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Drei Jahre und neun Monate Haft für 28-Jährigen
Vierjährigen sexuell missbraucht

Das Vertrauen des Kindes wurde von dem Mann auf "perfide Weise" ausgenutzt, stellte die Staatsanwältin fest.
  • Das Vertrauen des Kindes wurde von dem Mann auf "perfide Weise" ausgenutzt, stellte die Staatsanwältin fest.
  • Foto: Pixabay
  • hochgeladen von Tim Lehmann (Redakteur)

tile Siegen. Zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilte gestern die 2. große Strafkammer am Landgericht Siegen einen 28-Jährigen wegen Missbrauchs eines Kindes sowie der Erstellung und des Besitzes kinderpornografischer Fotos und Videos. Dem Mann wurde vorgeworfen, einen damals Vierjährigen zwischen Sommer 2018 und Frühjahr 2019 zu sexuellen Handlungen überredet bzw. angeleitet zu haben; einen Fall davon wertete das Gericht als schweren Missbrauch. Dabei handele es sich juristisch um ein Verbrechen, weil es zu einer „beischlafähnlichen sexuellen Handlung“ gekommen war, die der einschlägig Vorbestrafte obendrein filmte.

Im Sommer 2018 lernte der Angeklagte an der Ostsee die Familie des Jungen aus Rahrbach (Gemeinde Kirchhundem) kennen.

tile Siegen. Zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilte gestern die 2. große Strafkammer am Landgericht Siegen einen 28-Jährigen wegen Missbrauchs eines Kindes sowie der Erstellung und des Besitzes kinderpornografischer Fotos und Videos. Dem Mann wurde vorgeworfen, einen damals Vierjährigen zwischen Sommer 2018 und Frühjahr 2019 zu sexuellen Handlungen überredet bzw. angeleitet zu haben; einen Fall davon wertete das Gericht als schweren Missbrauch. Dabei handele es sich juristisch um ein Verbrechen, weil es zu einer „beischlafähnlichen sexuellen Handlung“ gekommen war, die der einschlägig Vorbestrafte obendrein filmte.

Im Sommer 2018 lernte der Angeklagte an der Ostsee die Familie des Jungen aus Rahrbach (Gemeinde Kirchhundem) kennen. Ungebunden und ohne festen Wohnsitz nahm der gelernte Garten- und Landschaftsbauer die Einladung des Vaters an, mit ins Sauerland zu kommen. Dort lebte er mit den Eltern, ihrem leiblichen Sohn (dem Opfer) und drei Pflegekindern längere Zeit unter einem Dach. Zu den Kindern, insbesondere zu dem Vierjährigen, hatte er nach eigener und auch nach Aussage der Mutter eine enge Bindung. Im Umgang mit den Kindern sei ihr bei dem Hausgast aber nichts weiter aufgefallen, so die 38-Jährige.

Vertrauen auf "perfide Weise" ausgenutzt

Eines Abends habe der 28-Jährige das Vertrauen auf „perfide Weise“ ausgenutzt, wie Staatsanwältin Katharina Burchert in ihrem Plädoyer betonte. Er habe den Jungen mit Süßigkeiten und Handyspielen gefügig gemacht. Etwa 15 Minuten habe dieser erste Übergriff gedauert. „Das ist heftig“, ordnete die Vorsitzende Richterin Sabine Metz-Horst die Dauer ein. Auch beim zweiten Fall lockte der Angeklagte den Jungen mit Süßem, ehe es zu der verbrecherischen Handlung und der kurzen Filmaufnahme kam. Die weiteren bei ihm sichergestellten 53 Videos und sechs Bilder hatte er sich im Darknet besorgt. Über eine halbe Stunde lang mussten die Verfahrensbeteiligten die Filme und Fotos sichten.

Als Kind erfuhr der Angeklagte von seinen Eltern oft Gewalt, ein Nachbar machte ihn selbst zum Missbrauchsopfer. Bereits als Junge neigte er zu hoher Aggressivität. Mit zehn Jahren wurde er aus der Familie genommen – der Beginn einer Heimbiografie bis zur Volljährigkeit. Man diagnostizierte ADHS bei ihm, er wurde straffällig. Zwar beendete er erfolgreich eine Ausbildung, aber Therapien brach er ab oder verweigerte sie. Ein Ermittlungsverfahren wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs seiner Schwester wurde abgebrochen, zwei jüngere Mitbewohner einer Intensivgruppe für sexuell auffällige Jugendliche missbrauchte er später nachweislich in zwölf Fällen, in sieben davon schwer. Dafür wurde er zu einem Jahr und sechs Monaten verurteilt, die er nach Verstoß gegen die Bewährungsauflagen verbüßte.

Keine Pädophilie festzustellen

Die festgestellte dissoziale Persönlichkeitsstörung hatte keine Auswirkung auf das Strafmaß. Eine generelle Pädophilie oder den Hang zu Sex mit Kindern konnte der Gutachter nicht feststellen. Die Auswahl seiner Sexualpartner – auch erwachsene Männer und Frauen – sei dafür zu willkürlich, zudem fehle das „typische Opferprofil“. Das Gericht hielt dem 28-Jährigen sein Geständnis zugute, der damit dem heute Fünfjährigen nach eigener Aussage der Zeugenstand ersparen wollte. Unter Tränen entschuldigte sich der Angeklagte.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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