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Wolfsburger Hanns-Lilje-Heim als Schreckgespenst
Unsicherheit in heimischen Einrichtungen

Pflegeheime gehen ganz unterschiedlich mit der Situation um.

cs Deuz/Weidenau/Siegen. Die schlimmen Meldungen aus dem Wolfsburger Hanns-Lilje-Heim erschüttern die Republik. Jüngst verstarben weitere mit Covid-19 infizierte Bewohner – die Einrichtung, in der über 150 Demenzkranke untergebracht sind, verzeichnet bereits über 20 Corona-Todesfälle. Das Land verhängte gar einen Aufnahmestopp für alle Pflegeheime in Niedersachsen, weil offenbar ein neuer Bewohner das Coronavirus mit in die Räumlichkeiten des Heims in der Autostadt gebracht hatte.
Klar, die Einrichtungen in Siegen-Wittgenstein haben längst die bekannten Schutzmaßnahmen ergriffen, etwa Besuchs- und Ausgangsverbote sowie die Verschärfung der Hygieneregeln. Die Durchmischung der Bewohner untereinander soll ebenfalls so gut es geht verhindert werden. Reicht das aus?

cs Deuz/Weidenau/Siegen. Die schlimmen Meldungen aus dem Wolfsburger Hanns-Lilje-Heim erschüttern die Republik. Jüngst verstarben weitere mit Covid-19 infizierte Bewohner – die Einrichtung, in der über 150 Demenzkranke untergebracht sind, verzeichnet bereits über 20 Corona-Todesfälle. Das Land verhängte gar einen Aufnahmestopp für alle Pflegeheime in Niedersachsen, weil offenbar ein neuer Bewohner das Coronavirus mit in die Räumlichkeiten des Heims in der Autostadt gebracht hatte.
Klar, die Einrichtungen in Siegen-Wittgenstein haben längst die bekannten Schutzmaßnahmen ergriffen, etwa Besuchs- und Ausgangsverbote sowie die Verschärfung der Hygieneregeln. Die Durchmischung der Bewohner untereinander soll ebenfalls so gut es geht verhindert werden. Reicht das aus? Und sind die Heime überhaupt in der Lage, Isolationen und Quarantäne kurzfristig umzusetzen? Die Einrichtungen gehen teils unterschiedlich vor.

In Deuz werden keine neuen Bewohner aufgenommen

Einen internen Aufnahmestopp hat man sich etwa im Altenheim Deuz auferlegt – sowohl hinsichtlich der Kurzzeitpflege als auch der Aufnahme von Dauerbewohnern. Die Nachrichten aus Wolfsburg hätten zu einer „erhöhten Wachsamkeit und Sensibilität“ geführt, sagt Einrichtungsleiter Rainer Weimer. Zwar kann die christlich geprägte Einrichtung 76 Bewohner beherbergen, zwei Zimmer halte man nun aber stets frei, in denen man von einer Minute auf die andere jeweils einen Corona-Fall isolieren könne, so Weimer weiter. Grundsätzlich befürworte er groß angelegte Tests – im Seniorenhaus Gerberweg in Olpe etwa werden nach einem positiven Befund bei einer Mitarbeiterin alle Kollegen und Bewohner auf Covid-19 hin überprüft –, eine nachhaltige Sicherheit garantiere das aber nicht. Rainer Weimer: „Wenn wir heute alle testen, kann sich am Dienstag dennoch jemand infizieren.“ So setze man weiterhin auf das permanente Tragen von Schutzausrüstung, die jeden Tag desinfizierend gewaschen werde. Darüber hinaus gebe es Überlegungen, das Personal anzuhalten, Schutzmasken auch im privaten Bereich zu tragen.

Weidenauer Marienheim ausschließlich mit Einzelzimmer-Belegung

Jörg Boenig, Leiter des Weidenauer Marienheims, verweist darauf, dass es derzeit keine Pflicht gebe, Neuankömmlinge grundsätzlich auf das Coronavirus zu testen. Der Gesetzgeber prüfe jedoch neue Vorgaben. Man arbeite eng mit der Heimaufsicht des Kreises Siegen-Wittgenstein zusammen und klopfe neue Bewohner auf Symptome hin ab, vor allem im Gespräch mit den Hausärzten. „Dann können wir Neue aufnehmen.“ Im Marienheim lebten die rund 120 Bewohner ausschließlich in Einzelzimmern, sodass im Fall der Fälle rasch isoliert werden könnte.
Es dränge sich vor allem die Frage auf, wie mit einem positiven Corona-Fall bei einem der Mitarbeiter umgegangen werden könnte, „auf einmal 15 Kollegen zwei Wochen in Quarantäne zu schicken, ist schwer umsetzbar“, meint Boenig. Man halte sich aber natürlich an die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, die für Kontaktpersonen bekanntlich verschiedene Kategorisierungen vorsehen.

"Ziemliche Angst um unsere Bewohner"

„Ich habe ziemliche Angst um unsere Bewohner“, macht Hubert Plugge, Leiter des Fritz-Fries-Seniorenzentrums in Siegen, aus seinem Herzen keine Mördergrube. Die derzeit 113 Bewohner lebten ausschließlich in Einzelzimmern, neu hinzukommende würden für 14 Tage isoliert, ebenso wie Rückkehrer aus Krankenhäusern. Aber wie ist vorzugehen, wenn sich ein Demenzkranker, bei dem nicht davon auszugehen ist, dass er sich an strenge Quarantäne-Vorgaben hält, mit Corona infiziert? „Dafür haben wir ehrlich gesagt kein Rezept“, gibt Plugge unumwunden zu – einfach wegsperren könne man solche Patienten natürlich nicht. Auch eine Erkrankung im Mitarbeiterstab würde die Einrichtung hart treffen, breit angelegte Testungen von Personal und Bewohnern fände er „sehr gut“. So könnte man die Sache besser steuern, aktuell stellten die Tests eher ein „Hinterherrennen“ dar.

Runder Tisch am Donnerstag

Alle drei Einrichtungsleiter setzen nun auf eine am Donnerstag (2. April) stattfindende Konferenz. Gesundheitsamt, Heimaufsicht sowie die Träger von Alten- und Pflegeheimen kommen zusammen, um die Situation zu bewerten und eventuell neue Maßnahmen zu ergreifen.
Hubert Plugge dürfte stellvertretend für die heimischen Einrichtungen sprechen. Er meint: „Es ist davon auszugehen, dass es uns auch mal treffen wird.“ Für diesen Fall wolle man vorbereitet sein – so gut es eben geht.

Kein Corona-Fall in heimischen Einrichtungen Bislang seien die Alten- und Pflegeheime in Siegen-Wittgenstein mit einem blauen Auge davongekommen, konstatiert Ute Heyde, die sich darüber freut, dass bislang kein einziger bestätigter Corona-Fall zu verzeichnen gewesen ist. Die Leiterin der Heimaufsicht richtet ein ausdrückliches Lob an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: „Sie sind unglaublich diszipliniert und verhalten sich absolut verantwortungsbewusst.“ Flächendeckende Tests für das gesamte Personal sowie alle Bewohner seien aktuell kein Thema, meint Ute Heyde weiter. Und einen generellen Aufnahmestopp neuer Bewohner lehnt sie ab. Viele Menschen seien schließlich auf die Kurzzeitpflege angewiesen, „die können wir nicht sicht selbst überlassen.“ Natürlich müsse bei Verdachtsfällen getestet werden und Neuankömmlinge im Zweifel 14 Tage lang in Quarantäne verbringen. Insgesamt hält Ute Heyde die heimischen Einrichtungen für „gut vorbereitet“, auch Isolierungen seien kurzfristig umsetzbar.
Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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