SZ

DLRG, Vereine und Schwimmschulen in Sorge
Viele Nichtschwimmer durch Corona

Margit Müller hat 2008 „Die Schwimmschule“ in Siegen eröffnet. Im ersten Lockdown musste sie bereits 100 Tage den Betrieb einstellen, seit November sind es bisher schon
weitere 113 Tage, in denen sie Kindern das Schwimmen nicht beibringen darf.
  • Margit Müller hat 2008 „Die Schwimmschule“ in Siegen eröffnet. Im ersten Lockdown musste sie bereits 100 Tage den Betrieb einstellen, seit November sind es bisher schon
    weitere 113 Tage, in denen sie Kindern das Schwimmen nicht beibringen darf.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

tile Siegen/Dahlbruch. Seit gut einem Jahr liegt die Schwimmausbildung bei einem Großteil der Ortsvereine der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) brach. Die Zahl der Nichtschwimmer in Deutschland nahm bereits vor Corona stetig zu, aufgrund der Pandemie wird sie wohl noch schneller steigen. Mehr als die Hälfte der Deutschen schwimmen laut DLRG unsicher oder können es gar nicht. Bei den Zehnjährigen sind es sogar 60 Prozent. „Im Endeffekt wird es soweit kommen, dass man von einer verlorenen Generation sprechen wird“, fürchtet Winfried Herbig, Vorsitzender des DLRG-Bezirks Siegen-Wittgenstein. „Es wird eine Menge junger Leute geben, die nicht schwimmen können werden – das wird zu großen Problemen an den Gewässern führen“, warnt er.

tile Siegen/Dahlbruch. Seit gut einem Jahr liegt die Schwimmausbildung bei einem Großteil der Ortsvereine der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) brach. Die Zahl der Nichtschwimmer in Deutschland nahm bereits vor Corona stetig zu, aufgrund der Pandemie wird sie wohl noch schneller steigen. Mehr als die Hälfte der Deutschen schwimmen laut DLRG unsicher oder können es gar nicht. Bei den Zehnjährigen sind es sogar 60 Prozent. „Im Endeffekt wird es soweit kommen, dass man von einer verlorenen Generation sprechen wird“, fürchtet Winfried Herbig, Vorsitzender des DLRG-Bezirks Siegen-Wittgenstein. „Es wird eine Menge junger Leute geben, die nicht schwimmen können werden – das wird zu großen Problemen an den Gewässern führen“, warnt er.

Kinder unter sieben Jahren fangen wieder bei Null an

Bereits im ersten Lockdown von März bis zu den Sommerferien konnte die hohe Nachfrage nach Schwimmkursen von DLRG, Vereinen und Schwimmschulen nicht bedient werden, auch der Schwimmunterricht in den Schulen musste ausgesetzt werden (die SZ berichtete).

Der Anteil der Nichtschwimmer steigt stetig

Nun sind die Hallenbäder seit 2. November erneut geschlossen. „Schon jetzt haben wir zwei verlorene Jahrgänge“, sagt Jan Strackbein, technischer Leiter der DLRG-Ortsgruppe Kreuztal und Vorsitzender der Schwimmgemeinschaft „Wellenbrecher“ in Dahlbruch. „Alle unter sieben Jahren fangen wieder bei Null an!“

"Wellenbrecher" blicken sorgenvoll in die Zeit nach Corona

In den Kursen der SG lernen sonst zwischen 30 und 50 Kinder pro Durchlauf betreut von vier Trainern das Schwimmen. „Die Wartelisten waren schon vor der Krise lang. Jetzt wird es Jahre dauern, das wieder aufzuholen – wenn überhaupt.“ Ob die „Wellenbrecher“ nach dem Lockdown wieder voll durchstarten können, ist ungewiss. Von den 13 Trainern werden wohl drei nicht mehr zur Verfügung stehen. Fraglich sei auch, ob die Kinder tatsächlich wieder alle zurückkämen. Es habe eine „schleichende Entwöhnung“ eingesetzt, viele Familien hätten ihre Freizeit neu organisiert.
Die Jüngsten treffe es sicher am härtesten, meint Jan Strackbein. Aber auch im Leistungsbereich hinterlasse der Trainingsausfall deutlich Spuren. Die 16- bis 18-Jährigen verlieren ihre Wettkampffähigkeit, u. a. weil die entsprechenden Muskelgruppen nicht mehr trainiert werden. „Wir werden die Scherben aufkehren und schauen, was geht.“

Für "Die Schwimmschule" in Siegen wird es eng

Einen Scherbenhaufen fürchtet auch Margit Müller. 2008 hat sie „Die Schwimmschule“ in Siegen eröffnet. Inzwischen arbeitet auch ihre 23-jährige Tochter Lena Beyer mit. Im ersten Lockdown musste sie den Betrieb genau 100 Tage einstellen. Ihre Pläne, auch in Hilchenbach Kurse anzubieten, legte sie damals auf Eis. Nun sind es sogar schon 113 Tage, in denen sie seit November Kindern das Schwimmen nicht beibringen darf. Die November- und Dezemberhilfe halte sie gerade noch über Wasser. Die anderen Überbrückungshilfen kommen für sie nicht infrage, laufende Kosten wie Miete, Versicherungen etc. laufen aber weiter. Lange hält Margit Müller nicht mehr durch: „Es wird enger, es gibt keine Rücklagen mehr.“
Ihre Sorge gilt aber insbesondere ihren jungen Schützlingen. Ein ganzer Geburtenjahrgang verpasse die Wassergewöhnung in den Kursen für Babys und Kleinkinder. Dadurch wachse generell die Angst vor dem Wasser, während sich die Fähigkeit, sich gut im Wasser zu bewegen, kaum ausbilden könne. Die Schwimmlehrerin merkt schnell, welche Kinder in ihren zweiwöchigen Intensivkursen (ab vier Jahren) bereits Wassererfahrung haben und welche nicht.

"Schwimmen kann man auch wieder ,vergessen'"

„Schwimmen kann man auch wieder ,vergessen’“, fährt die ausgebildete Rettungsschwimmerin mit Zusatzqualifikationen fort. Umso tragischer sei es, dass die Hallenbäder geschlossen hätten. „Kinder, die das Schwimmen gerade gelernt haben, aber im Lockdown nicht regelmäßig im Wasser sein können, bleiben später auf der Strecke.“ Darum hofft Margit Müller auf ein baldiges Ende des Lockdowns. Über die verlorene Zeit aber sagt sie: „Das hole ich nie wieder auf!“ Vermutlich auch viele Kinder nicht.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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