Viele schöne Erinnerungen

Siegfried Fietz (M.) ist zum ersten Mal mit Clemens Bittlinger (r.) und Manfred Siebald gemeinsam auf der Bühne. Foto: mick
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mick Siegen. „Das ist schon was, nach so vielen Jahren wieder im Siegerland“, ruft Siegfried Fietz von der Bühne. Im Publikum entdeckt er viele alte Bekannte aus den Tagen des „Offenen Singens“, aus Düsseldorf und anderen Orten, auch aus Hessen sind viele gekommen. Kein Wunder, denn dort ist inzwischen sein Zuhause, wie auch das seiner beiden Mitstreiter. Schon vor zwei Jahren wurde sie geplant, diese „Nacht der Lieder“, mit Fietz, Clemens Bittlinger und Manfred Siebald, den drei wohl bekanntesten Liedermachern im kirchlichen Bereich. „Einfach schön, diese ganzen ,Nasen‘ einmal wieder zu sehen“, bringt Siebald die Gefühle des Abends auf den Punkt. Die drei kennen sich schon ewig, aber in dieser Form gemeinsam auf Tour waren sie noch nie. „Das ist auch eine einmalige Sache, eine Wiederholung wird es kaum geben“, so Hans-Martin Wahler vom veranstaltenden Gospel-Network. Zu eng sei der Kalender der drei, die schon bis ins Jahr 2013 planten.

Dafür wird der Abend im Leonhard-Gläser-Saal zum Happening. Nicht nur die Sänger und ihre Musiker sind seit vielen Jahren auf dem gleichen Weg unterwegs, auch Wahler ist ein alter Freund, die meisten im Publikum ebenso. In der Vorbereitung habe sich der allererste Drummer von Fietz gemeldet, sagt Wahler, seit 1975 habe er von dem nichts mehr gehört: „Und hinter der Bühne ist einer dabei, der mit Siegfried auf der Berufsschule war.“

So persönlich wie diese Beziehungen, sind auch die Lieder der drei. Clemens Bittlinger macht den Anfang, der Jüngste. Er singt vom „Menschenkino“ und den „Hab Seligkeiten“, die auch den Titel seiner aktuellen CD bilden. Er erzählt vom Schlaganfall seiner Mutter und lässt ein Lied aus der Sichtweise eines derart betroffenen Menschen erzählen, von Behinderten, die in der Malerei ihr Glück finden. Zum Schluss bittet er seine Musiker zum Instrumental, beide auch seit vielen Jahren in der Szene bekannt, Percussionist Helmut Kandert und Pianist David Plüss, in dessen Schweizer Heimat die Kurz-Tournee am Freitag begonnen hat. Samstag sind sie in Schwäbisch Gmünd aufgetreten und am Sonntagmorgen noch im hessischen Bensheim. Mit dem gleichen Programm? „Nein, ein bisschen anders, nie immer das Gleiche“, versichert Fietz.

„Wir sind wieder auf Tour“, beginnt Fietz seinen Auftritt, nicht nur durch den Country-Sound an Willie Nelson erinnernd. Er bringt mehr Pathos in den Saal, der lange nicht mehr so gut besetzt war, seine Emotionalität ist lauter, kraftvoller. Begleitet von Gerhard Barth verkündet er einen „kleinen Urlaub für die Seele“ und stellt zufrieden fest: „Wir sind mitten auf dem Wege.“ Fietz hat auch zwei „Special Guests“ mitgebracht. Die Burbacherin Angelika Marsch ist Missionsleiterin der Organisation „Wycliff“, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die Bibel in alle Sprachen der Welt zu übertragen. Marsch war einige Jahre bei den Ketschua-Indianern, singt eines ihrer Lieder. Und dann holt er, kaum eine Überraschung, Jan Vering auf die Bühne, „der meine Lieder seit Jahren aus vollem Herzen hier in Siegen singt“. Gemeinsam und ungeprobt singen sie „Ich hatte einen Traum“, und Fietz ist tief ergriffen, dass seine Musik regelmäßig im Apollo-Theater aufgeführt wird. „Wir sind vor vielen Jahren angetreten, um die christliche Popmusik auf eine Ebene mit der anderen zu heben. Das haben wir geschafft.“

Der letzte ist Manfred Siebald, der „klassische“ Liedermacher, ähnlich wie Bittlinger, aber präziser in den Worten, der „kleine Hausphilosoph“ dieses Trios. Er sitzt auf der fast völlig dunklen Bühne, spielt Gitarre und erzählt kleine Geschichten aus dem Alltag. „Schön, dich wiederzusehen“, begrüßt er die Leute, singt von Gottesgeschenken und vom Herrn, der jedem die Tür öffnet. Das kleine Glück ist ebenso Thema wie die verlorene große Liebe des Lebens, die auch nach Jahren noch eine offene Wunde ist. Immer stärker wird das Bekenntnis zu Gott, der Ausdruck des tiefen Glaubens, und in den Augen des Amerikanistik-Professors sind die Flammen jener vielen Lagerfeuer zu ahnen, an denen er schon gesungen haben muss.Zum Schluss sind die „drei Mus(i)ketiere der christlichen Popmusik“ gemeinsam auf der Bühne, geben dem begeisterten Publikum ein „Sei behütet“ mit, und natürlich darf auch „Von guten Mächten“ nicht fehlen. Dann ist dieser besondere Abend zu Ende, und alle gehen mit einem ganz eigenen Gefühl nach Haus. Und auch mit ein wenig Hoffnung, dass es vielleicht doch eine „Reunion“ gibt. „In drei Jahren“, hat Clemens Bittlinger spontan ausgerufen. Vielleicht?!

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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