„Unser Land verliert einen großen Politiker“

 Hans-Artur Bauckhage ist tot: Der frühere Wirtschaftsminister ist im Alter von 75 Jahren gestorben.

damo - Hans-Artur Bauckhage ist tot: Der frühere Wirtschaftsminister ist am Samstag im Alter von 75 Jahren verstorben. Damit verliert der Kreis Altenkirchen nach Franz Schwarz im vergangenen Juni erneut eines seiner wenigen politischen Schwergewichte.

Hans-Artur Bauckhage hat schon seit Jahrzehnten die Liberalen im Kreis, vor allem aber die Politik vor seiner eigenen Haustür geprägt. In Daaden, wo er erst die Familientradition fortsetzte und als Bäckermeister arbeitete, hat sich Bauckhage seit knapp fünf Jahrzehnten in Folge im Gemeinderat eingebracht. Auch dem Verbandsgemeinderat Daaden gehörte er lange Jahre an: von 1969 bis 2014. Seine Popularität weit über das Daadetal, ja den Kreis Altenkirchen hinaus erklärt sich aber mit seinem Wirken auf der Bühne der Landespolitik.

Dort startete Bauckhage vergleichsweise spät richtig durch: Zwar wurde er 1987 erstmals in den Landtag gewählt, aber erst 1998, im Alter von 55 Jahren, vollzog sich sein Aufstieg in die innerste Schaltzentrale der politischen Macht im Land. Als mit Rainer Brüderle die schillerndste Figur der rheinland-pfälzischen Liberalen nach Berlin gewechselt war, übernahm Bauckhage 1998 im Kabinett Beck das Superministerium: Er war fortan für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau verantwortlich.

Wie gut sein Standing in Mainz war, lässt sich auch daran ablesen, dass der bodenständige Biersdorfer ab 1999 auch den Posten des stellvertretenden Ministerpräsidenten übernahm.

Während seiner Zeit in Mainz hat Bauckhage seine Heimat nie aus den Augen verloren – er zeigte ein hohes Maß an Präsenz im AK-Land, und oft gelang es ihm, die Weichen im Sinne seiner Region zu stellen (z.B. beim Wissener Regio-Bahnhof oder dem Betzdorfer Siegkreisel).

Sein wohl profiliertestes Projekt aber wurde nicht umgesetzt: Bis heute ist der Kreis Altenkirchen praktisch eine autobahnfreie Zone – Bauckhage wollte das ändern und eine schnellere Anbindung der Region an den Mittelrhein schaffen. Vor allem für die gewerbliche Entwicklung der Region sei eine schnelle Ost-West-Verbindung unverzichtbar. Aber die Pläne für den Bau einer Westerwald-Autobahn wurden nie realisiert.

Bauckhage mag diese Niederlage geschmerzt haben – aber sie hat ihn nicht resignieren lassen. Er ist weiter konsequent für seine Überzeugungen eingetreten, und das immer unmissverständlich: Bei ihm musste man kaum auf die Zwischentöne achten, weil er aus seinem Herzen nie eine Mördergrube gemacht hat. Der Sozialliberale hat stets klipp und klar ausgesprochen, was er gedacht hat – auf welcher Bühne auch immer.

Und davon gab es viele: Gerade in seiner Zeit als Wirtschaftsminister jettete er quer durchs Land – und hat es doch praktisch immer geschafft, abends in einem der Daadener Räte zu sitzen. Dort bereicherte er die Debatten nicht nur mit klaren Ansagen, sondern auch mit einem Blickwinkel, den er in den kommunalen Gremien exklusiv hatte: den eines profilierten Landespolitikers.

Dass er dabei nicht den Staatsmann heraushängen ließ, sondern im breitesten Daadener Platt mit den Menschen in seiner Heimat auf Augenhöhe sprach, kam gut an. Das ließ sich auch an den Wahlergebnissen ablesen: Egal, ob Kommunal-, Landtags- oder Bundestagswahl, stets konnte die FDP im Daadener Land weit überdurchschnittliche Ergebnisse einfahren, das Wort vom „Bauckhage-Bonus“ tauchte in mancher Wahlanalyse auf.

Seine Kreis-FDP hat ihm das gedankt: Nachdem er sich dort über viele Jahre im Vorstand eingebracht und auch die Arbeit der Liberalen im Kreistag geprägt hat, wurde er vor einigen Jahren zum Ehrenvorsitzenden der Kreis-FDP gewählt. Und in Daaden ist er vor anderthalb Jahren zum ersten Ehrenbürger der Gemeinde ernannt worden.

Exemplarisch für unzählige Wegbegleiter sei an dieser Stelle die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer zitiert: „Mit ihm verliert unser Land einen großen Politiker. Er war nicht nur ein erfolgreicher Minister. Hans-Artur Bauckhage war auch ein ganz besonderer Mensch und wunderbarer Kollege."

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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