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„Corona-Delle“
Viele Existenzgründer zögern noch

Die Corona-Krise ist ein Januskopf: Einerseits bremst sie die Wirtschaft aus, andererseits besitzt sie auch das Potential, neue Ideen entstehen zu lassen.
  • Die Corona-Krise ist ein Januskopf: Einerseits bremst sie die Wirtschaft aus, andererseits besitzt sie auch das Potential, neue Ideen entstehen zu lassen.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

goeb Siegen/Olpe/Altenkirchen. Die Corona-Pandemie hat ab Mitte März nicht nur die Geschäftserwartungen existierender Unternehmen über den Haufen geworfen, naturgemäß überlegen sich Gründungswillige in diesen unsicheren Zeiten dreimal, ob dies der richtige Zeitpunkt ist, um mit der eigenen Firma loszulegen.Eine klare Sprache spricht das Zahlenwerk des Statistischen Bundesamtes, nach dem im ersten Halbjahr 2020 deutlich weniger Betriebe angemeldet wurden als im Vergleichszeitraum ein Jahr zuvor. Das mag auch mit der zeitweisen Schließung der Gewerbeämter zusammenhängen. Nicht alle Bundesländer ermöglichen eine Online-Anmeldung wie etwa NRW. Gleichwohl: Trifft der Trend auch auf unsere Region zu, die vom Mittelstand geprägt ist?

goeb Siegen/Olpe/Altenkirchen. Die Corona-Pandemie hat ab Mitte März nicht nur die Geschäftserwartungen existierender Unternehmen über den Haufen geworfen, naturgemäß überlegen sich Gründungswillige in diesen unsicheren Zeiten dreimal, ob dies der richtige Zeitpunkt ist, um mit der eigenen Firma loszulegen.Eine klare Sprache spricht das Zahlenwerk des Statistischen Bundesamtes, nach dem im ersten Halbjahr 2020 deutlich weniger Betriebe angemeldet wurden als im Vergleichszeitraum ein Jahr zuvor. Das mag auch mit der zeitweisen Schließung der Gewerbeämter zusammenhängen. Nicht alle Bundesländer ermöglichen eine Online-Anmeldung wie etwa NRW. Gleichwohl: Trifft der Trend auch auf unsere Region zu, die vom Mittelstand geprägt ist?

Leichte Zunahme bei den Beratungsgesprächen

Dezidierte Zahlen haben die Industrie- und Handelskammern für die Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe bzw. den Kreis Altenkirchen zwar noch nicht ausgewiesen, aber der Trend lässt sich – zumindest in dieser Deutlichkeit – so nicht bestätigen. Eine Verschiebung der Neugründungspläne wohl, aber der Beratungsbedarf ist überall eher angestiegen.
Sabine Bechheim, Leiterin des Referats Gründung, Sicherung und Nachfolge bei der IHK Siegen, spricht von stabilen Zahlen und von einer leichten Zunahme bei den Beratungsgesprächen. Sie glaubt, dass die Gründungszahlen in der zweiten Jahreshälfte ansteigen werden.
„Das poppt eigentlich immer dann auf, wenn sich grundsätzlich was ändert“, beschreibt sie. Und Corona ist ihres Erachtens so eine einschneidende Zäsur für manchen. Das betreffe Frauen, die sich seit Längerem mit dem Gedanken trügen, zurück in die Berufstätigkeit zu gehen. Ebenso Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit Bedrohte oder eben Menschen, die ihren Traum von der Selbstständigkeit seit Langem mit sich herumtragen.
„Die Zahl der Menschen, die für ihre Idee brennen, ist eigentlich immer ziemlich stabil“, fährt sie fort. Die äußeren Umstände spielten hier sogar eine untergeordnete Rolle. Ins Risiko zu gehen, hält sie fest, das mache man aber dann, wenn es sich auch lohnt. Insofern beobachtet auch sie ein Verschieben der Pläne nach hinten.

Keine Einbußen bei Erstkontakten im Kreis Altenkirchen

Altenkirchens IHK-Geschäftsführer Oliver Rohrbach berichtet im SZ-Gespräch, dass seine Niederlassung eine Abnahme der Beratungsgespräche nicht hat feststellen können. „Selbst in der Phase des Lockdowns gab es reichlich Telefonate mit Beratung.“ Stark nachgefragt würden die jetzt wieder möglich gewordenen Präsenzkurse zur Selbstständigkeit als auch die Online-Seminare (sog. „Webinars“).
Auch die zusätzlichen Angebote für Existenzgründer erfreuten sich reger Nachfrage, zum Beispiel Rechtsanwalt-Sprechtage und die Beratungen durch einen Steuerberater.
„Ich kann diese Tendenz auf den ersten Blick so nicht bestätigen“, schildert auch Chantal Schulte vom Gründerwerk der Sparkasse Siegen an der Kölner Straße.
Sie schränkt allerdings ein: „Das kann ich zumindest für die Zahl der Beratungsgespräche sagen.“ So seien bei den Erstkontakten kaum Einbußen zu verzeichnen gewesen. Die Beraterin hat auch eine Erklärung dafür: Besonders die Phase des Lockdowns sei von Gründungswilligen genutzt worden, um sich mit viel Ruhe erst einmal grundsätzlich Gedanken über ihre Geschäftsidee und deren Umsetzung zu machen. Sie glaubt, dass bei vielen Gründern lediglich der Starttermin um drei bis vier Monate nach hinten geschoben wird.
Eine Kollegin aus der Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung unterstreicht, dass es einen Anstieg bei Neugründungen immer erst dann gibt, wenn die Arbeitslosenzahlen steigen. „Das ist fest miteinander korreliert. Und die Entlassungswelle haben wir noch nicht.“

Das Digitale ist der große Profiteur der Corona-Krise

Dass es darauf ankommt, in welcher Branche man sich selbstständig machen will, liegt auf der Hand. Als Zulieferer in der klassischen Automobilbranche wird man im Augenblick nicht viel Freude haben, doch gegen einen Gründungsversuch in der IT-Branche ist nichts einzuwenden. Alles Digitale ist der große Profiteur der Corona-Pandemie.
Das Gründungsbüro der Uni Siegen begleitet Jung-Unternehmer, die sich in der Regel in Teams zusammenschließen, auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Leiter Frank Ermert hat gerade zwei junge Leute beraten, die im Cloud-Geschäft Ideen umsetzen. Freelancer auf der ganzen Welt benötigen jetzt solche Software-Pakete. Die Hochschule ist ein starker Impulsgeber. Er und seine Mitarbeiter haben gerade wahnsinnig viel zu tun. Denn, so Ermert: „Der Strukturwandel wird kommen.“ Die jungen Leute stehen bereit: mit handygestützten Marketingssystemen, Möbelherstellung, mit Face-Shield-Produktion, mit Microfarming – und vielem anderem mehr.

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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