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Herbert Reul im Apollo-Theater
Viele kleine Bausteine stärken den Zusammenhalt

NRW-Innenminister Herbert Reul lobte das Engagement der Siegener Soroptimistinnen, redete aber gleichzeitig auch der Gesellschaft ins Gewissen.  Foto: Jan Krumnow
  • NRW-Innenminister Herbert Reul lobte das Engagement der Siegener Soroptimistinnen, redete aber gleichzeitig auch der Gesellschaft ins Gewissen. Foto: Jan Krumnow
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jak Siegen. Eigentlich hat es nur noch gefehlt, dass Herbert Reul am Samstag im Apollo-Theater die Ärmel hochgekrempelt hätte. Der NRW-Innenminister war als Festredner beim 10. Geburtstag der Siegener Sektion von Soroptimist International geladen und machte sehr schnell deutlich, was Innere Sicherheit und das Einhalten von Gesetzen mit der Tätigkeit der mittlerweile 23 Frauen zu tun hat, die es, eingebettet in eine internationale Organisation, innerhalb von zehn Jahren geschafft haben, über 100 000 Euro für den guten Zweck einzuwerben. Denn der CDU-Mann spannte den Bogen von der Verantwortung jedes Einzelnen beim Thema Sicherheit und Sicherheitsgefühl hin zum ehrenamtlichen Engagement.

jak Siegen. Eigentlich hat es nur noch gefehlt, dass Herbert Reul am Samstag im Apollo-Theater die Ärmel hochgekrempelt hätte. Der NRW-Innenminister war als Festredner beim 10. Geburtstag der Siegener Sektion von Soroptimist International geladen und machte sehr schnell deutlich, was Innere Sicherheit und das Einhalten von Gesetzen mit der Tätigkeit der mittlerweile 23 Frauen zu tun hat, die es, eingebettet in eine internationale Organisation, innerhalb von zehn Jahren geschafft haben, über 100 000 Euro für den guten Zweck einzuwerben. Denn der CDU-Mann spannte den Bogen von der Verantwortung jedes Einzelnen beim Thema Sicherheit und Sicherheitsgefühl hin zum ehrenamtlichen Engagement. Engagement, so Reul, sei wichtig, doch gebe es leider viel zu wenig Menschen, die das Ehrenamt ausführten und zudem viel zu wenig Lob für diejenigen, die sich engagierten.

Herbert Reul: Jeder muss etwas für die Gesellschaft tun

Unmissverständlich machte der 67-Jährige klar, dass er es nicht möge, immer nur nach Fehlern zu suchen, anstatt selbst anzupacken: „Klugschwätzer haben wir genug!“ Und an die Vertreterinnen von Soroptimist Siegen gewandt, die das ganze Wochenende über den ersten runden Geburtstag ihrer lokalen Vereinigung feierten: „Sie wissen gar nicht, wie wertvoll Sie sind.“ Verschiedenste lokale Projekte profitierten in der Vergangenheit von der Hilfe der Soroptimistinnen. So beispielsweise auch der Jugendtreff Fischbacherberg, der mit dem Erlös aus dem Festwochenende bedacht werden soll. Zusammenfassung Reul: „Ohne Ehrenamt würde vieles nicht funktionieren. Sie sorgen dafür, dass der Zusammenhalt in der Gesellschaft funktioniert.“

Und zu dieser Gesellschaft gehören zweifelsohne auch Polizisten und Einsatzkräfte, die er, Reul, mehr schützen wolle, als das vor seiner Amtszeit als Minister der Fall gewesen sei: „Da wurden Gesetze gemacht, um Polizisten zu kontrollieren.“ Doch Polizisten seien diejenigen, die für Sicherheit sorgten. Diese sei laut Statistik zwar so hoch wie lange nicht mehr, aber: „Das Gefühl der Menschen ist ein anderes.“

NRW-Innenminister möchte die Polizisten unterstützen

Folglich sei es wichtig, dafür zu sorgen, dass Polizisten optimal ihren Job machen könnten. Neben neuester Technologie sowohl bei der Ausrüstung als auch in Fragen der Ermittlungstechnik sei aber auch die Gesellschaft selbst gefragt. „Wenn jemand ein Knöllchen bekommt, sucht er nach tausend Ausreden, warum er gerade falsch geparkt hat oder zu schnell gefahren ist.“ Dann werde mit den Beamten diskutiert, was die von ihren wirklich wichtigen Tätigkeiten abhalte. „Jeder meint, er hätte immer Recht“, echauffierte sich der Innenminister: „Kann man aber solch eine Strafe auch einfach mal akzeptieren?“ Der Zusammenhalt in der Gesellschaft basiere auf Regeln und Gesetzen. Was sei also falsch daran, wenn Behörden diese Gesetze durchsetzten? Ob die Gesetze alle richtig seien, das müsse doch anderswo diskutiert werden.

Statt auf die Beamten oder Feuerwehrleute verbal oder – noch schlimmer – physisch einzuprügeln, sei es an der Zeit, auch einmal ein Lob auszusprechen: „Ich werde auch gerne schon mal gelobt, auch wenn ich das nicht zugebe. Und wer gelobt wird, der arbeitet auch dreimal so gut.“ Eine einfache Gleichung, auf die der Christdemokrat gleich noch einen draufsetzte: „Was ist das eigentlich für eine merkwürdige Gesellschaft“, wo für den Schutz von Störchen eine Welle gemacht werde, für Polizisten aber nicht.

Herbert Reul ging auf den durch ihn geprägten Begriff der „Null-Toleranz-Strategie“ ein, für den er vielfach angefeindet worden sei. Dabei stelle er sich darunter lediglich vor, dass jeder vor dem Gesetz gleich behandelt werde und dass das Gesetz auch umgesetzt werde.

Herbert Reul möchte organisierte Kriminialität bekämpfen

Ein Beispiel: Bislang hätten Polizisten grundlos keine Lieferwagen anhalten dürfen, um hineinzuschauen. Wenn man aber doch wisse, dass einer der Rückzugsräume für diese organisierten Leute Holland ist, müsse die Polizei auf der A 57 doch handeln dürfen: „Klar, es gibt Leute, die mit solch einem Auto umziehen. Es sind aber auch Leute dabei, die bei anderen ausziehen.“ Reul, mit festem Stand und mit den Händen auf das Rednerpult gestützt, erntete einige Lacher, um gleich darauf noch einen draufzusetzen: Die Polizei habe in Köln die Fahrzeuge von Rockerbanden kontrolliert. Das Ergebnis: „Die transportieren Gewehre mitten durch Köln. Ich finde das nicht ganz normal, denn wo ist da mitten in Köln das Reh?“

All das sei harte Arbeit, die auf vielen kleinen Bausteinen beruhe, so wie bei der ehrenamtlichen Arbeit der Soroptimistinnen auch. Doch nur diese vielen kleinen Bausteine machten das Land auf Dauer sicherer.

Nächstes Beispiel: die Bekämpfung von Clans. Auch hier müsse „Null Toleranz“ gelten. Mittlerweile nehme man bei Razzien („Die wissen nie, wann die nächste kommt. Das muss die richtig nerven.“) sämtliche zuständigen Behörden mit, so dass neben der Polizei auch Ordnungsämter, das Finanzamt, das Gesundheitsamt und der Zoll vor der Tür stünden. „Wir sorgen damit dafür, dass der Lernprozess dieser Leute beschleunigt wird.“

In Köln habe er sich zunächst gewundert, warum die Polizei im Umfeld einer solchen Razzia dann auch noch alle Radarwagen in der Stadt habe postieren wollen. Aber die Argumentation habe dann auch ihm eingeleuchtet: „Wenn diese ganzen starken Kerle schon so richtig genervt von unserer Razzia sind, dann fahren sie mit ihren schnellen Autos los.“ Und dieser Plan sei aufgegangen: „Wir haben dann viele kleine, schöne Fotos gemacht.“

Reul erntete für seinen kurzweiligen Vortrag viel Beifall von den rund 100 Festgästen. Zuvor hatten auch Landrat Andreas Müller, der stellvertretende Bürgermeister Jens Kamieth sowie Dr. Ursula Blanchebarbe als Präsidentin der Siegener Soroptimistinnen Grußworte gehalten, gefolgt von Renate Tewaag, die ab kommender Woche der Organisation deutschlandweit vorstehen wird. Sie hatte Reul dazu aufgefordert, doch auch der Initiative „He for She“ beizutreten, die bereits von Bundesinnenminister Heiko Maas unterstützt werde. Auch dazu hatte Herbert Reul anschließend noch eine Antwort parat: „Ich habe drei Töchter zuhause. Glauben Sie also mal ja, dass das Thema bei uns zuhause angekommen ist.“

Autor:

Jan Krumnow (Redakteur) aus Siegen

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