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Überforderung in Krankenhaus und Altersheim
Viel zu wenig Personal in der Pflege

Etwa 3,5 Millionen Bürger in Deutschland  sind pflegebedürftig.
  • Etwa 3,5 Millionen Bürger in Deutschland sind pflegebedürftig.
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goeb  Siegen/Altenkirchen. „Es liegt nicht am Geld“, ist Erwin Rüddel überzeugt. „Es liegt am Personalmangel, an der Überlastung und daran, dass Geschäftsführer von Krankenhäusern die Pflege benutzt haben, um damit andere Lücken zu füllen.“
Der CDU-Bundestagsabgeordnete ist Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Bundestag und hat das Sorgenkind Pflege in Deutschland seit Langem im Blick. „Die Gehälter bei der Pflege im Krankenhaus sind in den letzten zwei bis zweieinhalb Jahren um gut 14 Prozent gestiegen“, schildert der Abgeordnete aus dem Wahlkreis Altenkirchen-Neuwied. Auch bei der Altenpflege wurde und werde nachgebessert, meint Rüddel im SZ-Gespräch.

goeb  Siegen/Altenkirchen. „Es liegt nicht am Geld“, ist Erwin Rüddel überzeugt. „Es liegt am Personalmangel, an der Überlastung und daran, dass Geschäftsführer von Krankenhäusern die Pflege benutzt haben, um damit andere Lücken zu füllen.“
Der CDU-Bundestagsabgeordnete ist Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Bundestag und hat das Sorgenkind Pflege in Deutschland seit Langem im Blick. „Die Gehälter bei der Pflege im Krankenhaus sind in den letzten zwei bis zweieinhalb Jahren um gut 14 Prozent gestiegen“, schildert der Abgeordnete aus dem Wahlkreis Altenkirchen-Neuwied. Auch bei der Altenpflege wurde und werde nachgebessert, meint Rüddel im SZ-Gespräch.

Pflegenotstand in Krankenhaus und Altersheim

Aber: Trotz besserer Verdienstmöglichkeiten wird das Soll beim Personalschlüssel fast nie erfüllt, was zu einer Verdichtung der Arbeit besonders im Schichtdienst führt. Hinzu kommt das ständige Einspringen für Kollegen, die krank geworden sind. So lassen sich für Fachkräfte die Wochenenden kaum planen. Hoher Krankenstand im Pflegeberuf ist ein Dauerthema, ebenso die Frühverrentung. Kaum einer bleibt die reguläre Berufszeit seinem Job treu. „Die Leute steigen ganz einfach wegen der Überforderung aus“, bilanziert Rüddel.
Etwa 1,1 Millionen Krankenpflegekräfte arbeiten in Deutschland sowie 620 000 Altenpflegekräfte. Der Personalmangel plagt beide Bereiche gleichermaßen. Die schlechte Planbarkeit der Arbeit sowohl in der Alten- als auch in der Krankenpflege, so der MdB, stelle besonders Alleinerziehende von große Schwierigkeiten.
Das Zukunftsszenario sieht auch er mit Unbehagen. Etwa eine halbe Million Pflegekräfte gehen in den kommenden zehn bis zwölf Jahren in Rente. Das wird den schon jetzt herrschenden Pflegenotstand extrem zuspitzen.
Auch weitere Zahlen, die publiziert worden sind, stimmen nicht unbedingt optimistisch: Eine Umfrage des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe zur Jobzufriedenheit förderte im Dezember zutage, dass über 30 Prozent der 3600 befragten Pflegekräfte mit dem Gedanken spielen, den Job an den Nagel zu hängen. Etwas „günstiger“ sehen die Zahlen der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg aus. Demnach will „nur“ jeder Sechste aussteigen.

Erwin Rüddel fordert festes Pflegebudget 

Erwin Rüddel ist der Ansicht, dass der Marburger Bund viel für die Ärzte rausgeholt habe auf Kosten der Pflege. Ein Instrument, das Abhilfe schaffen soll, ist das festgelegte Pflegebudget. „Das ist Geld, das für die Pflege ausgegeben werden muss“, betont der Vorsitzende. Ursprünglich war das schon für 2020 so vorgesehen, aber dann machte u. a. die Corona-Pandemie der Politik einen Strich durch die Rechnung.
Durch die Herausnahme der Pflegepersonalkosten aus den DRGs (Fallpauschalen) wollte die Politik verhindern, dass die Krankenhäuser auf Kosten der Pflege sparen. Natürlich murren viele Krankenhäuser. Laut einer Veröffentlichung des Deutschen Ärzteblatts schätzen 83 Prozent der Krankenhäuser den durch die Einführung des Pflegebudgets entstehenden Zusatzaufwand für die Häuser als sehr hoch oder erheblich ein. Das ist zumindest das Ergebnis des „Krankenhaus-Barometers“ des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) vom vergangenen Jahr, ebenfalls veröffentlicht im Deutschen Ärzteblatt.

Pflegehelfer, Pflegehilfskraft, Pflegefachkraft: Die Unterschiede

Zurück zur Altenpflege. „Wir kriegen von heute auf morgen nicht die Zahl der Kräfte, die wir eigentlich benötigen“, schildert Rüddel. Die Anwerbeerfolge im Ausland seien bescheiden. Etwa 3,5 Millionen Bürger sind nach Angaben des Statistischen Bundesamts pflegebedürftig. Man rechnet damit, dass es in den kommenden Jahren deutlich mehr werden.
Rüddel sieht die geforderte Fachkraftquote (50 Prozent Examinierte) skeptisch. Das mache es Quereinsteigern und Abgängern etwa der Hauptschulen schwerer, in den Beruf einzusteigen.
Die Ausbildung zur Pflegefachkraft dauert drei Jahre, ein bis zwei Jahre dauert die Ausbildung zum sogenannten Pflegehelfer. Ganz ohne Ausbildung geht der Direkteinstieg zur Pflegehilfskraft. Andreas Goebel

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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