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Prozess um sexuellen Übergriff in Behinderten-WC
Vergewaltiger darf mit Bewährung rechnen

Der Prozess um einen sexuellen Übergriff in einem Behinderten-WC am Siegener Busbahnhof wird nach einem Geständnis des Angeklagten abgekürzt.
  • Der Prozess um einen sexuellen Übergriff in einem Behinderten-WC am Siegener Busbahnhof wird nach einem Geständnis des Angeklagten abgekürzt.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

mick Siegen. Beim Prozessauftakt vor einer Woche hatte Verteidiger Andreas Trode noch abgewunken: Sein Mandant werde sich zu den Vorwürfen nicht äußern, sehe die Dinge aber ganz anders als das mutmaßliche Opfer, das H. laut Anklage vergewaltigt haben soll. Nach einem Rechtsgespräch verständigten sich die Beteiligten auf eine Bewährungsstrafe für den vielfach vorbestraften Berleburger. Voraussetzung: Er musste ein Geständnis abliefern.

Bewährungshelf

mick Siegen. Beim Prozessauftakt vor einer Woche hatte Verteidiger Andreas Trode noch abgewunken: Sein Mandant werde sich zu den Vorwürfen nicht äußern, sehe die Dinge aber ganz anders als das mutmaßliche Opfer, das H. laut Anklage vergewaltigt haben soll. Nach einem Rechtsgespräch verständigten sich die Beteiligten auf eine Bewährungsstrafe für den vielfach vorbestraften Berleburger. Voraussetzung: Er musste ein Geständnis abliefern.

Bewährungshelfer kennt Angeklagten seit fast drei Jahrzehnten

Genau das hat er getan, und zwar über seinen Anwalt. Demnach sei es zutreffend, dass der 45-Jährige am 28. Mai 2017 mit den Worten „Polizei, aufmachen!“, an die Tür des Behinderten-WC am Siegener Busbahnhof geklopft hat. Darin befanden sich ein Mann und eine Frau, die H. nach Drogen durchsuchte. Der Frau hat er demnach gegen ihren Willen sexuelle Gewalt angetan, schließlich aber auch wieder abgelassen. „Ich habe Angst“, habe sie gerufen und den Angeklagten weggeschubst.

Falscher Polizist wollte Rollstuhlfahrerin missbrauchen

Die Zeugin (38) wurde unmittelbar nach dieser Einlassung mit dem Rollstuhl in den Gerichtssaal geschoben. Der Angeklagte habe ihr weh getan, berichtete sie: Einer wie er gehöre eigentlich gar nicht auf die Straße. Aber es sei gut, dass er sich nun Gedanken gemacht habe.

Der Mandant bedauere sein Verhalten aufrichtig, versicherte sein Anwalt. Dass sich beim Angeklagten einiges geändert hat, ist auch der Aussage seines langjährigen Bewährungshelfers zu entnehmen. Der Sozialarbeiter kennt H. fast seit drei Jahrzehnten, hat ihn bis Anfang des Jahres betreut, H. als „Größe“ in der heimischen Kriminellen- und vor allem Drogenszene wahrgenommen als jemanden, „bei dem viele Fäden zusammenliefen“.
Höhen und Tiefen hätten die Zusammenarbeit geprägt: „Mal war ich der beste Bewährungshelfer in Wittgenstein, dann wieder der Böse, mit dem auf keinen Fall zusammengearbeitet werden kann.“ Meist sei H. sehr unterwürfig gewesen, „wenn ihm etwas nicht passte und jemand gegen seine selbst aufgestellten Regeln verstieß, konnte er aber auch sehr böse werden“.

Staatsanwaltschaft sieht besonders schweren Fall der Vergewaltigung

Seit H. zuletzt aus der Haft gekommen sei, das war Anfang 2018, habe er sich aber anders verhalten, sei bemüht gewesen, sich aus den Dingen herauszuhalten und sich auf seine Familie zu konzentrieren. Da gebe es amtliche Unterstützung, die im Gegensatz zu früheren Jahren auch akzeptiert werde. Die Führungsaufsicht sei dieses Jahr beendet worden, von neuen Straftaten weiß der Bewährungshelfer nichts. H. bekomme wegen diverser Krankheiten Medikamente und verschreibe „sich auch selbst immer mal wieder etwas“. Ganz frei sei der Mann von Drogen nicht, aber auch nicht mehr auffällig.
All das macht den Weg frei für das angestrebte Ergebnis. Der mit zur Anklage gebrachte Vorfall in der JVA Attendorn, wo H. in einem Wutanfall mit Gewalt gegen die Beamten gedroht und sein Geschlechtsteil hervorgeholt hatte, wurde eingestellt. Der Staatsanwalt beantragte für einen besonders schweren Fall der Vergewaltigung und Amtsanmaßung zwei Jahre mit Bewährung und Sozialstunden, der Verteidiger hätte lieber nur ein Jahr und neun Monate.
Die Kammer wird am Montag ein Urteil sprechen.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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