„Vielfältige Einheit“ als Ziel benannt

mir Siegen. Stell’ Dir vor, es ist Wahl, aber keiner weiß es. Das könnte am 7. Februar passieren, wenn der Integrationsrat neu gewählt wird. Seit fünf Jahren gibt es das Gremium in Siegen, 14 Mitglieder hat es, darunter elf türkischsprachige Menschen. Mit der Wahl am 7. Februar soll sich das ändern, sagt die „Internationale Liste“.

Gestern stellte die Gruppe um Pilar Mesa Navarro (Spanien), Dr. Ursula Glagau-Gloor (Schweiz) und Florence Tsague Assopgoum (Kamerun) sich selbst vor, zuvorderst aber die angepeilten Ziele. Deutsche sind unter den 15 Kandidaten auch dabei, nämlich Alexander Sorice und Frank Wilmes. Daneben Männer und Frauen aus Italien, Schweden, Indonesien, Russland, Ukraine und Bulgarien. Nicht zu vergessen Alfonso Lopez Garcia (Spanien), der in den 80er Jahren den Ausländerbeirat mit Leben füllte. Auf der Liste taucht er im hinteren Drittel auf, aktiv mitwirken will er als Mittler zwischen den Generationen.

Zehn Jahre gibt es die „Internationale Liste“. Sie fühlt sich gefestigt, ja sogar ein wenig strukturiert. Ein regelrechtes Wahlprogramm haben die Aktiven erarbeitet. Voran mit einem allseits verbindenden Slogan, an dem ziemlich lange gefeilt worden ist: „Wir kommen aus verschiedenen Kulturen und bilden eine vielfältige Einheit in Siegen.“ An erster Stelle die „vielfältige Einheit“ ist der Gruppe ein wichtiges Detail. Man will voneinander lernen, sich akzeptieren, miteinander leben. Rat, Verwaltung und Integrationsrat, dieses Dreieck muss nach Ansicht von Garcia funktionieren. Reibungslos.

Für den in Deutschland gealterten Spanier ist die Seniorenarbeit ganz wichtig geworden: „Nichtdeutsche nehmen die Altenangebote zu wenig wahr. Vielleicht auch, weil sie nicht auf das Altwerden in Deutschland vorbereitet sind und eigentlich in ihre Heimatländer zurückkehren wollten.“ Es gebe Informationsdefizite, an denen gearbeitet werden müsse. Erste Ansätze für ein interkulturelles Seniorennetzwerk seien da. Fragen und Aufgaben gebe es genug. Etwa die „kultursensible Altenpflege“. Soll heißen, weiß eine deutsche Pflegekraft überhaupt, wie sie körperlich mit einem Muslim umgehen kann bzw. soll? Dazu Pilar Mesa Navarro: „Bei meinen Eltern hat das schon nicht geklappt. Und wir sind nur Spanier.“

Chancengleichheit im Beruf, in der Ausbildung und vorher in der Schule, auch da muss sich nach Ansicht der „Internationalen Liste“ einiges tun. Die Kinder der dritten Generation sprächen schlechter deutsch, für Navarro ganz klar ein wichtiges Aufgabengebiet der nächsten Jahre. Die Sprachförderung müsse gezielt forciert werden: „Man kann doch nicht die Kinder in den Schrank stellen, sie müssen voll in das Leben eingebunden werden.“Ein weiterer Aspekt: Es fehlen Räume für ausländische Gruppen. Und Fördergelder, damit sich solche Gruppen auch tatsächlich entfalten können. Nur so könnten Menschen aus anderen Kontinenten ihre eigene Kultur pflegen und bewahren, meint Florence Tsague Assopgoum. Aus der Vergangenheit weiß Alfonso Lopez Garcia: „Von der Stadt hat es dafür bisher keinen Groschen gegeben.“ Bürgerhäuser könnten das Raumproblem der ausländischen Gruppen lösen, aber die Mieten sind ein Problem. Und die Belegung mit Vereinen und sonstigen Gruppen.Noch ein Thema mit Tiefgang: Toleranz, gepaart mit friedlichem Zusammenleben. Vor einigen Jahren hatte Garcia in einem Hauptschulprojekt dafür geworden, ist als „der Mann mit dem Koffer“ aufgetreten und hat erzählt, was er bei seiner persönlichen Ankunft in Deutschland erlebt hat.Pflege der Kulturen, auch da gibt es Handlungsbedarf. Einen Stammtisch hat es schon einmal gegeben, der müsste aktiviert werden, sagt die „Internationale Liste“. Navarro: „Wir bräuchten in der Verwaltung jemanden, der sich der vielen ausländischen Vereine und Menschen annimmt.“ Bei 130 Nationalitäten in Siegen ein breites Aufgabengebiet. Die Türken stellen darunter keineswegs die Mehrheit, sie addieren sich auf 28 Prozent. Serben und Montenegriner kommen auf 13 Prozent, Italiener immerhin noch auf 7 Prozent und die Spanier auf 3,7 Prozent Bevölkerungsanteil. Auf den Plätzen folgen Kroaten, Polen und Chinesen.Platz 1 der Kandidatenliste für die Wahl zum Integrationsrat nimmt die „Internationale Liste mit 15 Bewerbern ein, Platz hat die Türkisch-Islamische Union mit 12 Leuten. Auf Rang 3 wird Einzelbewerber Aydin Veli geführt, Platz 4 hat die Alevitische Gemeinde (sechs Namen) inne. Auf Platz 5 steht Einzelbewerber Muhammed Emin Saglik, Rang 6 hat die Migranten-Union Siegen (10 Nennungen. Auf Platz 7 kommt Emetullah Hokkaömeroglu.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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