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Zeugenaussagen im Tannenhof-Mordprozess
Viele Fragen bleiben ungeklärt

Im Wilnsdorfer Tannenhof-Mordprozess  bleiben auch nach  mehreren Zeugenaussagen viele Fragen ungeklärt.
  • Im Wilnsdorfer Tannenhof-Mordprozess bleiben auch nach mehreren Zeugenaussagen viele Fragen ungeklärt.
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  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

mick Siegen. Ist der Angeklagte R. ein kaltblütiger Mörder, oder hat er aus Verzweiflung gehandelt, weil er von seinem Opfer über lange Zeit gedemütigt, erpresst und sogar mit Gewalttaten gegen sich und seine Familie bedroht wurde? Das ist die Frage, die sich stellt in der Verhandlung gegen einen Mann aus Moldawien, der am 23. April dieses Jahres auf dem Wilnsdorfer Tannenhof einen Menschen getötet hat. Der dritte Verhandlungstag bringt viele Zeugen, aber keine wirkliche Antwort.
Einige Polizisten stützen mit den Eindrücken die Aussage des Angeklagten. Er habe verzweifelt gewirkt und auch in seiner ersten Aussage vermittelt, keinen anderen Ausweg gesehen zu haben, als seinen Kontrahenten zur Rede zu stellen.

mick Siegen. Ist der Angeklagte R. ein kaltblütiger Mörder, oder hat er aus Verzweiflung gehandelt, weil er von seinem Opfer über lange Zeit gedemütigt, erpresst und sogar mit Gewalttaten gegen sich und seine Familie bedroht wurde? Das ist die Frage, die sich stellt in der Verhandlung gegen einen Mann aus Moldawien, der am 23. April dieses Jahres auf dem Wilnsdorfer Tannenhof einen Menschen getötet hat. Der dritte Verhandlungstag bringt viele Zeugen, aber keine wirkliche Antwort.
Einige Polizisten stützen mit den Eindrücken die Aussage des Angeklagten. Er habe verzweifelt gewirkt und auch in seiner ersten Aussage vermittelt, keinen anderen Ausweg gesehen zu haben, als seinen Kontrahenten zur Rede zu stellen. Sowie, sollte dieser nicht mit sich reden lassen, notfalls vom Messer Gebrauch zu machen. Der erste Satz, als er von zwei Polizisten gestellt wurde, war: „Ich habe abgestochen das A…loch“. Ähnliches soll er auch später mehrfach mit einem zufriedenen Grinsen gesagt, für ein Foto sogar die Maske abgenommen und wieder breit gegrinst haben. Sagt eine Polizistin. Das Foto ist aber nicht in der Akte zu finden.

Ärger um mögliche Übersetzungsfehler

„Ich bin hingefahren, um ihn zu töten“, diesen Satz im Protokoll hatte Verteidiger Carsten Marx allerdings bereits am 3. November als falsch übersetzt gerügt. Die Kammer hört aus diesem Grund die Dolmetscherin, eine Lehrerin aus Kreuztal. „Das hat er mir so gesagt“, betont die Zeugin. Zuerst sei die Aussage gekommen, er sei hingefahren, um zu reden. Gleich danach habe der Angeklagte aber auch den bewussten Satz noch angefügt. Ganz so genau sind ihre Erinnerungen nicht mehr, wenn es um die Belehrung des Mannes geht. Anwalt Marx ist bereits hellhörig geworden, dass die Beamten schon am Tatort davon ausgingen, der in einem nahen Wald aufgefundene mutmaßliche Täter hätte verstanden, dass er keine Angaben machen muss. Die Polizisten bestätigen zugleich die Antwort des Angeklagten, nur schlecht Deutsch zu verstehen. Dieser habe aber alles getan, was ihm gesagt wurde, erklärt ein Polizist und wird darin von seinen Kollegen unterstützt.
Dem Verteidiger genügt das alles nicht. Er widerspricht nach jedem Zeugen der Verwertung all dessen, was sein Mandant seinerzeit gesagt hat. Auch bei der Dolmetscherin. R., der jede Seite des Protokolls unterschrieben hat, betont, ihm sei nur eine Kurzfassung vorgelesen worden. Er habe verstanden, dass er einen Anwalt hinzuziehen könnte, „aber ich hatte keinen“. Dass es daran nicht scheitern müsste, sei ihm nicht erklärt worden. Fragwürdig ist nach diesem Tag, ob sich der 28-jährige Täter tatsächlich gestellt hat, indem er ein paar 100 Meter vom Tannenhof entfernt im Wald neben seinem Motorrad hockte und nicht wegfuhr. Das – nicht zugelassene – Fahrzeug sei einen Tag später von ihm überprüft worden, berichtet ein Polizist. „Es sprang nicht an“, hat er festgestellt und auch, dass der Tank leer gewesen sei. Dann müsse das ja eine richtige Punktlandung mit der Hinfahrt gewesen sein“, überlegt Richterin Elfriede Dreisbach.

Niemand hat die Tat gesehen

Die Tat selbst ist von niemandem beobachtet worden. Der Geschädigte war nach Aussagen seiner Frau und einiger Freunde mit einem Kollegen von der Arbeit gekommen und nach dem Essen wieder aus dem Haus gegangen. Als der Kollege ein paar Minuten später auch vor die Tür ging, „um eine zu Rauchen“, hörte er vom nahen Parkplatz eine Stimme sagen, „ich habe doch zwei Kinder“. Etwas machte den Kollegen stutzig, der sich nicht sicher war, ob er seinen Freund gehört hatte, oder nicht. Er versuchte diesen zu finden, und lief dann mit einem weiteren Bekannten und der jetzigen Witwe Richtung Parkplatz. Dort erkannten sie im Dunkeln eine Person, die weglief und fanden das Opfer auf dem Boden liegend. „R., der Idiot, der hat mich abgestochen“, soll der 43-Jährige noch gesagt und um ein Glas Wasser gebeten haben. „Dann schloss er die Augen und ist gestorben“, formuliert ein Zeuge.
Unisono erklären alle, den Angeklagten nicht zu kennen. Es sei davon gesprochen worden, dass R. auch einmal auf dem Tannenhof gelebt habe. Die Witwe berichtet, ihn 2019 einmal beim Einkaufen mit ihrem Mann getroffen zu haben. Die Männer hätten sich gegrüßt. Von Verbindlichkeiten in die eine oder andere Richtung will keiner etwas wissen. Konkrete Nachfragen auf die Beschuldigungen des R., der Tote sei Teil eines kriminellen Schleuser- und Erpresserringes gewesen, führen zu nichts. „Das ist falsch“, schüttelt die Witwe den Kopf und bekräftigt, ihr Mann habe keine Geheimnisse gehabt.
Das Verfahren wird am 24. November fortgesetzt.

Autor:

SZ Redaktion aus Siegen

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