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Duo hängt sich an Gamestop-Hype
Viel Geld in wenigen Minuten

Paul Berghäuser und Luca Stahl haben sich dem weltweiten Ansturm auf die Aktien angeschlossen und damit den Hedgefonds geschadet, aber auch selbst Profit gemacht.
  • Paul Berghäuser und Luca Stahl haben sich dem weltweiten Ansturm auf die Aktien angeschlossen und damit den Hedgefonds geschadet, aber auch selbst Profit gemacht.
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juka Siegen. Wohl noch nie in der Unternehmensgeschichte stand die Einzelhandelskette "Gamestop“ für Computerspiele und Unterhaltungssoftware, die auch eine Filiale in der City-Galerie in Siegen betreibt, so im Fokus der Öffentlichkeit wie in den vergangenen Tagen und Wochen. Doch die Aufmerksamkeit ist nicht etwa auf Neuerungen oder Angebote bei der Kette zurückzuführen, vielmehr ist "Gamestop“ zum Spielball an der Börse geworden und Schauplatz eines Kleinkriegs zwischen Hedgefonds und Privatanlegern.

Vereinfacht erklärt: Hedgefonds wetten mit Leerkäufen gegen Firmen, die mit Problemen zu kämpfen haben. Sie leihen sich Aktien, setzen darauf, dass der Börsenkurs fällt und verpflichten sich, zu einem vereinbarten Termin die Anteile zu kaufen.

juka Siegen. Wohl noch nie in der Unternehmensgeschichte stand die Einzelhandelskette "Gamestop“ für Computerspiele und Unterhaltungssoftware, die auch eine Filiale in der City-Galerie in Siegen betreibt, so im Fokus der Öffentlichkeit wie in den vergangenen Tagen und Wochen. Doch die Aufmerksamkeit ist nicht etwa auf Neuerungen oder Angebote bei der Kette zurückzuführen, vielmehr ist "Gamestop“ zum Spielball an der Börse geworden und Schauplatz eines Kleinkriegs zwischen Hedgefonds und Privatanlegern.

Vereinfacht erklärt: Hedgefonds wetten mit Leerkäufen gegen Firmen, die mit Problemen zu kämpfen haben. Sie leihen sich Aktien, setzen darauf, dass der Börsenkurs fällt und verpflichten sich, zu einem vereinbarten Termin die Anteile zu kaufen. Geht die Strategie auf, bekommen sie die durch den Preis gefallenen Aktien günstiger und machen mit der Differenz Gewinn. Doch genau das verhindern Scharen von Privatanlegern seit geraumer Zeit. Tausende von Kleinaktionären kauften Anteile von Gamestop, trieben den Kurs so in die Höhe. Die Wette der Hedgefonds ging nach hinten los, sie mussten die in die Höhe getriebenen Preise bezahlen, machten Verluste in Millionen- oder sogar Milliardenhöhe. Und sorgten gleichzeitig dafür, dass der Börsenwert weiter in die Höhe schnellt.

Kurse schossen in ungeahnte Sphären

"Gamestop“ ist dabei kein Einzelfall, sondern nur ein bekanntes Beispiel. Auch die Kurse von vielen anderen Unternehmen schossen durch die Käufer der Privatanleger in ungeahnte Sphären. Auch zwei junge Männer aus den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Altenkirchen haben sich der Bewegung angeschlossen. Allerdings aus anderen Motiven. "Wir sehen uns nicht als Bekämpfer von Hedgefonds“, erklären Paul Berghäuser (20) und Luca Stahl (18). Vielmehr sei es den beiden Studenten um die Möglichkeit gegangen, auf einen steigenden Kurs zu setzen. "Die Gelegenheit war gut. Es war absehbar, dass der Hype anhält und es ein Investment mit hohem Gewinnpotential ist“, so Berghäuser.

Und die Rechnung ging auf, innerhalb weniger Stunde gab es hohe Gewinne zu verzeichnen. Über 100 Euro pro Aktie. Mittlerweile befindet sich der Kurs aber wieder auf dem Sinkflug, das Duo hält jeweils nur noch eine Aktie. „Damit wir uns nicht so sehr ärgern müssen, wenn es doch wieder hochgeht“, lachen die beiden Studenten. Des Risikos, auch hohe Verluste zu machen, waren sie sich bewusst. „Natürlich gibt es die Gefahr, 80 oder 90 Prozent des Geldes zu verlieren“, gibt Stahl zu.

Großer Zulauf für Plattform

Wie viele andere Privatanleger auf der ganzen Welt hat sich das Duo über das Diskussionsforum "Reddit“ mit Gleichgesinnten vernetzt. "Wenn man etwas mit Aktien zu tun hat, kommt man da überhaupt nicht drum herum“, weiß Stahl. Aber bereits vor dem Aufruhr um Gamestop, hatte die Plattform großen Zulauf zu verzeichnen. Dass sich große Teile der Privatanleger aber von Anfang an auf die Fahnen geschrieben haben, den Hedgefonds zu schaden, glauben Stahl und Berghäuser nicht.

"Dieser aktivistische Charakter hat sich erst im Laufe der Zeit entwickelt. Am Anfang ging es den Leuten darum, Geld zu verdienen“, sind sich die beiden sicher. Irgendwann habe sich aber auch ein gemeinschaftliches Gefühl in der Community entwickelt. Man selbst habe grundsätzlich nichts gegen Hedgefonds. "Aber sympathischer sind sie mir auch nicht geworden. Es ist ein Nebeneffekt, über den ich mich nicht beschwere. Ich habe nichts dagegen, dass sich die Verhältnisse mal umkehren“, erläutert Berghäuser. Schließlich verdienen die Hedgefonds ihr Geld auch mit dem Zugrundegehen von Unternehmen. Dennoch seien beide nicht aus idealistischen oder aktivistischen Gründen eingestiegen.

Letztlich haben die Studenten aber zu beidem beigetragen. Dem eigenen Gewinn und dem Verlust der mächtigen Hedgefonds.

Autor:

Julian Kaiser (Volontär) aus Siegen

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