Viele positive Ecken in der City

 Das mehrteilige Häuserensemble oberhalb des Krönchen-Centers gefällt den Stadtgestaltern der Verwaltung besonders gut.
  • Das mehrteilige Häuserensemble oberhalb des Krönchen-Centers gefällt den Stadtgestaltern der Verwaltung besonders gut.
  • hochgeladen von Archiv-Artikel Siegener Zeitung

mir - Was gehört typischerweise zum Erscheinungsbild der Siegener Innenstadt? Die schlichten Putzfassaden der Geschäftshäuser aus den Nachkriegsjahren oder doch lieber die heimeligen Gassen der Altstadt mit den Schieferhäuschen? Beides. Das jedenfalls lässt der Entwurf einer Erhaltungs- und Gestaltungssatzung für Siegen-Mitte zu, der nach dreijähriger, akribischer Detailarbeit jetzt den politischen Gremien vorliegt.

Ein dickes Bündel an Informationen, beinahe 120 Seiten stark. Über 1000 Objekte wurden erfasst, übereinstimmende Merkmale ermittelt, Erhebungsbögen und Stellungnahmen analysiert und vieles mehr. Im Herbst vergangenen Jahres bereits war der Entwurf der Öffentlichkeit im Forum Innenstadt vorgestellt worden.

Warum das alles? Die Gestaltungssatzung ist ein wesentlicher Teil der Stadtbildoffensive. Mit dem Ziel, städtebauliche Eigenarten zu erhalten und langfristig negative Einflüsse im Stadtbild zu vermeiden oder wenigstens zu minimieren. Oder anders formuliert: „Siegen verfügt über eine homogene, ansprechende Wiederaufbauarchitektur, welche durch Sanierungs- und Umbauarbeiten, aber auch insbesondere durch Außenwerbung zunehmend verfälscht wird“, wie es Stadtbaurat Michael Stojan in dem Papier treffend ausdrückt. Drei Teilziele sind benannt worden: 1. Erhalt und Förderung historischer Bezüge; 2. Betonung prägender Gestaltungsmerkmale; 3. Reduzierung von störenden Einflüssen.

Die prägenden Pluspunkte sind klar benannt: bewegte Topografie, gut erhaltener mittelalterlicher Stadtgrundriss, typische schlichte Putzfassaden des Wiederaufbaus, durchgängig regionale Baumaterialien verwendet, etwa der dunkle Tonschiefer. Aber auch geschlossene Dachlandschaften werden als besonders erhaltenswert bezeichnet. Etwa zwischen Kölner Tor und Reichwalds Ecke oder in der Oberstadt am Kornmarkt. Genau dieses Stadtbild sollte erhalten und gefördert werden. Wichtig zu wissen: Nur die Merkmale, die an über 50 Prozent der Innenstadt-Gebäude festgestellt wurden, können in der Satzung als prägende Elemente definiert werden. Und: Es gilt der Bestandsschutz, die künftige Satzung greift also nur bei Neu- oder Umbauten. Leider auch bei störenden Dingen, beispielsweise blinkender Werbung.

Noch ein Charakteristikum: City-Galerie und Bahnhof sind von der Satzung ausgenommen. Warum? Die Werbung an der Einkaufs-Mall und am Sieg-Carré wird durch eigene Bauvorschriften geregelt. Und auf die Flächen der Deutschen Bahn hat die Kommune mit einer solchen Ortssatzung kein Zugriffsrecht. Nicht enthalten sind auch Oberes und Unteres Schloss als Baudenkmäler. Ebenso die Wohnhäuser nördlich der Altstadt, „ihre bauliche Substanz begründet keinen zwanghaften Erhalt“, meint die Stadtverwaltung.

Zwingend erhalten werden sollen etwa die historischen Baufluchten gemäß des mittelalterlichen Stadtgrundrisses, etwa am Kornmarkt. Gleiche gilt für prägende Gestaltungsmerkmale, zum Beispiel die Arkadengänge in der Oberstadt oder die regionaltypischen Schieferverkleidungen in der Altstadt. Aber auch die Putzfassaden aus der Wiederaufbauzeit, die Sgraffito/Fenstergitter in der Oberstadt oder die stehenden Dachgauben in der Sandstraße fallen darunter. Durch die Satzung geschützt werden sollen außerdem die klar strukturierten Lochfassaden, beispielhaft genannt seien die schmalen Geschäftshäuser in geschlossener Bauweise oberhalb des Krönchen-Centers.

Klare Definitionen nimmt die Satzung auch für Fenster und Türen vor, gewölbtes oder gefärbtes Glas ist nicht erlaubt. Schaufensterfronten dürfen sich nicht über die gesamte Gebäudefront erstrecken. Bestimmte Baumaterialien werden künftig unzulässig sein: glänzende Fassadenelemente, Spiegelglas und Glasbausteine, Blockhauselemente, Fachwerkimitation, glänzende Metallverkleidungen, Waschbeton, Backstein, Klinker, Fliesen und glänzende Anstriche.

Sicht- und Sonnenschutz, ein wichtiges Thema: Fenster und Schaufenster dürfen beklebt werden, eine hochwertige Gestaltung bei leerstehenden Ladenlokalen sei „wünschenswert“, heißt es weiter. Auch für die Dächer und deren Eindeckung gibt es präzise Vorgaben, alles in dezenten Farben. Speziell die steilen Schieferdächer sieht man als Markenzeichen. Die dunkle Dachlandschaft am Siegberg gilt gemeinhin als harmonisch, speziell vom Häusling aus gesehen.

Außenwerbung, ein heikles Thema: Werbung sollte Straßenzüge nicht dominieren, sondern sich in das städtische Gesamtgefüge einordnen, fordert die Stadt. Eine Grundregel: An einem Gebäude bzw. Grundstück sollte nur für Dienstleistungen geworben werden dürfen, die sich auch an dieser Stelle befinden. An anderer Stelle heißt es: „Pro Gebäude darf die Anzahl von acht Werbeanlagen nicht überschritten werden.“ Falls ein Gebäude zu einem einzigen Werbeträger mutiere, sei das ausgewogene Maß zwischen Gestaltung und wirtschaftlicher Nutzung einer Immobilie überschritten. Sehr auffällige und großformatige Außenwerbungen will man untersagen. Automaten, egal ob für Zigaretten oder Kondome, sollten möglichst dezent in das Stadtbild integriert werden. Gebäude bei Nacht illuminieren, ein großes Thema seit ein paar Jahren. Auch da will die Stadt Siegen Vorsorge treffen. Weiße oder gelbliche Beleuchtung mit einem niedrigen Blauanteil werden empfohlen. Warum? „Ein hoher Blauanteil stört die Navigation von nachtaktiven Insekten und Vögeln“, haben die Verfasser der Satzung festgestellt. So sei eine hinterleuchtete Glasfassade – Parkhaus Morleystraße – „als Unikat eine Bereicherung, als Konkurrenz von nebeneinander befindlichen Gebäuden nicht gewollt“.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.