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Reiserückkehrer dürfen sich kostenlos auf Corona testen lassen
Viel Betrieb beim Hausarzt

Dr. Oliver Haas sieht sich und seine Praxis in Erndtebrück gut auf die häufiger werdenden Coronatests vorbereitet, er rechnet mit rund 50 Patienten in dieser Woche. Trotzdem könne es für Reiserückkehrer möglicherweise schwierig werden, innerhalb von 72 Stunden einen Arzt zu finden, der einen Abstrich nimmt.
  • Dr. Oliver Haas sieht sich und seine Praxis in Erndtebrück gut auf die häufiger werdenden Coronatests vorbereitet, er rechnet mit rund 50 Patienten in dieser Woche. Trotzdem könne es für Reiserückkehrer möglicherweise schwierig werden, innerhalb von 72 Stunden einen Arzt zu finden, der einen Abstrich nimmt.
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sos Siegen. Es ist besetzt. Immer wieder besetzt. Über eine andere Nummer erklärt die Bandansage, dass alle Mitarbeiter im Gespräch sind, Geduld ist gefragt. „Für Elise“ ertönt zum wiederholten Mal. Die Leitungen der Hausärzte laufen heiß – auch, weil sich Reiserückkehrer melden, die auf Corona getestet werden möchten. Seit dem 1. August können niedergelassene Ärzte die Abstriche von den Einreisenden aus dem Ausland nehmen – egal ob Risikogebiet oder nicht. Und das wird von den Urlaubern offenbar gerne angenommen, vielleicht auch, weil die Tests für sie kostenfrei sind. Auch ohne Symptome.
Freiwillige Corona-Tests sind wichtigStefan Spieren, Hausarzt in Hünsborn und stellv. Leiter der Bezirksstelle Lüdenscheid der kassenärztlichen Vereinigung (KV), freut sich, dass etwas getan wird.

sos Siegen. Es ist besetzt. Immer wieder besetzt. Über eine andere Nummer erklärt die Bandansage, dass alle Mitarbeiter im Gespräch sind, Geduld ist gefragt. „Für Elise“ ertönt zum wiederholten Mal. Die Leitungen der Hausärzte laufen heiß – auch, weil sich Reiserückkehrer melden, die auf Corona getestet werden möchten. Seit dem 1. August können niedergelassene Ärzte die Abstriche von den Einreisenden aus dem Ausland nehmen – egal ob Risikogebiet oder nicht. Und das wird von den Urlaubern offenbar gerne angenommen, vielleicht auch, weil die Tests für sie kostenfrei sind. Auch ohne Symptome.

Freiwillige Corona-Tests sind wichtig

Stefan Spieren, Hausarzt in Hünsborn und stellv. Leiter der Bezirksstelle Lüdenscheid der kassenärztlichen Vereinigung (KV), freut sich, dass etwas getan wird. Natürlich komme da Arbeit auf die Ärzte zu. „Aber wir können doch froh sein, dass sich viele Menschen freiwillig testen lassen.“ Denn so würden möglichst viele vor dem Virus geschützt.

Hausarzt ist nicht zum Testen verpflichtet

Allerdings: „Der Hausarzt darf testen, muss aber nicht.“ Er kann den Patienten also auch ans Gesundheitsamt oder andere Praxen verweisen. Das könne beispielsweise der Fall sein, wenn der Arzt selbst zur Risikogruppe gehört.

Alles wird sich einpendeln

„Im Moment ist schon eher viel los“, berichtet Dr. Oliver Haas von seinem Praxisalltag in Erndtebrück bzw. Wingeshausen. Aber er sei gut ausgerüstet. „Wir haben ausreichend Schutzausrüstung von der kassenärztlichen Vereinigung bekommen, auch Masken und Desinfektionsmittel.“ Die Abstriche nehmen, sei also kein Problem; ein Labor, mit dem die Praxis zusammenarbeite, sei jedoch schon am Rande der Kapazitätsgrenze, so Haas. „Wenn die nächste Welle kommt, könnte es zwischendurch eng werden. Aber nach ein paar Wochen pendelt sich das dann ein.“

Alle Rückkehrer werden kostenfrei getestet

Dass auch die Kosten für Rückkehrer aus Nicht-Risiko-Gebieten übernommen werden, verkompliziere die Sache jedoch, findet Oliver Haas. Schließlich gelte es, die Tests 72 Stunden nach Einreise durchzuführen. „Da muss man dann auch jemanden finden, der es macht.“ Laut Nachricht der kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe von Dienstag sei übrigens zu erwarten, dass „der Gesetzgeber in Kürze die Coronatests für Einreisende aus Risikogebieten verpflichtend macht“. Bisher könne man sich statt Abstrich auch freiwillig 14 Tage in Quarantäne begeben. „Aber wer macht das schon?“

Mehr Patienten als vorher

20 Patienten hätten sich am Dienstag in der eigens eingerichteten Testpraxis eingefunden, mit rund 50 rechne er diese Woche. Vorher seien nur vereinzelt potenzielle Corona-Infizierte erschienen, aber da habe jeder Test selbst bezahlt werden müssen. „Bei 150 Euro überlegt man sich das schon, wenn man keine Symptome hat.“

Covid-19 wird zur Normalität

Gut vorbereitet fühlt sich auch Dr. Martin Mansfeld vom Vorstand des Ärztevereins Siegerland. „Je mehr wir testen, desto besser.“ Irgendwann werde Covid-19 zur Normalität, deswegen müsse man schnellstens die Panik aus dem Thema nehmen, sagt der Hausarzt mit Praxis in Siegen.

"Nichts ist geregelt"

Kritischer betrachtet Frank Muders die Entwicklung. „Chaotischer geht’s nimmer.“ Was bisher gut gelaufen sei, gerate jetzt aus den Fugen. Nichts sei geregelt, weder wie die Tests vergütet, noch wie sie abgerechnet würden. Die „Umsonstregelung“ ab 1. August sei mit heißer Nadel gestrickt worden. „Das öffnet jedem Tür und Tor“, fürchtet Muders. Einen Nachweis, sprich ein Flug- oder Bahnticket, müssten die Patienten nämlich nicht erbringen. Die glaubhafte Versicherung, dass man von einer Reise zurückkehrt, reicht.

Nicht-Urlauber finanzieren Tests mit

Das Telefon klingele ununterbrochen, „aber wir haben auch noch anderes zu tun“. Zehn Corona-Abstriche am Tag würden von seiner Herdorfer Praxis etwa gemacht. Zudem sei ihm unbegreiflich, dass diejenigen, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht in den Urlaub fahren können, das Vergnügen bzw. die anschließenden Tests der anderen mitfinanzierten.

Bereitschaft loben

In einigen Praxen herrschte am Dienstag noch Unklarheit darüber, ob die Krankenkassen auch die Kosten für die Tests der Rückkehrer aus Nicht-Risiko-Gebieten übernehmen. Die KV schaffte schließlich Klarheit, wobei Stefan Spieren grundsätzlich findet, dass die Diskussion um Kosten gar nicht geführt werden solle. Vielmehr müsse man die Bereitschaft der Menschen loben, die Verantwortung übernehmen und sich testen lassen.

Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

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