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Zahl der Bauernhöfe nimmt ab
Unzufriedenheit und Zorn

Milchvieh- und Mutterkuhhaltung im Nebenerwerb bilden einen Schwerpunkt in der hiesigen Landwirtschaft. Die Betriebe tragen auch dazu bei, dass die Landschaft offengehalten wird.
  • Milchvieh- und Mutterkuhhaltung im Nebenerwerb bilden einen Schwerpunkt in der hiesigen Landwirtschaft. Die Betriebe tragen auch dazu bei, dass die Landschaft offengehalten wird.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

goeb Siegen. Keine Häppchen und leere Hallen in Berlin – der großen Pandemie zollt auch die Internationale Grüne Woche (IGW) ihren Tribut. Regelmäßig sind dort auch heimische Landwirte vertreten, in diesem Jahr läuft die große Agrarmesse am 20. und 21. Januar allerdings vollständig digital ab. Das dürfte einmalig sein in der 95-jährigen Geschichte der seit 1926 stattfindenden Verbrauchermesse.

Manche Bauern wollen die Grüne Woche nutzen, um in der Hauptstadt Dampf abzulassen. Vor allem der Wust an Auflagen, also zunehmende Bürokratie, und die geringen Preise, die ihnen Molkereien bzw. der Lebensmittelhandel zahlen, sorgen für Unzufriedenheit und Zorn.

Vor allem die Discounter wollen den Landwirten wenig bezahlen.

goeb Siegen. Keine Häppchen und leere Hallen in Berlin – der großen Pandemie zollt auch die Internationale Grüne Woche (IGW) ihren Tribut. Regelmäßig sind dort auch heimische Landwirte vertreten, in diesem Jahr läuft die große Agrarmesse am 20. und 21. Januar allerdings vollständig digital ab. Das dürfte einmalig sein in der 95-jährigen Geschichte der seit 1926 stattfindenden Verbrauchermesse.

Manche Bauern wollen die Grüne Woche nutzen, um in der Hauptstadt Dampf abzulassen. Vor allem der Wust an Auflagen, also zunehmende Bürokratie, und die geringen Preise, die ihnen Molkereien bzw. der Lebensmittelhandel zahlen, sorgen für Unzufriedenheit und Zorn.

Vor allem die Discounter wollen den Landwirten wenig bezahlen. Nicht unbemerkt geblieben ist in der Politik, dass sich Landwirte zunehmend untereinander vernetzen und sich für aufsehenerregende Aktionen zusammenschließen wie die zeitweise Blockade von Auslieferungslagern und Molkereien seit Herbst 2020.

Preise sinken im Januar

„Wir rufen nicht zu diesen Protestaktionen auf, wir haben aber Verständnis für diese Maßnahmen“, berichtet Barbara Kruse, die Pressereferentin des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Siegen-Wittgenstein. Dass die Discounter regelmäßig im Januar die Preise für Butter und Milch senken und die Erzeuger weniger dafür bekommen, ist bekannt. Aber 56 Cent weniger für das Kilo Butter, wie das jetzt ein Discounter vormacht, das ist trauriger Rekord.

Im Kreis Siegen-Wittgenstein gibt es noch etwa 550 landwirtschaftliche Betriebe (über 5 Hektar Größe). Davon aber weniger als 20 Prozent im Haupterwerb, schildert Barbara Kruse. „Der überwiegende Teil bei uns sind Nebenerwerbslandwirte.“ Oft erbten die Kinder die Höfe der Eltern und betrieben sie weiter. Dieser Schwerpunkt auf dem Nebenerwerb sorgt für gewisse Stabilität, erfährt man weiter. Viele gingen im Hauptberuf einer Tätigkeit in der Industrie nach.

„Aber klar, auch in Siegen-Wittgenstein und Olpe nimmt die Zahl der Höfe ab, und ein Hof, der zumacht, so ist das in aller Regel, der macht nie wieder auf“. Weil gleichzeitig die bewirtschaftete Fläche nicht abnimmt, ist das ein sicheres Zeichen für den bundesweiten Trend zu wenigeren, dafür aber größeren Höfen.

SI das Schlusslicht

Auffällig ist hier, dass es nur wenige Höfe oberhalb von 50 Hektar Betriebsgröße gibt, die ihr Vieh auf den meist steinigen und mäßigen Böden des Mittelgebirges grasen lassen. NRW-weit bildet SI in dieser Hinsicht sogar das Schlusslicht. Ackerbau kommt im SI-Kreis nicht über 6 Prozent Fläche hinaus (804 Hektar), der „Platzhirsch“ ist eindeutig das Grünland (15 470 Hektar oder 94 Prozent).

Gleichwohl schneidet die heimische Landwirtschaft vergleichsweise besser ab, ist die Sprecherin überzeugt. „Das liegt auch daran, dass die Regionalität boomt. Ich sehe auch in den Supermärkten immer mehr Produkte aus unserer Region, egal ob konventionell oder Bio“, ergänzt sie.

Auch bei der Direktvermarktung habe man erstaunliche Zuwächse. „Und das ist gewiss keine Flucht, sondern das sind neue vielversprechende Geschäftsmodelle, die bei den Verbrauchern gut ankommen. Die Betreiber stellen sich eben ganz leise auf die Bedürfnisse und Anforderungen der Kunden ein.“ Auf immer mehr Höfen entdecke man Produkte, die direkt verkauft werden. Das spiegele sich auch in der hohen Auslastung der mobilen Schlachtereien wider.

Europaweite Förderprogramme

Schwerpunkte der heimischen Landwirtschaft sind die Mutterkuh- und Milchviehhaltung, ergänzt durch Schafe und Pferde. Mutterkuh- und Schafhaltung werden nicht selten in der Landschaftspflege eingesetzt. Dafür gibt es europaweite Förderprogramme. „Es sind ja unsere Landwirte, die dafür sorgen, dass die Landschaft offen bleibt“, betont Barbara Kruse.

Eine Insel der Glückseligkeit also? Barbara Kruse sieht die Landwirtschaft jedenfalls gut gerüstet. Die größten Probleme bereiten die drei vergangenen Trockenjahre mit viel zu wenig Raufutter. „Das muss dann teuer eingekauft werden.“ Auch der Waldzustand gibt Anlass zur Sorge. „Viele Landwirte haben Waldbesitz. Gedacht war das mal zur Altersvorsorge“, schließt Barbara Kruse. Die Fichte wird dieser zugedachten Aufgabe wohl nicht mehr gerecht.

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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