Unglücklichsein besiegen

Guido Verstegen erzählte die Geschichte des Wunderkindes Novecento und die seiner Musik. Foto: soph

soph Siegen. Im Jahr 1900 entdeckt ein Matrose auf dem Ozeanriesen „Virginian“ einen Säugling und gibt ihm den wohlklingenden Namen Danny Boodman T. D. Lemon Novecento. Er wächst auf dem Schiff auf und wird von allen Novecento (italienisch für 1900) genannt. Als er acht Jahre alt ist, stirbt sein Ziehvater bei einem Unfall. Der Kapitän beschließt, dass Novecento von Bord gehen muss, aber der Junge wird vergeblich gesucht. Eines Nachts versammeln sich die Besatzung und einige Passagiere im Ballsaal der ersten Klasse und lauschen und staunen. Am Klavier sitzt Novecento und spielt …

Das Stück „Novecento – Die Legende vom Ozeanpianisten“ (Alessandro Baricco) wurde am Samstag und Sonntag von dem gebürtigen Weidenauer Guido Verstegen als Produktion der Lichtbühne München im Kleinen Theater im Lÿz aufgeführt. Erzählt wird die Geschichte des musikalischen Wunderkindes aus der Sichtweise von Tim Tooney, der im Jahr 1927 als Trompeter zur Band dazustößt. Denn Novecento blieb an Bord des Schiffes und begeisterte auf den zahlreichen Überfahrten mit ganz besonderen Tönen. Tim Tooney wird sein Freund, kann ein wenig in das sensible und doch leicht verrückte Wesen des Pianisten blicken und dennoch die eine Frage nicht beantworten: Warum geht Novecento nie von Bord?

Die Inszenierung wechselt zwischen nachgespielten Szenen und Passagen, in denen Toony das Publikum direkt anspricht. Zwischendurch werden Musikstücke von Wanja Belaga eingespielt. Verstegen spielt mit viel Elan und Hingabe, er versteht es, den einzelnen Charakteren ein persönliches Gesicht zu geben. Während die meisten Beteiligten eher schroff und laut daher kommen, blickt Novecento mit großen Augen in die Welt.

Er spricht viel von der Welt. Er spricht von Orten, die er noch nie selbst gesehen hat. „Er konnte Menschen lesen, er erkannte ihre Geschichte.“ Dadurch bereist er in seinen Gedanken die Welt und sieht vermutlich mehr als so manch Reisender. Eines Tages beschließt Novecento, das Schiff in New York zu verlassen, um sich das Meer anzusehen. Aber dann bleibt er auf der letzten Stufe stehen, kehrt um und setzt sich wieder „an die schwarzen und weißen Tasten seines Lebens“.

Toony verlässt das Schiff, Novecento nimmt Abschied. Dann geht das Licht aus, und das Stück ist vorbei. Es war einen langen Moment lang still im Raum, bevor Verstegen die Bühne wieder betrat und der mehr als gerechtfertigte Applaus erklang.

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