Verlobung nach drei Tagen

Eheleute Kesting feiern morgen ihre diamantene Hochzeit

juwi Weidenau. Wenn Friedrich-Wilhelm und Ursula Kesting geb. Rambke morgen ihre diamantene Hochzeit feiern, dann blicken sie auf ein ereignisreiches gemeinsames Leben zurück. Schon das Kennenlernen in der Geburtsstadt Hannover hatte einen bewegenden Anlass: Ursula Kesting hatte als Finanzbuchhalterin mit dem jüngeren Bruder des Jubilaren in einer Firma gearbeitet. In den Krieg eingezogen schickte er der Kollegin mehrere Briefe aus Russland. Nach seinem frühen Tod an der Front wollte die junge Frau die Briefe den trauernden Eltern übergeben. Bei dieser Gelegenheit traf sie mit dem älteren Bruder zusammen.

Die Entscheidung füreinander war denkbar schnell gefallen: Schon drei Tage nach dem ersten Treffen im Januar 1943 verlobten sich die Beiden. Gefragt wurde noch ganz förmlich mit »Sie.« Kurz darauf ging es für den Frischverlobten zum Kriegsdienst nach Frankreich. Genau hundert Tage nach der Verlobung wurde geheiratet. Das erste Staatsexamen zum Lehramt hatte der Ehemann zum Glück noch als letzter Jahrgang vor dem Krieg an der Bernhard-Rust-Hochschule in Braunschweig ablegen können. So stand einer späteren Wiederaufnahme des Berufes nichts im Wege. Dazwischen lagen jedoch lange Kriegsjahre und die spätere Gefangenschaft in Amerika, wo der Soldat mit Offiziersrang zwei Jahre verbringen musste, Arbeitseinsatz in Montana zur Kartoffelernte. Erst 1946 konnte er seine Frau und zum erstenmal die bereits zweijährige Tochter in die Arme schließen. Eine Arbeitsstelle fand sich schnell, das Referendariat wurde abgeleistet, anschließend noch eine Zusatzausbildung zum Sonderpädagogen, ein erstmalig angebotener Kurs. Dann die nicht leichte Entscheidung, aus dem sicheren Schuldienst auszusteigen und in Wolf an der Mosel die Leitung eines Kinder- und Jugendheims der inneren Mission für schwer Erziehbare zu übernehmen, eine wahrlich herausfordernde Aufgabe. Die Gegend war landschaftlich reizvoll, bot aber auf Dauer für die sechs flügge werdenden Kinder keine Zukunftschancen.

So waren Kestings froh, als eine Bewerbung im Siegerland Erfolg zeigte und man 1958 mit Sack und Pack ins große Haus nach Geisweid-Klafeld ziehen konnte. Hier übernahm Friedrich-Wilhelm Kesting eine Stelle als Sonderpädagoge und war später für drei verschiedenen Schulen zuständig. Seine Frau hielt ihm derweil den Rücken frei, denn zu den beruflichen Pflichten kam ein immenses ehrenamtliches Engagement. So war er von 1960 an zwölf Jahre lang Ratsmitglied, zwölf Jahre lang Presbyter - zeitweise Kirchmeister - der Klafelder Gemeinde und von 1958-1970 Leiter des Setzener Kirchenchores. Außerdem betreute er von 1959-1970 journalistisch den »Blickpunkt«. Dazu kamen seine Schöffentätigkeit und das Erteilen von Sprachheilunterricht. Durch eine schwere Beipassoperation muss sich der 82-Jährige seit einigen Jahren gesundheitlich schonen. Ruhig wurde es bei Kestings dennoch nicht: Die 81-jährige Jubilarin engagierte sich nach geleisteter Erziehungsarbeit im Tierschutz, ist Mitglied in einem Literaturkreis und war jahrelang im Ortsverein aktiv. Das diamantene Jubiläum des agilen Paares soll mit einem Gottesdienst in der Geisweider Talkirche begonnen werden. Anschließend wird mit den Kindern, neun Enkeln und vielen Gästen im Lutherhaus gefeiert.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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