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Pedelcs liegen voll im Trend
Unfälle mit dem E-Bike steigen um satte 44 Prozent

E-Bikes sind mehr denn je im Trend – das wirkt sich auch auf die Unfallzahlen aus.

js Siegen/Olpe. Immer mehr Menschen satteln um. Das Fahrrad, vor allem in seiner von einem Elektromotor verstärkten Ausführung, erfreut sich seit Jahren zunehmender Beliebtheit. Die Corona-Stimmung des vergangenen Jahres hat diesem Boom noch einen kräftigen Schub gegeben. Weiterhin sonnige Aussichten für die Zweiradhändler also – doch auch dieser Trend hat seine Schattenseiten: Die Zahl der Pedelec-Unfälle nimmt deutlich zu.

377,5 Prozent

js Siegen/Olpe. Immer mehr Menschen satteln um. Das Fahrrad, vor allem in seiner von einem Elektromotor verstärkten Ausführung, erfreut sich seit Jahren zunehmender Beliebtheit. Die Corona-Stimmung des vergangenen Jahres hat diesem Boom noch einen kräftigen Schub gegeben. Weiterhin sonnige Aussichten für die Zweiradhändler also – doch auch dieser Trend hat seine Schattenseiten: Die Zahl der Pedelec-Unfälle nimmt deutlich zu.

377,5 Prozent mehr Unfälle mit dem E-Bike seit 2015

Die Statistiker von IT NRW legen dazu die landesweiten Zahlen vor. Demnach verunglückten im vergangenen Jahr 18.826 Radfahrer in Nordrhein-Westfalen – 3896 von ihnen saßen auf einem Pedelec. Diese Zahlen an sich müssen eingeordnet werden, um wirklich verständlich zu sein. Im Vergleich zum Vorjahr (2019) bedeutete die Gesamtzahl nämlich einen Zuwachs von 566 Unfallradlern (das ist ein Plus von 3,1 Prozent). Bei den E-Bikern stieg die Unfallzahl um 1190 – das sind satte 44 Prozent. Auch die Fünf-Jahres-Betrachtung der Statistiker spricht die gleiche Sprache: Seit 2015 ist die Zahl der Fahrradunfälle um 21 Prozent gestiegen, bei den Pedelecs stieg sie hingegen um 377,5 Prozent.

30 Personen sterben in NRW bei Unfällen mit dem Pedelec

Nicht nur landesweit, sondern auch in der Region lässt sich genau dieser unschöne Trend feststellen. Als die Polizeibehörden der Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe vor einem guten Monat ihre eigenenen Statistiken veröffentlichten, machten auch sie auf dieses Problem aufmerksam. In Siegerland und Wittgenstein verunglückten im vergangenen Jahr 39 E-Biker so heftig, dass die Polizei gerufen wurde. Im Kreis Olpe waren es 30 (zum Vergleich: 2019 waren es dort 17). Ihr Durchschnittsalter lag bei 53 Jahren.
Tödlich verlief zum Glück keiner dieser Unfälle – landesweit aber gab es durchaus Opfer zu beklagen. 30 Personen starben bei Unfällen mit Pedelecs (gut 30 Prozent mehr als im Jahr zuvor). Darüber hinaus war die Zahl der Schwerverletzten deutlich höher als 2019: 973 waren es, das bedeutet ein Plus von knapp 57 Prozent. Bei den Leichtverletzten lag der prozentuale Anstieg bei etwa 40.

Auch hier lohnt der relativierende Blick zu den unmotorisierten Radlern: Auch unter ihnen gab es im Land Unfalltote zu beklagen: Die Zahl 76 bedeutet aber einen vergleichsweise geringen Zuwachs von
7 Prozent. 3496 Radler (ohne E-Motor) wurden schwer verletzt (plus 11,3 Prozent), 15 254 Personen wurden leicht verletzt (plus 1,4 Prozent).

Ungeübt mit 25 km/h auf dem E-Bike kann gefährlich werden

Die nüchternen Zahlen liefern in diesem Fall noch keine Erklärung für die deutliche Zunahme der Unfälle, insbesondere unter den E-Bike-Fahrern. Der relativ hohe Altersschnitt, von dem im Kreis Olpe beispielhaft die Rede ist, könnte aber zumindest einen Erklärungsansatz liefern. Durch die Unterstützung der beim Pedal-Treten hat das Radfahren nun neue Nutzerkreise erschlossen – nicht zuletzt Menschen, die aufgrund ihres Alters oder Fitnesslevels dem Sattel eher ferngeblieben sind in den vergangenen Jahren, nutzen die so praktische wie schöne Form der Fortbewegung auf zwei Rädern.

Ungeübt und mit wenig Erfahrung voll in die Pedale zu treten, kann aber zum Problem werden. Denn: „25 km/h sind schon nicht wenig“, erklärt Dr. Holger Poggel, Vorsitzender des ADFC-Kreisverbands Siegen-Wittgenstein. Dieses Pedelec-Tempo werde von manchen Neu- oder Wiedereinsteigern unterschätzt. Es könne durchaus verführerisch sein, das Rad auf solch eine Geschwindigkeit zu bringen, so der Radfahr-Experte. Da könne es durchaus vorkommen, dass die Erfahrung nicht Schritt halten könne. „Wer lange Jahre sattelfest ist, kann auch sicherer auf Gefahrensituationen regieren.“

"Fahrräder gehören auf die Straße"

Wichtiger sei es jedoch aus seiner Sicht, an der Infrastruktur zu arbeiten – auch, um den aus seiner Sicht positiven Trend weiter auf Spur zu halten. Fahrräder gehörten auf die Straße, auch in der Stadt. „Jede Hauptverkehrsachse sollte bestenfalls eine getrennte Radspur bekommen“, meint Poggel mit Blick auf Siegen. Dass an 75 Prozent der in der IT-Statistik gelisteten Unfälle auch Autos beteiligt gewesen seien, zeige deutlich, dass genau an diesen Sicherheitsaspekten gearbeitet werden müsse. Auch Wiedereinstiegs-Kurse für unerfahrene Fahrer könnten helfen. In der Corona-Zeit aber müssten diese noch auf sich warten lassen.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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