SZ

Keine Erklärung für „grausame Tat“
Vater gesteht Mord an Sohn

Am zweiten Verhandlungstag des Mordprozesses an einen Dreijährigen legte der Vater vor dem Landgericht Siegen ein Geständnis ab.
  • Am zweiten Verhandlungstag des Mordprozesses an einen Dreijährigen legte der Vater vor dem Landgericht Siegen ein Geständnis ab.
  • Foto: Archiv
  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

tile Siegen. Gefasst und in nüchternem Ton versuchte der Angeklagte zu beschreiben, was sich am 3. Mai in der Wohnung an der Dr.-Paul-Müller-Straße in Grevenbrück ereignet hatte. Der 34-jährige A. holte mit einem Bekannten seinen dreijährigen Sohn an jenem Sonntag für das wöchentliche Kontakttreffen von der Kindsmutter in Attendorn ab. Der Fahrer ließ Vater und Sohn gegen Mittag am Wohnhaus, das auf einem Betriebsgelände steht, aussteigen und fuhr davon. Sie hätten zusammen gegessen, gespielt, seien draußen gewesen, um mit dem Laufrad zu fahren. Zurück in der Wohnung habe sich „der Kleine“ dann irgendwann schlafen gelegt.Es dauerte lange bis A. bei seiner Einlassung vor der 1. großen Strafkammer des Siegener Landgerichts am Tag der Tat „angekommen“ war.

tile Siegen. Gefasst und in nüchternem Ton versuchte der Angeklagte zu beschreiben, was sich am 3. Mai in der Wohnung an der Dr.-Paul-Müller-Straße in Grevenbrück ereignet hatte. Der 34-jährige A. holte mit einem Bekannten seinen dreijährigen Sohn an jenem Sonntag für das wöchentliche Kontakttreffen von der Kindsmutter in Attendorn ab. Der Fahrer ließ Vater und Sohn gegen Mittag am Wohnhaus, das auf einem Betriebsgelände steht, aussteigen und fuhr davon. Sie hätten zusammen gegessen, gespielt, seien draußen gewesen, um mit dem Laufrad zu fahren. Zurück in der Wohnung habe sich „der Kleine“ dann irgendwann schlafen gelegt.Es dauerte lange bis A. bei seiner Einlassung vor der 1. großen Strafkammer des Siegener Landgerichts am Tag der Tat „angekommen“ war. Zuvor schilderte der Mann ausführlich, wie es ihn 2000 als 14-Jährigen von Marokko nach Europa verschlagen hatte, ab 2008 lebte er dauerhaft unter falscher Identität in Deutschland. Er erzählte, wie er die Mutter des Jungen, damals selbst noch Schülerin, 2014 kennengelernt hatte. Die Beziehung beschrieb er als schwierig, seine Freundin als impulsiv und aggressiv. 2016 wurde sie schwanger, die Geburt verpasste er, weil er u. a. wegen Körperverletzung in Haft saß.

Sohn erst gewürgt und dann angezündet?

Nur Minuten zwischen Überlegung und Tat

Nach seiner Entlassung 2018 habe er sich bemüht, dass sie eine Familie würden, aber „Frau R.“, wie er seine Ex-Freundin konsequent nannte, habe ihn hingehalten, dann wieder Hoffnungen gemacht, „falsche Signale“ gesendet. Immer wieder stritten sie wegen Geld. Nach einem Fall häuslicher Gewalt Ende 2019 durfte A. den Jungen nur vom Jugendamt begleitet zwei Stunden die Woche sehen. Ab April erlaubte ihm die Mutter, den Dreijährigen wieder allein zu sehen, so eine Jugendamtsmitarbeiterin.Was ihn an jenem Tag dazu trieb, sich und den Jungen umbringen zu wollen, konnte A. nicht erklären. Es sei nicht geplant gewesen. Zwischen Entschluss und Tat seien nur Minuten vergangen, in denen er auch den Abschiedsbrief geschrieben habe. Er habe seit dem Vorabend Alkohol und Drogen konsumiert. 20 Jahre ohne Stabilität, ohne das Gefühl, angekommen zu sein, hätten ihn belastet. Die neue Beziehung und weitere Schwangerschaft der Kindsmutter wohl ebenfalls. Dass er seine Ex-Freundin hasste und sich mit dem Mord an ihr rächen wollte, schloss er aus. Er fand keine Begründung.
„Ich habe viele, viele schlimme Sachen gemacht, aber das toppt alles. Das habe ich mir selber nicht zugetraut.“ Es sei „grausam“, was er getan habe. Im Schlaf habe er seinen Sohn erdrosselt. In der Annahme der Dreijährige sei tot, habe er ihn in dem Zimmer, aus dem ein Kinderzimmer hatte werden sollen, auf eine Matratze gelegt und diese angezündet. Während der gesamten Aussage nannte A. seinen Sohn nicht einmal beim Namen.

Stimmung schwankte zwischen aktiv und depressiv

Eine Krankenschwester, die den Angeklagten später pflegte, berichtete, der Mann habe gesagt, der Junge sei immer hin und her gelaufen, und „er habe keinen anderen Weg gesehen“. Feuerwehrleute beschrieben, wie sie den Dreijährigen zunächst im Rest der Wohnung gesucht und erst als der Rauch verflogen war, den kleinen Leichnam entdeckt hatten.Bekannte und Arbeitskollegen beschrieben A. durchweg als freundlich, hilfsbereit und nicht aggressiv. „Er hat mir und anderen immer Gutes getan“, sagte ein 24-Jähriger. In den letzten fünf Wochen vor der Tat schwankte die Stimmung des Angeklagten zwischen „extrem aktiv und extrem depressiv“, sagte dessen Chef.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil
Lokales
Unter Siegerländer Artikeln finden Besucher der SZ-Homepage derzeit zahlreiche Angebote von Siegener Händlern. Möglich macht das die Kooperation mit dem hiesigen Start-up-Unternehmen mapAds. Mit dem innovatien Digitalmarketing-Werkzeug lassen sich Angebote von Handel und Dienstleistung einfach digitalisieren und bald über viele zusätzliche Kanäle publizieren.

Start-up mapAds und Vorländer Mediengruppe
Angebote einfach digitalisieren und publizieren

sz Siegen. Die Vorländer Mediengruppe arbeitet weiter konsequent an der Umsetzung ihrer Digitalstrategie. Während die Zeitungsproduktion weiter das Kerngeschäft und das wichtigste Standbein des Verlages bleiben wird, investiert Vorländer selbstbewusst und entschieden in moderne Strukturen, neue Technologien und die Digitalisierung. Mit dem Digitalen arbeiten„Wir sind überzeugt davon, dass die Zukunft darin liegt, nicht gegen das Digitale, sondern mit dem Digitalen zu arbeiten. Wir sehen das...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen