Verlorene Maßstäbe

Viktor Naimark mit seiner Frau Svetlana Samartseva und Tochter Alicia (14) bei der Ausstellungseröffnung in der Städtischen Galerie Haus Seel. Foto: ba
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ba Siegen. Inspiration macht einen Künstler aus. Nur mit ihrer Hilfe kann er seine Gefühle, Gedanken, Vorstellungen und Träume visuell verwirklichen. Viktor Naimark ist ein Künstler, der reich mit Inspiration gesegnet ist, der viel Erlebtes in seinen Bildern erzählt. Anlässlich der bundesweiten „Woche der Brüderlichkeit“ stellt der in St. Petersburg geborene und heute in Frankfurt am Main lebende Maler und Architekt bis zum 28. März auf Einladung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland in der Städtischen Galerie Haus Seel in Siegen eine Auswahl seiner Werke aus. Sonntagnachmittag war die Eröffnung der Schau, die unter dem Motto „Verlorene Maßstäbe“ steht.

Maßstäbe und Werte im menschlichen Miteinander seien notwendig, betonte Landrat Paul Breuer, Schirmherr der Veranstaltung, in seiner Eröffnungsrede. Denn was Wert habe, gebe Halt und sei wichtig, um gerade in konfliktreichen Alltagssituationen ein friedliches Miteinander zu gewährleisten. So sieht auch Siegens stellv. Bürgermeisterin Angelika Floren die „Woche der Brüderlichkeit“ als Hinweis auf die Zielsetzung der Gesellschaft. Eine Zielsetzung, bei der Toleranz, Freiheit und Solidarität zentrale Positionen einnehmen und Maßstäbe gelten sollten, die im Laufe der Zeit durchaus wandelbar sein könnten.

Was es nun bedeuten kann, wenn Maßstäbe verloren gehen, musste Viktor Naimark schon in frühester Kindheit erfahren. Seine Mutter, Dr. Evelina Merova, die erfreulicherweise ebenfalls zur Vernissage erschienen war, erlebte den Holocaust und gibt heute als Zeitzeugin ihre Erfahrungen an Schulklassen weiter. Der Künstler selbst verließ nach dem Studium der Grafik, Bildhauerei, Architektur und Malerei an der renommierten Ioganson-Kunstschule und der Repin-Kunstakademie in St. Petersburg seine Heimat, um mit seiner Familie im vereinten Deutschland zu leben.

Den ursprünglichen Plan, sich als Architekt zu verwirklichen, gab er schon bald auf, da die vorgegebenen Maßstäbe nicht seinen Vorstellungen entsprachen. Von nun an galt Naimarks Interesse primär der Kunst, in der sich sein ambivalentes Verhältnis zu den Maßstäben des Lebens ausdrückt. Das Spannungsverhältnis zwischen (architektonisch) Konstruiertem – Häuser, Türme und Burgen stehen oftmals im Vordergrund seiner Bilder – und Organischem dominiert viele seiner Werke. Neben geometrisch angeordneten Gebäuden tummeln sich Fische, Vögel, Fabelwesen und natürlich auch der Mensch. Ohne spezielle Vorbilder entwickelt Viktor Naimark seine Werke einzig aus sich selbst heraus, schafft, was er fühlt.

Dabei sind, neben Ölgemälden in intensiven Farben, vor allem seine Collagen, die er in einer einzigartigen Technik erstellt, sehenswert. Dokumente des Alltags wie Zeitungsausschnitte, Fahrscheine oder Aktienpapiere werden in Kunstwerke eingearbeitet und teilweise übermalt. Naimarks Bilder sind gefühlvoll gestaltete, oftmals melancholisch wirkende Rätsel, die der Fantasie des Betrachters Raum zu Spekulationen lassen. Seine Werke gleichen Erzählungen, die den Betrachter fesseln und seinen Blick verweilen lassen.Ein absolut sehenswertes Kunsterlebnis, „doch“, wie Werner Stettner, der katholische Vorsitzende der „Christlich-Jüdischen“ treffend formulierte, „schauen Sie selbst, treten Sie ein in die Welt, die sich Viktor Naimark nach seinen Maßstäben gebaut hat“.Weitere Veranstaltungen im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit:Donnerstag, 11. März, 20 Uhr: „Du bist uns eine Brücke“ – Reflexionen einer Außenstehenden mit Zugang zu verschiedenen Kulturwelten; Lesung und Gespräch mit Dr. Annette Weisberg (Haus Seel).Sonntag, 14. März: Tagesfahrt mit dem Bus nach Osnabrück, Besuch des Felix-Nussbaum-Museums, das vom diesjährigen Preisträger der Buber-Rosenzweig- Medaille, dem Architekten Daniel Libeskind, geplant wurde. Weitere Infos und Anmeldung: Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland, Tel. (02 71) 2 01 00.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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