V-Mann-Dasein und Vergesslichkeit

»Rotlicht«-Prozess schleppte sich durch 57. Tag / Zwei Zeugen und wenig Substanzielles

pebe Siegen. Viel war es nicht, was der 57. Verhandlungstag im Siegener »Rotlicht-Prozess« gestern an Neuem offenbarte. Zumindest aber gab es kurze Einblicke in das vergangene Leben eines Zeugen und nachmittags auch die Einschätzung von Rechtsanwalt Dr. Jürgen Fischer aus Frankfurt zur Qualität der Ermittlungsfähigkeiten der Siegener Kripo.

Morgens hatte dem Gericht wieder jener Zeuge gegenüber gesessen, dessen Vernehmung sich bislang schwierig gestaltete: Angebliche Drohungen gegen Angehörige hatten den 40-Jährigen kurzfristig verstummen lassen. Weitere Schweigezeiten waren nach einer Überlegung Fischers bezüglich möglicher »psychischer Beihilfe« zum Autobomben-Attentat aufgetreten.

Der 40-Jährige hatte in früheren Aussagen den gemeinsam mit sieben anderen Männern auf der Anklagebank sitzenden Hauptkommissar belastet. Auf Nachfragen Fischers gab der Zeuge zu, in früheren Jahren als V-Mann für die Polizei gearbeitet zu haben. Eine »Bezahlung« für diese Tätigkeit habe er jedoch nicht bekommen, betonte er. Zu früheren Ermittlungen, u.a. wegen falscher eidesstattlicher Versicherung, konnte er auf Nachfrage aber nichts mehr sagen. Jedoch erwähnte er einen weiteren Polizisten, mit dem er, wie mit dem angeklagten Kommissar, früher »zusammengearbeitet« haben will: Informationen der Polizei gegen seine Informationen oder Geld.

Auf viele Fragen des Anwalts, u.a. zu Vernehmungen des Zeugen oder zu eigenen Verfahren, folgte dann aber der in diesem Prozess oft gehörte Satz: »Ich weiß es nicht.« Seine forensische Vergesslichkeit begründete der Zeuge vor allem mit dem Druck, unter dem er im Verfahren stehe. Auch an unangenehme Anrufe im Zusammenhang mit einem Artikel in der »Bild am Sonntag« über den Rotlichtprozess hatte er auf Nachfrage des Verteidigers Carsten Rubarth (Bonn) nur wenig Erinnerungen.

Daraufhin stellte Rubarth den Beweisantrag, ein Sachverständiger solle nachweisen, dass die Augenpartie, die in dem Artikel abgebildet ist, zum Gesicht des Zeugen gehöre. Zudem solle der Verfasser des Artikels dazu befragt werden, welche Angaben der Zeuge zur Autobombe als auch zu seinen Kontakten mit dem Kommissar gemacht habe.

Nachmittags saß dann ein Kripo-Mann auf dem Zeugenstuhl, der bereits häufig vernommen wurde und für einige Verteidiger ein rotes Tuch zu sein scheint. Seine Vernehmung gipfelte in einem kurzen Schlagabtausch zwischen Fischer und der Staatsanwaltschaft und in der Meinung Fischers, die Arbeit des Zeugen sei »kriminalistische Stümperei sondergleichen«. Inhaltliche Ergebnisse blieben indes aus. Der Prozess wird fortgesetzt.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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