Umweltministerin sucht Konsens

 Landrat Andreas Müller und Trägervereins-Chef Bernd Fuhrmann freuen sich, dass sich Umweltministerin Ursula Heinen-Esser im Wisent-Streit einschaltet. Foto: Holger Weber
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howe - Im März kommt die NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser in die heimische Region – nicht, um die Schönheiten des Wittgensteiner Lands zu genießen, sondern um zu arbeiten. Denn die Landesministerin will im Streit des Wisent-Trägervereins mit den vor Gericht klagenden Sauerländer Waldbauern vermitteln und möglichst noch in diesem Jahr mit allen Beteiligten eine Konsenslösung finden. Das teilten am Mittwoch bei der Jahresbilanzpressekonferenz in der Wisent-Hütte in Wingeshausen Landrat Andreas Müller und Trägervereins-Vorsitzender Bernd Fuhrmann mit. „Wir begrüßen es sehr, dass sie das Thema zur Chefsache macht“, erläuterte Bernd Fuhrmann.

Es gebe bekanntlich die Schäden an den Bäumen der Waldbesitzer. Und Ministerin Ursula Heinen-Esser habe vorgeschlagen, an der kommenden Koordinierungsgruppen-Sitzung teilzunehmen, die im März stattfinde. „Dass sie sich dafür die Zeit nimmt, ist ein positives Signal“, konstatierte Bernd Fuhrmann. „Sie hat eine hohe Wertschätzung gegenüber dem Artenschutzprojekt und die wissenschaftliche Arbeit. Wir sind auf einem guten Weg.“ Landrat Andreas Müller, als Chef des Kreises Siegen-Wittgenstein nicht nur Vertragspartner des Wisent-Auswilderungsprojekts, sondern auch Vorsitzender der Koordinierungsgruppe, schilderte noch einmal die Bedingungen: Die Arbeit in der Koordinationsgruppe sei nicht immer vergnüglich, das Projekt sei nicht überall unumstritten. Ein ausgerottetes Tier in den Naturraum zurückzubringen, das gehe nicht immer konfliktlos vonstatten. In der Region herrsche aber eine „absolut positive Grundstimmung zum Projekt“. Es gebe keine Ängste oder Vorbehalte wie beim Wolf. Das zeigten im Übrigen auch die positiven Beschlüsse auf politischer Ebene. Das Wisent-Projekt habe eine positive Wirkung auf die Region, auch touristisch seien die Effekte enorm. Jährlich verzeichne die Wisent-Wildnis 40 000 Besucher. Hier oben sei ein außerschulischer Lernort entstanden, außerdem finde eine Verknüpfung mit den Zielen des Naturparks Sauerland-Rothaargebirge statt. Auch international habe das Wisent-Projekt ein „hohes Renommee“. Nun müsse ein Weg gefunden werden, der eine Fortführung des Auswilderungsprojekts gewährleiste und die Situation befriede, so Andreas Müller. Die Umweltministerin wolle sich einbringen, das habe diese bei einem Gespräch des Trägervereins und des Kreises in Düsseldorf versichert. „Ich glaube, dass wir einen neuen Masterplan benötigen. Die Waldbauern müssen entlastet werden“, fand der Landrat. Er beteilige die Sauerländer Waldbauern, um zu einem Dialog zu kommen. Die Schäden sollten durch eine Management-Lösung vermieden werden, jetzt müsse man sich etwas anderes überlegen.

Was Konfliktlösung nun konkret bedeute, das erläuterte Andreas Müller auch: Es gehe darum, neue Vereinbarungen zu treffen, „wie wir die Freisetzungsphase gestalten, und zwar konfliktfrei“. Insofern müssten neue Regeln für die Weiterführung des Projekts aufgestellt werden. Ergo: „Wir benötigen eine Vertragsänderung, eine Neuregelung des öffentlich-rechtlichen Vertrags. Zu regeln sind die Bedingungen, etwa die Größe der Herde, die mögliche Entnahme von einzelnen Tieren, Größe, Umfang und Gestaltung des Projektgebiets und andere Dinge. Das Projektgebiet ist definiert, sie halten sich dort aber nicht auf“, so Andreas Müller. Es müsse also neu geregelt werden, wie das Projektgebiet der Zukunft aussehe. Bestimmte Maßnahmen seien noch nicht ergriffen, unter anderem sollten die Tiere die Grenze nicht betreten. Eines formulierte Andreas Müller gestern beim Pressegespräch ganz deutlich: „Juristische Entscheidungen nehmen uns das Problem nicht ab.“ Die Freisetzungsphase, die noch laufe, müsse neu bewertet werden. „Es war eine politische Entscheidung, die Wisente auszuwildern, es ist auch jetzt an der Politik, Lösungen zu erarbeiten.“ Und ohne das Land Nordrhein-Westfalen seien diese Lösungen nicht möglich. Die Fragen seien vielschichtig, der neue Masterplan müsse konkret entwickelt und umgesetzt werden. Bernd Fuhrmann ergänzte, man sei aktuell an einem Punkt, wo man gemeinsam mit der Ministerin ein in die Region eingebettetes Projekt, das einmalig in Westeuropa sei, nachhaltig sichere. Im Laufe des Jahres wolle man „in die Lösungswege reinkommen“.

Aktuell bewegen sich 20 Wisente in der frei lebenden Herde. „Sie fühlen sich wohl im Naturpark Sauerland-Rothaargebirge“, formulierte Bernd Fuhrmann wertfrei. Schäden an der Baumrinde richteten sie genauso an wie andere Wildarten auch. Der Schadensfonds sei mit 50 000 Euro in 2018 ausgeschöpft gewesen. Der Trägerverein sei angewiesen auf Sichtungen des Wanderungsverhaltens. Die Tiere bewegten sich innerhalb des Naturparks 16 Kilometer zwischen Ost und West sowie sechs Kilometer zwischen Nord und Süd. Das Streifgebiet im Winter betrage rund zwei Quadratkilometer und liege „etwas außerhalb von Bad Berleburg“.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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