SZ

Kinderärzte im Corona-Jahr
Virus fegt die Wartezimmer leer

Auch die Kinderärzte Dr. Christoph Sondermann (l.) und Philipp Wolf aus der Koblenzer Straße in Siegen bestätigen die Beobachtungen des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. Allerdings sieht es in unserer Region nicht so dramatisch wie etwa in den Ballungsgebieten.
  • Auch die Kinderärzte Dr. Christoph Sondermann (l.) und Philipp Wolf aus der Koblenzer Straße in Siegen bestätigen die Beobachtungen des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. Allerdings sieht es in unserer Region nicht so dramatisch wie etwa in den Ballungsgebieten.
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  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

goeb Siegen. „Kinderärzte fürchten Pleitewelle“ – damit betitelte der Spiegel jetzt eine Untersuchung des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), bei der 1066 Niedergelassene zu ihren beruflichen Erfahrungen im „Corona-Jahr“ befragt worden waren. Das Ergebnis der Umfrage stimmt nachdenklich. Zwar ist deren ökonomische Situation in unserer Region nicht ganz so angespannt wie in den Ballungsräumen, weil im Großraum Siegen ein leichter Mangel an Kinderärzten herrscht, wie die Fachärzte Philipp Wolf und Dr. Christoph Sondermann im SZ-Gespräch betonen, die „Corona-Delle“ ist aber auch bei uns spürbar.

Laut BVKJ sieht über ein Drittel der befragten Ärzte die eigene wirtschaftliche Existenz bedroht, 52 Prozent erwägen Personalabbau, 84 Prozent Stundenreduktion.

goeb Siegen. „Kinderärzte fürchten Pleitewelle“ – damit betitelte der Spiegel jetzt eine Untersuchung des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), bei der 1066 Niedergelassene zu ihren beruflichen Erfahrungen im „Corona-Jahr“ befragt worden waren. Das Ergebnis der Umfrage stimmt nachdenklich. Zwar ist deren ökonomische Situation in unserer Region nicht ganz so angespannt wie in den Ballungsräumen, weil im Großraum Siegen ein leichter Mangel an Kinderärzten herrscht, wie die Fachärzte Philipp Wolf und Dr. Christoph Sondermann im SZ-Gespräch betonen, die „Corona-Delle“ ist aber auch bei uns spürbar.

Laut BVKJ sieht über ein Drittel der befragten Ärzte die eigene wirtschaftliche Existenz bedroht, 52 Prozent erwägen Personalabbau, 84 Prozent Stundenreduktion.
„Es fühlt sich zurzeit an wie im Hochsommer“, stellt Sondermann fest, der mit seinem Kollegen Wolf im April vergangenen Jahres die Praxis an der Koblenzer Straße 109 in Siegen (ehemals Schmidt/Dehne) übernommen hat. Dabei ist im Spätwinter in den Kinderarzt-Praxen eigentlich Hochsaison: Da säßen normalerweise viele Mütter oder Väter mit fiebrigen Kindern. Es würde gehustet und geschnieft – typische Erkältungssymptome sog. „banale Infekte“.

20 Prozent weniger Betrieb

Mindestens 20 Prozent weniger Betrieb zurzeit, so schätzen die Ärzte. Es ist auch deshalb auffällig ruhig, weil das das Kollegium die Besuche (mit Voranmeldung) zeitlich weitestgehend streckt, um Begegnungen im Wartezimmer zu reduzieren. Dass es weniger Infekte gibt, hat vor allem zwei Gründe: Zum einen haben Kinder- und Jugendliche in Corona-Zeiten viel weniger Kontakt untereinander und infizieren sich weniger, zum anderen drückt die „Maskierung“ die Infektionen massiv nach unten. So ist es bei den Erwachsenen ja auch.

„Tja, das sind schon viele Scheine weniger“, bestätigt auch der Geisweider Kollege Dr. Luc Del Piero, der eigentlich schon seit Kurzem im Rentenalter ist, als einziger Kinderarzt in Geisweid aber noch weitermachen will.

Glücklicherweise habe er für Zeiten, in denen Schmalhans Küchenmeister ist, etwas zurückgelegt: „Aber es gibt viele jüngere Kolleginnen und Kollegen, die möglicherweise Kredite aufgenommen haben und jetzt ins Schlingern kommen“, hat er im beruflichen Umfeld beobachtet. Auch Wolf und Sondermann wissen von Ärzten, die sich Sorgen machen. In ihrem Falle sorgt die Spezialisierung auf Diabetologie und Neuropädiatrie für einen gewissen Ausgleich.

Den Praxen bleiben Patienten vermutlich aber auch aus Angst vor Infektion fern. Vorsorgeuntersuchungen werden nach hinten geschoben, Impfungen ebenfalls.
Dabei sind die Schutzkonzepte der Kinderärzte gut. „Wir haben ein früheres Infektionszimmer übernommen mit separatem Eingang. Das kommt uns jetzt sehr zugute“, berichtet Christoph Sondermann. Luc Del Piero hat das Glück, eine große Praxis mit vier Behandlungszimmern zu betreiben. Del Piero appelliert an die Eltern, keine Angst zu haben, sich beim Kinderarzt zu melden, die Schutzkonzepte seien durchdacht. Auch Wolf und Sondermann bestätigen das: Regelmäßig testen sie sich und das medizinische Personal der Praxis auf Corona.

"Jugenduntersuchungen gehen zurück"

Die Kassenärztliche Vereinigung habe die Spanne für die Vorsorgeuntersuchungen zwar gestreckt. „Aber es ergibt wenig Sinn, eine Untersuchung, die für den dritten oder vierten Monat vorgesehen ist, im siebten Lebensmonat durchzuführen“, bemerkt der Geisweider Del Piero.

Philipp Wolf weist darauf hin, dass die Vorsorgeuntersuchungen bei Kleinkindern zwar meistens eingehalten würden, weil das auch sehr reglementiert sei. „Aber die Jugenduntersuchungen gehen schon zurück“, stellt er fest. Das Gesundheitsamt übernimmt üblicherweise die Schuleingangsuntersuchungen und weist Eltern auf fehlende Impfungen hin. Doch im vergangenen Jahr war das Personal sehr eingebunden in die Corona-Bekämpfung. Deshalb sehen die Kinderärzte jetzt vermehrt Sieben- bis Achtjährige, die diese Impfung nachholen müssen.

„Wir sind bis jetzt ganz gut durch die Krise gekommen“ resümiert Dr. Sondermann. Eine wirtschaftliche Delle gebe es zwar. Andere Berufe träfe es aber viel schlimmer. Auch Del Piero sieht es einigermaßen gelassen. Auch er glaubt, dass sich in diesem Jahr die Situation entspannen wird. Die Temperaturen steigen, mehr Menschen werden gegen Corona geimpft sein. Vielleicht werden die Wartezimmer im Herbst schon wieder voll sein – mit hustenden und schniefenden Kindern.

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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