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Kurse in der Corona-Warteschleife
Unsicherheit bei Angebot der Volkshochschulen

„Volkshochschule“ lohnt sich – nicht nur beim Scrabble …: Die Erwachsenenbildung ist ein hohes Gut in unserer Gesellschaft.
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  • Foto: Anja Bieler-Barth
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

nja Siegen. Man lernt nie aus. Nur wenige Tage vor dem November-Lockdown hatte sich die SZ in Siegen erkundigt: Wie sind die Volkshochschulen des Kreises und der Stadt im Corona-Zeitalter ins Semester gestartet? In den Antworten schwang vorsichtiger Optimismus und durchaus Zufriedenheit mit. Nun aber dominiert bis auf Weiteres wieder die Unsicherheit. Integrationskurse und Prüfungen finden flächendeckend noch statt, in Siegen auch Angebote der Grundbildung. Alles andere befindet sich in der Warteschleife.
Viele Online-Kurse bei der Volkshochschule Siegen-Wittgenstein
Bis zum Lockdown hatten die Organisationsteams der Pandemie engagiert die Stirn geboten: Mit Hygienekonzepten und akribischen Planungen. So gab es bei der Kreis-VHS Siegen-Wittgenstein z. B.

nja Siegen. Man lernt nie aus. Nur wenige Tage vor dem November-Lockdown hatte sich die SZ in Siegen erkundigt: Wie sind die Volkshochschulen des Kreises und der Stadt im Corona-Zeitalter ins Semester gestartet? In den Antworten schwang vorsichtiger Optimismus und durchaus Zufriedenheit mit. Nun aber dominiert bis auf Weiteres wieder die Unsicherheit. Integrationskurse und Prüfungen finden flächendeckend noch statt, in Siegen auch Angebote der Grundbildung. Alles andere befindet sich in der Warteschleife.

Viele Online-Kurse bei der Volkshochschule Siegen-Wittgenstein

Bis zum Lockdown hatten die Organisationsteams der Pandemie engagiert die Stirn geboten: Mit Hygienekonzepten und akribischen Planungen. So gab es bei der Kreis-VHS Siegen-Wittgenstein z. B. mehr Angebote als im zweiten Semester in den beiden Vorjahren: in Summe 715, darunter 54 neue. Kurz nach den Herbstferien lagen mit ca. 3700 Anmeldungen allerdings rund 20 Prozent weniger vor als im gleichen Zeitraum der beiden Vorjahre. 273 Kurse sollten bis Januar erst noch anlaufen: Was daraus wird, ist zurzeit noch unklar.
Die Online-Erfahrungen aus dem ersten, schon von der Pandemie betroffenen Semester wurden mit Erfolg umgesetzt, indem es von Anfang an 23 Angebote gab. Eines zeigte sich eindeutig: VHS-„Schüler“ bevorzugen Präsenzkurse! Die durchschnittliche Kursbelegung ging im Vergleich zum Vorjahr von zehn auf sieben Personen zurück – auch wegen der Abstandsregeln. Es gab etwa ein Drittel mehr Stornierungen als im Vorjahr; ob sie allein auf Corona zurückzuführen sind, ist unklar.

Volkshochschulen kämpfen mit Raumnot

Raumnot war ein Problem – und wird es wohl auch nach dem Lockdown wieder sein. Die Stadt Kreuztal z. B. stellt mit Blick auf den Hygieneschutz zumindest bis zum Schuljahresende keine Klassenzimmer mehr zur Verfügung. Dort fielen somit auch Kurse aus. Die Villen in Dreslers Park können aber genutzt werden. Stichwort Integration: Schon zu Beginn der Pandemie hatte die VHS-Leitung im Kreishaus der Durchführung der Deutsch-Sprachförderkurse (Alphaspezialkurse, Integrationskurse, berufsbezogene Sprachförderkurse) höchste Priorität eingeräumt. Laut Pädagogin Johanna Viola „ist der Andrang nach unseren Sprachförderangeboten in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sehr hoch und arbeitsintensiv“. Sie sind ja auch jetzt nicht vom Stundenplan gestrichen. Allerdings konnten aufgrund der Mindestabstände nicht mehr so viele Teilnehmer aufgenommen werden. Gerade in der ländlichen Region konnte und kann das zu längeren Wegen oder Wartezeiten führen. Geeignete alternative Räume sind oft schwer zu finden. Welche Auswirkungen hat Corona auf den Haushalt der Kreis-VHS? „Verminderte Einnahmen durch weniger Teilnehmer und gleichzeitig geringere Ausgaben aufgrund nicht stattgefundener Kurse prognostizieren zwei Monate vor Ende des Jahres keine nennenswerten Veränderungen“, heißt es.

Trimester bei der Volkshochschule Siegen beendet

Ortswechsel. Mit dem Lockdown erklärte die VHS Siegen ihr Mitte Dezember auslaufendes Trimester für beendet – abgesehen von besagten Ausnahmen. Es war normal gestartet. Die Mindestzahl der Teilnehmer wurde reduziert, damit unter Einhaltung der Hygieneregeln möglichst viele Veranstaltungen stattfinden konnten. Auch wurde die maximale Teilnehmerzahl heruntergefahren: Gesundheitsschutz hatte Priorität. Da es aber bei vielen Kursen noch freie Plätze gab, bedeutete dies kaum Einschränkungen, so VHS-Leiterin Anke Homfeld. Außer einem Workshop „Singen“ konnten alle geplanten Veranstaltungen angeboten werden. Digitales „Futter“ gibt es im Sprachen- und Gesundheitsbereich sowie bei Vorträgen.

VHS-Fusion kein Thema mehr / Austausch auch mit Olpe Die Corona-Pandemie macht die Planungen der Volkshochschulen nicht einfacher. Ist dies Anlass, neu über eine Fusion nachzudenken? Die Antwort aus Rat- und Kreishaus in Siegen lautet: Nein. „Bereits 2015 wurde festgestellt, dass das Projekt nicht weiter verfolgt wird, da trotz langjähriger Verhandlungen keine Einigung zu erzielt werden konnte“, teilt die Stadt Siegen mit. „Nicht nur die VHS-Leitungen Siegen-Wittgenstein und der Stadt Siegen kommen mehrmals im Jahr zusammen und diskutieren aktuelle Themen der Erwachsenenbildung, z. B. die Digitalisierung des Lehrens und Lernens, Entwicklungen im Bereich der Integration etc., sondern auch die VHS des Kreises Olpe ist Teil dieses kreativen Austauschs“, heißt es aus dem Kreishaus. „Ergebnisse finden sich in gemeinsamen Fortbildungen von Kursleitungen, in gemeinsamen Angeboten (z. B. Erste Hilfe am Hund und Führerschein für Motorsäge), der Vermittlung von Kunden, die in der eigenen VHS keine freien Kurse finden, und Dozenten, die für bestimmte Themen gesucht werden. Die Liste ließe sich noch um die Zusammenarbeit auf Ebene der Pädagogen und der Verwaltungsmitarbeiter erweitern.“ Momentan sehe man keinen Bedarf zur Wiederaufnahme von Fusions-Gesprächen, da beide Institutionen „sehr gut zusammenarbeiten und dadurch zur ständigen Verbesserung der Erwachsenenbildung in der Region beitragen“. Es sei die Zeit des angestrengten Tuns zur Beibehaltung der gemeinsamen Bildung der Menschen: „Das ist unsere jetzige Aufgabe“, betont VHS-Leiter Winfried Hofmann. „Denn auch unsere Teilnehmer zwischen 18 und 95 Jahren sehnen sich nach gemeinsamen Austausch über Themen der Zeit, gemeinsamem kulturellen und gesundheitlichen Erleben: nach einem bisschen freudiger Normalität in nicht normalen Zeiten.“ Zur Erinnerung: 2006 kam erstmals der Fusions-Gedanke auf. In den Folgejahren wurde ein Warum, Ob, Wie und Wann politisch diskutiert. Befürworter erhofften sich u. a. mehr Synergieeffekte und weniger Kosten für die Kommunen, Kritiker befürchteten u. a. den Wegfall der Zweigstellen vor Ort. Es gab drei Modelle: eine Trägerschaft des Kreises, die Bildung einer gemeinnützigen GmbH und einen kommunalen Zweckverband.

Die Nachfrage nach Integrationskursen sei etwas rückläufig; dennoch kann nicht jede Anmeldung gleich erfüllt werden. Wegen der reduzierten Zahl der Personen, die an einem Kurs teilnehmen können, wird es wohl geringere Einnahmen geben. Das Studienjahr dauert aber noch bis Juli 2021. Erst dann werden Zahlen vorliegen. Wie schnell Planungen von der Realität überholt werden können, hat sich vergangene Woche eindrücklich gezeigt.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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