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Mehrere Missbrauchsfälle
Vier Jahre Haft für Kinderschänder

Das Landgericht verurteilte einen Pädophilen zu vier Jahren Haft.
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juka Siegen. Mit versteinerter Miene folgte Claus K. am Dienstag den Ausführungen von Richterin Sabine Metz-Horst, nach der Urteilsverkündigung blickte der 37-Jährige sogar mit einem Lächeln zu seiner Verteidigerin herüber.

Zu einer F

juka Siegen. Mit versteinerter Miene folgte Claus K. am Dienstag den Ausführungen von Richterin Sabine Metz-Horst, nach der Urteilsverkündigung blickte der 37-Jährige sogar mit einem Lächeln zu seiner Verteidigerin herüber.

Zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und der Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik hat das Landgericht den Siegener verurteilt.

Die Kammer sah es dabei als erwiesen an, dass sich K. an zwei Kindern im Alter von 13 Jahren vergangenen hat, auch an den Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen in mehreren Fällen und des Besitzes und der Erstellung von Kinderpornografie ließ die Kammer keinen Zweifel aufkommen. Allerdings habe die von Gutachter Dr. Bernd Roggenwallner erkannte Pädophilie zu einer verminderte Steuerungs- und somit auch Schuldfähigkeit geführt, erklärte Richterin Sabine Metz-Horst.

Einweisung in psychiatrische Einrichtung gewünscht

Die Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung hatte sich der Angeklagte selbst gewünscht. „Das haben wir in diesem Zusammenhang noch nie gehört“, erklärte die Richterin.

Zugute habe man dem Angeklagten auch gehalten, dass er nachvollziehbar den Versuch unternommen habe, alle Vorkommnisse auf den Tisch zu legen. Die lange Prozessdauer habe zudem zu einem Denkanstoß geführt, K. habe sich auch mit den Folgen für die Opfer auseinandergesetzt, meint das Gericht. „Die Kammer glaubt ihm, dass er sich ändern möchte“, so Metz-Horst. Auch die öffentliche Berichterstattung habe man berücksichtigt, erklärte die Richterin. Auch, dass die Kinder „schon“ 13 Jahre alt gewesen seien, hätte man mit einfließen lassen müssen.

"Die Kammer glaubt ihm,
dass er sich ändern möchte.
Die lange Prozessdauer hat bei ihm
zu einem Denkanstoß geführt."

Sabine Metz-Horst
Richterin am Landgericht

Eine wichtige Rolle habe das Gutachten von Bernd Roggenwallner gespielt, betonte Metz-Horst. Dieser hatte ausgeführt, dem Angeklagten sei es immer mehr um die sexuellen Handlungen an sich gegangen, nicht um die Person. „Die Wiederholungsgefahr ist groß. Weitere Taten sind sogar naheliegend“, formulierte es der Facharzt für Neurologie und Psychiatrie während des Prozesses klar und stellte K. so keine gute Prognose aus. Auch wenn die Erfolgswahrscheinlichkeit einer Therapie besonders in einem solchen Fall nur schwierig zu bewerten sei, hat Metz-Horst Hoffnung. „Sie liefern die Voraussetzungen, dass es erfolgreich sein kann“, erklärte die Vorsitzende zum Angeklagten gewandt.

Auf Therapie einlassen

Er sei bereit, sich auf eine Therapie einzulassen und mitzuarbeiten. Während der Verhandlung hatte K. betont, dass er gerne lernen würde, die Gedanken und Fantasien zu unterdrücken, nicht durchkommen zu lassen. „Aber dafür brauche ich Hilfe“, hatte der 37-Jährige betont.

Gutachter erkennt Pädophilie beim Angeklagten

In den vielen Stunden und Tagen, die das Landgericht den Fall in den vergangenen Wochen verhandelte, ging es in großen Teilen aber um die von schlimmen Missbräuchen und Fantasien mit Kindern durchzogene Biographie des 37-Jährigen. Im Alter von nur zehn Jahren wurde K. von seinem vier Jahren älteren Bruder über eine längere Zeit hinweg immer wieder missbraucht, ehe er sich selbst drei Jahre später an sechs- und siebenjährigen Kindern verging. Es folgten Psychiatrie-Aufenthalte in Herborn und Viersen - offenbar ohne den gewünschten Effekt.

Fantasien betreffen immer jüngere Kinder

Nach der Rückkehr begann der Angeklagte nach eigenen Angaben damit, Nacktfotos von Kindern aus dem Internet zu speichern. Bewusst danach gesucht haben will K. aber nie. Mit 17 Jahren nahm K. das erste Mal den Dienst von Prostituierten in Anspruch, bezahlte auch in der Folge immer wieder für Sex. Auch Personen im jugendlichen Alter. 2008 wollte der Angeklagte beispielsweise einem 14-Jährigen Geld für Handlungen bezahlen, wurde dabei aber Opfer eines Überfalls. Vorbestraft ist K. gleich doppelt, 2010 wegen des Missbrauchs von Jugendlichen in zwei Fällen und dem Besitz von Kinderpornografie, 2016 wegen des Besitzes von Kinder- und Jugendpornografie. Damals kam K. mit einer Bewährungs- sowie einer Geldstrafe davon.

Seitdem gab es laut Gutachter aber sogar eine Verdichtung der Vorkommnisse beim Angeklagten zu verzeichnen. Die Frequenz sei fast explodiert, die vollzogenen Handlungen kaum noch zu steigern. K. selbst räumte ein, dass seine Fantasien mittlerweile immer jüngere Kinder betreffen würde und er auch Treffen mit Kindern und Jugendlichen unter 14 Jahren wahrgenommen hätte, wenn es die Chance dazu gegeben hätte.

Autor:

Julian Kaiser aus Siegen

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