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Ehrenamtler glauben an Betrugsversuch
Vereine werden zur Kasse gebeten

Viele Vereine werden dieser Tage zur Kasse gebeten.
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rege Siegen. Sonja Böcking engagiert sich als Kassenwartin des Sportverbandes Kreuztal, den gleichen Posten hat sie auch beim TV Kreuztal inne. Dass sie für dieses Ehrenamt prädestiniert bzw. besonders qualifiziert ist, liegt nahe, denn als Bankangestellte kennt sie sich mit Fragen rund ums Thema Geld bestens aus. Als dem Stadtsportverband jetzt eine Rechnung vom „Bundesanzeiger Verlag“ auf den Schreibtisch flatterte, wurde die Finanzexpertin aber erst einmal stutzig. 11,52 Euro soll der Verband für die Jahre 2018 bis 2020 für einen Eintrag ins Transparenzregister zahlen.

So wie Sonja Böcking geht es derzeit offenbar mehreren Vereinsvertretern, denn nicht nur der Stadtsportverband Kreuztal hat Post erhalten.

rege Siegen. Sonja Böcking engagiert sich als Kassenwartin des Sportverbandes Kreuztal, den gleichen Posten hat sie auch beim TV Kreuztal inne. Dass sie für dieses Ehrenamt prädestiniert bzw. besonders qualifiziert ist, liegt nahe, denn als Bankangestellte kennt sie sich mit Fragen rund ums Thema Geld bestens aus. Als dem Stadtsportverband jetzt eine Rechnung vom „Bundesanzeiger Verlag“ auf den Schreibtisch flatterte, wurde die Finanzexpertin aber erst einmal stutzig. 11,52 Euro soll der Verband für die Jahre 2018 bis 2020 für einen Eintrag ins Transparenzregister zahlen.

So wie Sonja Böcking geht es derzeit offenbar mehreren Vereinsvertretern, denn nicht nur der Stadtsportverband Kreuztal hat Post erhalten. Egal ob Sportklub, Chor oder Heimatverein – alle Vereine, die im Vereinsregister angemeldet sind, werden zur Kasse gebeten. Und diese Rechnung ist kein Fake, sondern „echt“: Das im Jahr 2017 von der Bundesregierung im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung eingerichtete Register soll es Kriminellen erschweren, illegale Einnahmen zu verstecken und Eigentumsverhältnisse zu verschleiern. Vereine werden, wie Unternehmen und Stiftungen, in diesem Register geführt. Die erforderlichen Daten des eingetragenen Vereins (e. V.) und des Vorstands für das Transparenzregister sind elektronisch im Vereinsregister abrufbar und werden von dort überspielt, ohne dass dies ein Verein erfährt.

Verein automatisch im Transparenzregister

„Fazit: Ein e. V. wird also (automatisch) im Transparenzregister geführt“, heißt es zur Erklärung auf der Homepage des Kreisportbundes Siegen-Wittgenstein.

Die für die Jahre 2018 und 2019 fälligen Gebühren betragen jährlich 2,50 Euro. Ab 2020 wird pro Jahr eine Abgabe von 4,80 Euro fällig. Hinzu kommt jeweils noch die Mehrwertsteuer. Summasummarum wird es in den meisten Fällen um den überschaubaren Betrag in Höhe von 11,52 Euro gehen – und damit um einen Obolus, den nicht nur der FC Bayern München aus der Portokasse zahlen kann. „Für einen Betrugsversuch wäre der Betrag ungewöhnlich niedrig. Dadurch, dass dieser so gering ist, hatte ich schon die Vermutung, dass es kein Betrug ist, denn dafür lohnt sich das Versenden des Briefes ja kaum“, hatte Verbands- und Vereins-„Finanzministerin“ Böcking dank ihres Fachwissens schon eins und eins zusammengezählt.

Für viele Vereine erste und letzte Zahlung

„Wir haben den Vereinen letztes Jahr kommuniziert, dass es das Transparenzregister gibt und darauf hingewiesen, was auf sie zukommt. Nachdem die ersten Rechnungen eingetrudelt sind, hatten wir jetzt aber auch schon einige wenige Anrufe von Vereinsvertretern, die damit nichts anzufangen wussten“, hat Christian Janusch, der Vorsitzende des Kreissportbundes, für die Anliegen der Ehrenamtler jederzeit ein offenes Ohr.

Auch wenn es eine Premiere ist, dass den Vereinen dieser Gebührenbescheid ins Haus flattert: Die Rechnung vom „Bundesanzeiger Verlag“ ist seriös und muss auch bezahlt werden.
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Für viele Vereine kann die derzeit anstehende Überweisung aber zugleich die erste und letzte Zahlung an den Bundesanzeiger Verlag sein, denn für gemeinnützige Vereine gibt es seit 1. Januar 2020 die Möglichkeit der Gebührenbefreiung für die folgenden Jahre. Dies ist aber nicht rückwirkend für die vergangenen Jahre möglich und geschieht auch nicht automatisch. Alle Vereine müssen aktiv einen Antrag auf Befreiung von der Beitragspflicht stellen. Dies ist über die Internetseite transparenzregister.de möglich, neben dem Antrag müssen unter anderem noch der Vereinsregisterauszug und der Freistellungsbescheid des Finanzamts eingereicht werden.

Betrüger wittern Chance

So weit, so seriös. Ganz unberechtigt war das Misstrauen von Sonja Böcking dann aber doch nicht, denn auch Betrüger wittern ihre Chance, aus der Verunsicherung der Vereinsvertreter Profit zu schlagen. Wer von einem angeblichen Verein mit dem Namen „Organisation Transparenzregister“ angeschrieben wird und eine Zahlungsaufforderung in Höhe von 49 Euro erhält, bei dem sollten die Alarmglocken angehen. In diesem Fall ist die Skepsis völlig zurecht angebracht, und das Schreiben sollte schnellstes im Papierkorb entsorgt werden. Denn hier gilt wirklich: Vorsicht Abzocke!

Viele Vereine werden dieser Tage zur Kasse gebeten.
Auch wenn es eine Premiere ist, dass den Vereinen dieser Gebührenbescheid ins Haus flattert: Die Rechnung vom „Bundesanzeiger Verlag“ ist seriös und muss auch bezahlt werden.
Autor:

René Gerhardus (Redakteur) aus Siegen

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