Vergehen in Stein und Wasser

Beta Siebel und Günther Heilfurth stellen in Martinikirche aus

gmz Siegen. »Versuche, die Zeit zu berühren«: Ob dieser Ausstellungstitel eine Aufforderung ist oder ein kommentierendes Resümee – das können die Gottesdienstbesucher und die Kunstbetrachter entscheiden, die sich in der Siegener Martinikirche die Ausstellung mit Fotografien von Beta Siebel und Granit-Skulpturen von Günther Heilfurth ansehen (bis 3. August, dienstags bis donnerstags 15 bis 18 Uhr, sonntags nach dem Gottesdienst).

Höchst unterschiedlich sind die Arbeiten der beiden Künstler, die in Italien leben und arbeiten und hier zum ersten Mal gemeinsam ausstellen. Während Beta Siebel eindrucksvolle Schwarzweiß-Aufnahmen von Wasser und Sand zeigt, schreibt Günther Heilfurth Gesichter in rechteckige Granitblöcke. So unterschiedlich die Ansätze und die Materialien sind, so sehr ähneln sich doch ihre Problemstellungen.

Beta Siebel macht mit ihren Aufnahmen von flüchtigen Wellen (»il colore del mare« heißt diese Serie), die aber dennoch verschiedene Spuren im Sand hinterlassen, die Vergänglichkeit und zugleich die Eindrücklichkeit des Augenblicks deutlich. Die auf den ersten Blick verfremdet wirkenden Nahaufnahmen fordern den Betrachter zusätzlich dazu auf, sich im Spiel von Nähe und Distanz den gemeinten Raum (und seine Stimmung) zu erschließen ––und über den Raum die Zeit zu erfahren.

In den Aufnahmen von Fundstücken in einem Fluss (»come l’acqua di un fiume«), die durchs Wasser hindurch fotografiert worden sind und dadurch gebrochen erscheinen, wird deutlich, wie sehr das Vergehen, die Veränderung zur Auflösung, alles Geschaffene bestimmt – und dabei seine eigene Ästhetik entwickelt. Besonders sichtbar wird das in dem Foto von Handschuhen, einem Stein und einem Stück Holz, das wie ein Arm wirkt: Für einen Moment könnte man glauben, es handele sich um eine klassische Archäologie-Aufnahme, die das Vergangene stückchenweise versucht zusammenzusetzen. Der Zusammenhang ist nur denkbar.

Mit der Veränderung der Perspektive durch das Wasser, durch den Verfall spielt auch Günther Heilfurth, wenn er einen in Stein gemeißelten Kopf (im Profil) in ein Wasserbecken legt – und damit den Betrachter auffordert, das eigene Bild zu suchen. Um die »Unfertigkeit« des Bildes vom Menschen, um die Unfertigkeit der menschlichen Entwicklung, die gleichzeitig Problem und Chance ist, geht es in seinen Arbeiten, um die Begrenzung der eigenen Möglichkeiten, als betrachtendes und betrachtetes Gegenüber, um die Lückenhaftigkeit der Erinnerung. Begrenzt werden Günther Heilfurths Gesichter vom Stein, der mehr oder weniger stark die Gesichter umschließt und verdeckt, die er aus seiner Erinnerung entwirft (nicht nach Modell arbeitet). Begrenzt werden sie aber auch von ihrer eigenen Unvollkommenheit, die sie zu Gesichts-torsos werden lässt. Welche Zwänge, welche Hemmnisse der Stein umfasst, das kann man überlegen – im Versuch, die Zeit zu berühren, ihr damit einen Sinn jenseits des Vergehens zuzuweisen. Oder abzuringen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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