Verlierer auf dem Abstiegsplatz

Das Keller-Derby am Mainzer Bruchweg:

Siegen, Mainz und Colin Bell: man kennt sich! / Viele Ausfälle bei »Sportfreunden«

rege Siegen. Sportfr. Siegen und FSV 05 Mainz, da war doch mal was! Mehr als fünf Jahre ist’s inzwischen schon her, dass sich beiden Clubs in der 1. DFB-Pokal-Hauptrunde der Saison 1998/99 gegenüberstanden. Am 29. August 1998 gelang dem Drittligisten aus dem Siegerland der Pokal-Coup, denn die »Sportfreunde« warfen die Mainzer, deren »Kapitän« der jetzige Zweitliga-Trainer Jürgen Klopp war, durch einen 3:1-Triumph nach Verlängerung aus dem Pokalwettbewerb. Sportfr. Siegen und Colin Bell, auch da war mal was! Wir schrieben den 2. Juni 1996, als die Siegener in Koblenz den Grundstein für den Aufstieg in die Regionalliga West/Südwest legen wollten. Die »Sportfreunde« kamen bei der damals von Colin Bell trainierten Mannschaft jedoch nicht über ein 1:1 hinaus, und nach einem 0:0 gegen Remscheid war der Aufstiegszug für die Siegener zumindest in jenem Jahr abgefahren.

So lange ist das zwar alles noch gar nicht her, aber weil der Fußball ein sehr schnelllebiges Geschäft ist, hat sich inzwischen viel geändert. Der Brite Bell fungierte mittlerweile als Trainer der Amateure des FSV Mainz, bei denen die Sportfr. Siegen in der Regionalliga Süd morgen ab 14.30 Uhr zu Gast sein werden. Von den Spielern, die im August 1998 bei dem denkwürdigen Pokal-Match im Leimbach-Stadion mitwirkten, sind nicht mehr viele übrig geblieben. In der Aufstellung der »Sportfreunde« tauchte anno 1998 von den aktuellen Akteuren einzig und allein Andreas Nauroth auf. Der wurde gegen Mainz in der 63. Minute eingewechselt, wird morgen aufgrund seines hartnäckigen grippalen Infekts aber nicht spielen können.

Beim FSV finden wir unterdessen einen gewissen Peter Neustädter. Dem stecken inzwischen 16 Erstliga-Partien, mehr als 250 Zweitliga-Spiele sowie drei A-Länderspiele für Kasachstan in den Knochen. Doch ans »Aufhören« denkt der »Fußball-Opa« noch keineswegs. Im Gegenteil: Von seiner Erfahrung profitieren in dieser Saison die »Youngster« des FSV Mainz. »Dank seiner Routine und der jahrelangen Erfahrungen in der 2. Bundesliga ist er der Führungsspieler schlechthin«, ist der Mainzer Abwehrchef dem Siegener Coach Michael Feichtenbeiner bisher sehr positiv aufgefallen. Zweimal hat der »Sportfreunde«-Trainer den Aufsteiger beobachtet, und dabei hat er festgestellt, dass die FSV-Amateure – wie auch die Sportfr. Siegen – sehr launisch sind. Zunächst war Feichtenbeiner Augenzeuge beim Mainzer 3:0-Sensationserfolg in Saarbrücken, und vorgestern hat er den morgigen Gegner noch einmal im vorgezogenen Spiel gegen die Stuttgarter Kickers unter die Lupe genommen, und nach dem 1:1 zufrieden die Rückreise ins Siegerland angetreten, denn: »Ein Unentschieden war unser Wunschergebnis. Dadurch sind beide Mannschaften hinter uns geblieben, und die Mainzer haben nach dem Achtungserfolg in München (Anm. der Red.: 2:2) diesmal nicht überzeugt. Die Stuttgarter waren dem Sieg näher«, berichtet Feichtenbeiner. Auch er könnte mit einem Remis im Stadion am Bruchweg durchaus leben, doch das erklärte Ziel von Feichtenbeiner sind drei Punkte: »Ein Dreier wäre für uns ein Meilenstein. Es ist sehr, sehr wichtig, dass wir mindestens einen Punkt holen, allein schon deshalb, um vor Mainz zu bleiben. Aber wir werden nicht von vornherein auf Unentschieden spielen. Ich wäre ja pervers, wenn ich meiner Mannschaft keinen Sieg zutrauen würde.« Um die anvisierten drei Punkte einzufahren, muss die Mannschaft ihre Einstellung gegenüber dem vergangenen Auswärtsspiel in Pfullendorf, das sie praktisch ohne Gegenwehr mit 0:2 verlor, freilich gewaltig ändern. Das weiß auch der Trainer: »In Pfullendorf haben wir viel zu vorsichtig und ängstlich begonnen. Das muss sich ändern. Wir müssen in Mainz genauso mutig und couragiert auftreten wie in den Heimspielen.«

A propos Heimspiel: Die Chancen dafür, dass die Siegener im gerade sanierten und 15000 Zuschauer fassenden Stadion am Bruchweg ein »Heimspiel« haben werden, stehen nicht schlecht, denn die mitgereisten »Schlachtenbummler« aus dem Siegerland werden mit Sicherheit mehr Krach machen als die maximal 400 »Kiebitze« aus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. »In der Regionalliga finden dort Geisterspiele statt. Doch selbst wenn nur wenige Fans kommen und ihr Team lautstark unterstützen, hallt das in dem neuen Schmuckkästchen richtig gut«, erzählt Michael Feichtenbeiner.

Der muss außer Nauroth morgen auch noch auf die Langzeitverletzten Sven Eckhardt und Sascha Bäcker sowie Peter Nemeth (gesperrt nach 5. Gelber Karte), Matthias Straub, Tobias Wurm (beide Muskelzerrung) und Joshua Caleb Norkus (Muskelfaserriss) verzichten. John van Buskirk, dem Anfang der Woche eine Magen-Darm-Grippe zu schaffen machte, wird wahrscheinlich aber auflaufen können. Definitiv wieder mit von der Partie ist der zuletzt gesperrte Björn Weikl. Wer beim Gegner zu den »ersten Elf« zählen wird, ist unterdessen noch völlig offen, aber Feichtenbeiner geht davon aus, dass das Team beim morgigen »Sechs-Punkte-Spiel« wesentlich stärker bestückt wird als am Mittwoch gegen Stuttgart. Denn: Die Zweitliga-Profis spielen bereits heute Abend in Duisburg, und die FSV-Amateure wollen mit aller Macht den Klassenerhalt schaffen. Das wollen auch die Sportfr. Siegen, aber eine dieser beiden Mannschaften wird die Hinrunde mit großer Wahrscheinlichkeit auf einem Abstiegsplatz beenden.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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