Uni-Theater spielt Shepard

 Machtlos findet sich Farmers-Frau Emma (Juli Franzkoch) in den Fängen des Agenten Welch (Jack Harrison) wieder. Foto: rob
  • Machtlos findet sich Farmers-Frau Emma (Juli Franzkoch) in den Fängen des Agenten Welch (Jack Harrison) wieder. Foto: rob
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cn - Die fragwürdigen Auswüchse der Terror-Prävention – zahlreiche Drehbuchautoren haben sich mit dem von Barack Obama als „Overseas contingency operation“ verbrämten weltweiten Krieg gegen den Terrorismus kritisch auseinander gesetzt. Eines der leichter verdaulichen Ergebnisse dessen ist das Stück „The God Of Hell“ von Sam Shepard, eine moderne Dystopie von der eher unterhaltsamen Sorte. Die Inszenierung der Anglistik-Theatergruppe der Universität Siegen, der Desperate Thespians, konnten sich Interessierte am Montagabend letztmalig im Siegener Kulturhaus Lÿz anschauen.

Inmitten der spärlich besiedelten Weiten Wisconsins, führen Farmer Frank und seine Frau Emma ein – oberflächlich betrachtet – beschauliches Leben, dessen täglicher Höhepunkt sich auf die Fütterung der Kühe (Frank) beziehungsweise auf das Gießen der Topfpflanzen (Emma) beschränkt. Ihre vermeintlich idyllische Zweisamkeit wird gestört von Franks Jugendfreund Graig Haynes. Neben seiner mysteriösen Vergangenheit weist dieser noch einige andere fragwürdige Eigenschaften auf. Darüber zu rätseln, dafür bleibt dem Farmer-Ehepaar kaum Zeit, denn plötzlich steht der Regierungs-Angestellte Welch auf der Veranda. Schnell wird deutlich, dass dieser mit allergrößter Selbstverständlichkeit Privatrechte ignorierende Spezial-Agent auf der Suche nach Haynes ist. An diesem Punkt offenbart sich der apokalyptische Alptraum, in den die naiven Milchbauern geraten sind.

Unbestrittener Star des Stückes ist Welch-Darsteller Jack Harrison, dessen charismatisches Auftreten in nichts hinter seinen schauspielerischen Fähigkeiten zurücksteht. Pointiert arbeitet er die Facetten seines Charakters heraus und setzt gekonnt Akzente auf spezifischen mimischen und gestischen Elementen. Seine parabolische Überzeichnung US-amerikanischer Terrorismus-Paranoia liefert (neben diversen grotesk-komischen Szenen) packende Gänsehaut-Momente. In ein gefälliges Kontrast-Verhältnis dazu begibt sich Haynes-Darsteller Benedikt Meiburg: Neben der Omnipotenz Welchs mimt er das ohnmächtige Opfer und verliert sich mit seiner kleinen, dünnen Gestalt und der aschfahlen Haut beinahe neben dem hochgewachsenen und vor Vitalität strotzenden Regierungsangestellten. Einen soliden Rahmen für dieses gegensätzliche Duo stellen Juli Franzkoch (Emma) und David Schulte (Frank) bereit und mimen – für Laientheater-Verhältnisse durchaus überzeugend – die einfach strukturierten und leicht zu manipulierenden Farmersleute, die zu Zaungästen werden bei der Zerstörung ihrer eigenen Existenz.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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