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Lockdown: Gastro-Branche fühlt sich im Stich gelassen
Viel Geld investiert - für nichts?

Der Spruch "das Glas ist halb leer" wäre weit untertrieben, sind sich die Siegerländer Gastwirte einig.
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  • Der Spruch "das Glas ist halb leer" wäre weit untertrieben, sind sich die Siegerländer Gastwirte einig.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

vö Netphen/Siegen. Sind die Wirte die Corona-Prügelknaben der Nation? Die Bandbreite der Gefühle pendelt sich irgendwo ein zwischen Angst, Hilflosigkeit, Frustration und Wut: Die Gastronomie fühlt sich vor dem zweiten Lockdown am kommenden Montag, bei dem Kneipen, Bars, Gasthäuser und Restaurants wiederum zuerst schließen müssen, völlig zu Unrecht an den Pranger gestellt.
Situation für viele existenzgefährdend„Die Situation ist irgendwo zwischen dramatisch und völlig verzweifelt“, sagt Frank Kretschmer am Freitagnachnachmittag beim Pressetermin in Netphen, den mehrere Siegerländer Vertreter der Branche nutzen, um auf ihre existenzgefährdende Situation aufmerksam zu machen.

Netphen/Siegen. Sind die Wirte die Corona-Prügelknaben der Nation? Die Bandbreite der Gefühle pendelt sich irgendwo ein zwischen Angst, Hilflosigkeit, Frustration und Wut: Die Gastronomie fühlt sich vor dem zweiten Lockdown am kommenden Montag, bei dem Kneipen, Bars, Gasthäuser und Restaurants wiederum zuerst schließen müssen, völlig zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Situation für viele existenzgefährdend

„Die Situation ist irgendwo zwischen dramatisch und völlig verzweifelt“, sagt Frank Kretschmer am Freitagnachnachmittag beim Pressetermin in Netphen, den mehrere Siegerländer Vertreter der Branche nutzen, um auf ihre existenzgefährdende Situation aufmerksam zu machen. Frank Kretschmer betreibt in Netphen das „Keiler-House“, das nur noch am Wochenende geöffnet sein darf – und dann auch nur jeweils bis 23 Uhr. Ab Montag steht der Bierhahn still. „Und ich rechne ganz ehrlich gesagt auch damit, dass wir dieses Jahr nicht mehr öffnen dürfen. Dafür sind wir alle Realisten genug“, sagt der Unternehmer, der mit seinem Event-Unternehmen im Jahr 2020 ebenfalls einen Totalausfall eingefahren hat. Die Branche geht davon aus, dass die beiden gewöhnlich umsatzstärksten Monate des Jahres mit einer Nullrunde ausgehen. Das Kneipensterben ist keine düstere Zukunftsprognose, sondern längst vor der Haustür angekommen.

Alle Ersparnisse aufgebraucht

„Das Thema ist 24 Stunden präsent und raubt einem den Schlaf. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas möglich ist – aber ich bin jetzt an einem Punkt angelangt, wo ich Grundsicherung beantragen muss. Alle Rücklagen und Ersparnisse sind aufgebraucht“, sagt Mimi Merle vom Weidenauer Bistro „Number One“ in aller Offenheit. Es sei schwierig zu akzeptieren, dass Politiker, die ihre Einnahmen aus den Steuern von Unternehmen – auch aus der Gastronomie – generierten, einem den Hahn abdrehten. Ein gewisses Verständnis für einen Lockdown äußerten alle Wirte beim Pressetermin, „dann aber bitte für alle Wirtschaftszweige“.

In Hygiene investiert

Carsten Schmidt, Betreiber der Sport- und Eventkneipe Scholl in Siegen, erinnert daran, dass bereits der Neustart nach dem ersten Lockdown ein sehr schwieriger gewesen sei. Das Geschäft sei nur sehr schleppend wieder angelaufen: „Aber wir haben es trotz der vielen Auflagen geschafft, die Gäste zurückzuholen.“ Er habe über 10.000 Euro in Hygiene und Maßnahmen zur Umsetzung der Abstände investiert. Dennoch sei die Angst vor dem Herbst immer präsent gewesen. Offenbar zu Recht: Denn nun werde der Gastronomie wiederum die vermeintliche Schuldkarte zugespielt. Man traue sich nicht mehr, so der Unternehmer, in seinen Betrieb zu investieren, Mitarbeiter suchten vor lauter Unsicherheit das Weite. „Die Frustration ist extrem hoch.“

"So macht es keinen Spaß"

„Mir fehlt die Kraft, um weiter zu machen“, räumt Bianca Bebling von „Jojos Pub“ in Weidenau ein. Sie könne es nicht fassen, dass das Zwischenmenschliche völlig außen vor gelassen werde: „Arbeiten gehen ist in Ordnung, abends ins Gasthaus gehen darf nicht sein.“ Dabei gebe es keinen Beleg dafür, dass die Infektionen auf Gaststättenbesuche zurückgingen. Und Frank Gundlach vom Gasthof „Alter Bahnhof“ in Eiserfeld gibt zu, „dass der Beruf, den wir alle mit viel Enthusiasmus betreiben, so keinen Spaß mehr macht“. Man schaue nur noch, dass man nichts falsch mache. Während im Nachbarbundesland Hessen Kommunen alles täten, um die Wirte zu unterstützen, sei man hier allein auf weiter Flur. Christoph Unkel vom Gasthof „Kölner Tor“ hat nach eigenen Angaben über 12.000 Euro in Corona-Schutz für sein Lokal und seinen Getränkegroßhandel in die Hand genommen: „Wir müssen lernen, mit Corona ganz anders umzugehen, dieser Virus wird nicht verschwinden. Aber diese Art von Schließungen ist keine Lösung.“

Der Spruch "das Glas ist halb leer" wäre weit untertrieben, sind sich die Siegerländer Gastwirte einig.
Für die Gastwirte der Region ist das Glas noch nicht mal halb voll. Sie müssen ihre Betriebe ab Montag bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr schließen. Die verzweifelten Unternehmer gehen davon aus, dass sowohl November als auch Dezember keine Einnahmen bescheren.
Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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