ – des im Juni beschlossenen, 130-Milliarden-Euro schweren Konjunkturprogramms, mit dem die Bundesregierung verhindern wollte, dass sich die Corona- auch noch zu einer heftigen Wirtschaftskrise auswachsen würde. Ab dem
1. Juli schlug die für Umsätze fällige Steuer mit 16 statt 19 Prozent zu Buche, mit dem Jahresende läuft diese Ermäßigung aus. Die Kunden dürften profitiert haben. Ob das für sie unterm Strich bemerkbar war, hängt von der Höhe der jeweiligen Rechnung ab. Beim Brötchenholen am Wochenende dürfte der Effekt verpufft sein – wer sich aber das Dach neu eindecken ließ, konnte kräftig sparen. Hat die Steuerermäßigung ihren Soll erfüllt?Aus unternehmerischer Sicht war dies nicht unbedingt der Fall. Eine Blitzumfrage der IHK Siegen brachte bereits zur Halbzeit im September ein ernüchterndes Ergebnis. Drei Viertel der Befragten sahen in der reduzierten Umsatzsteuer keine wirksame Hilfe zur Konsumbelebung. Die Mitglieder des IHK-Einzelhandelsausschusses bewerteten die Auswirkungen der Konjunkturspritze auf den Umsatz bei ihrer jüngsten, virtuellen Sitzung recht unterschiedlich. Der Modebranche etwa habe sie nichts gebracht, in Möbelhäusern hingegen oder bei der Unterhaltungselektronik habe sie ins Schwarze getroffen.
„Für unsere Branche ist das schlicht kein probates Mittel“, sagte Henrik Enders von Maiworm Mode in Olpe. „Letztlich ging es bei unseren Artikeln nur um ein paar Euro“, attestierte Thomas Weissner von Leder Jaeger Siegen der Maßnahme „keine Effekte“.

Nur Mehrarbeit

„Bei uns hat die Mehrwertsteuersenkung nur zu Mehrarbeit geführt“, resümierte Jörg Dornseifer von Dornseifers Frischemarkt. Bei 35 000 Artikeln im Sortiment hätten er und seine Mitarbeiter alle Hände voll zu tun gehabt – bei quasi null Wirkung. „Stattdessen hat die Senkung einen Preiskampf in der Lebensmittelbranche losgetreten.“ Christian Bald vom Möbelhaus Heinrich Bald berichtete hingegen, dass die Senkung bei ihm einen spürbaren positiven Effekt hinterlassen habe. Allerdings gelte es, dies richtig einzuordnen. Denn die vorgezogenen Käufe, die die Kunden jetzt tätigten, blieben voraussichtlich bei der Rückkehr zur vollen Mehrwertsteuer aus. Möbel-, Küchen- und Autohäuser hätten am meisten profitiert. Der Rest habe in sehr überschaubarem Rahmen Nutzen, dafür aber einen deutlichen Mehraufwand gehabt, bringt es IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener im SZ-Gespräch auf den Punkt. Die Kassensysteme müssten nun zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit umgestellt werden. Für eine Bewertung sei es jedoch noch zu früh. „In ein paar Monaten erst kann man wirklich Bilanz ziehen“, meint Gräbener. Erst dann könne abgelesen werden, ob es nicht einfach hier und da ein Vorzieheffekt gegeben habe für Aufträge und Anschaffungen, die dann erst einmal ausblieben. Die Nachfragestimulierung sei fragwürdig, findet Gräbener. Denn: Die Sparquote, also der Anteil des verfügbaren Einkommens, das zurückgelegt wird, liege in diesem Jahr höher als sonst. 2020 könnte sie von durchschnittlich 10 auf 16 Prozent steigen, wie aus einer Studie der DZ Bank hervorgeht.

Nur Einzelfälle

Einen großen Vorzieh- oder Mitnahmeeffekt hat Martin Schneider, kaufmännischer Leiter der Hoppmann Autowelt, nicht festgestellt in der zweiten Jahreshälfte. Die Gespräche, in denen Kunden den Autokauf mit der Mehrwertsteuer begründet hätten, seien Einzelfälle gewesen. Wirklich spürbar sei dieses Instrument aus dem Konjunkturprogramm damit nicht gewesen. „Der bürokratische Aufwand aber hat es in sich.“ Ein anderer Kaufanreiz aus dem Bundespaket hingegen hat sich auch bei Hoppmann bemerkbar gemacht. Die aufgestockte Klimaprämie für Elektrofahrzeuge und Hybride habe dafür gesorgt, dass der Anteil dieser Fahrzeuge von etwa 8 Prozent im Vorjahr auf 20 Prozent in diesem Jahr gestiegen sei.Wolfgang Keller vom Autohaus Keller hat eine Mehrwertsteuer-Kurve bemerkt in diesem Verkaufsjahr: Nach der Ankündigung des Konjunkturpakets gab es eine Vollbremsung bei den Nachfragen, ab dem 1. Juli dann drückten die Kunden wieder etwas aufs Gas. „Im dritten Quartal wurde das Geschäft forciert, für das vierte hätte ich eigentlich noch etwas mehr Schub vermutet.“ Die Autobranche hätte sich eine weitere Abwrackprämie gewünscht, räumt Keller ein. Er sei aber auch realistisch: „Das wäre ein übermäßiges Geschenk gewesen.“ Durch die Mehrwertsteuersenkung sei das Geschäft aber zumindest etwas besser als erwartet gelaufen. Von der Innovationsprämie habe die Hausmarke Toyota nicht direkt, aber zumindest indirekt profitiert. Da die Japaner nicht Plug-in-, sondern Vollhybrid-Fahrzeuge anbieten, kommen sie nicht in den Genuss der zusätzlichen Finanzspritze. Dennoch sei die Nachfrage nach solchen Antrieben deutlich gestiegen. „Die Kunden orientieren sich immer mehr an der Nachhaltigkeit.“ Die Coronakrise sei eben auch ein Teil der Klimakrise – das sei bei vielen Menschen angekommen.

Nur Bürokratismus

Bleibt der Blick aufs Handwerk. „Das Echo ist verhalten“, hat Jürgen Haßler als Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Westfalen-Süd für die SZ in Erfahrung gebracht. Moniert worden sei vor allem auch hier der Bürokratismus, insbesondere von den Handwerkern mit Ladenkasse. Aber auch für das Baugewerbe habe die temporäre Steuersenkung Schwierigkeiten gebracht: Bei Projekten, die eben länger als diese sechs Monate liefen, sei es mitunter kompliziert geworden bei Abschlagszahlungen und der Abrechnung von Teilleistungen. Ja, es seien 2020 mehr Aufträge generiert worden. Nun bleibe jedoch abzuwarten, was davon im kommenden Jahr bleibe. Kurzum: „Das war nicht der ganz große Wurf.“

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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