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Trotz Borkenkäfer Nadelholz auch in Zukunft
Völlig überhitzter Holzmarkt wird abkühlen

Die Preisunterschiede zwischen Rund- und Schnittholz sind gravierend. Während die Waldeigentümer nach wie vor mit niedrigen Erlösen leben müssen, werden für die Produkte aus den Sägewerken weiterhin steigende Tarife gezahlt.
  • Die Preisunterschiede zwischen Rund- und Schnittholz sind gravierend. Während die Waldeigentümer nach wie vor mit niedrigen Erlösen leben müssen, werden für die Produkte aus den Sägewerken weiterhin steigende Tarife gezahlt.
  • Foto: Wald und Holz
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vö Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Der völlig überhitzte Holzmarkt, der aktuell zu einer dramatischen Knappheit von Baumaterial in Deutschland führt, wird sich beruhigen: Diese Überzeugung vertrat Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz Nordrhein-Westfalen, am Freitag bei einer Video-Pressekonferenz in Arnsberg: „Wir werden diese Verwerfungen gemeinsam überwinden. Es ist natürlich viel Aufregung im Spiel.“ Perspektivisch gehe er zwar von steigenden Preisen bei Rohstoffen aus, allerdings nicht mehr von den enormen Ausschlägen beim Schnittholz, wie das derzeit der Fall sei.

Wiebe legte Wert auf die Feststellung, dass man zwischen Rundholz (im Wald) und dem Schnittholz (im Sägewerk) deutlich unterscheiden müsse.

Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Der völlig überhitzte Holzmarkt, der aktuell zu einer dramatischen Knappheit von Baumaterial in Deutschland führt, wird sich beruhigen: Diese Überzeugung vertrat Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz Nordrhein-Westfalen, am Freitag bei einer Video-Pressekonferenz in Arnsberg: „Wir werden diese Verwerfungen gemeinsam überwinden. Es ist natürlich viel Aufregung im Spiel.“ Perspektivisch gehe er zwar von steigenden Preisen bei Rohstoffen aus, allerdings nicht mehr von den enormen Ausschlägen beim Schnittholz, wie das derzeit der Fall sei.

Wiebe legte Wert auf die Feststellung, dass man zwischen Rundholz (im Wald) und dem Schnittholz (im Sägewerk) deutlich unterscheiden müsse. Denn das erkläre den vermeintlichen Widerspruch, dass das Käferholz in riesigen Mengen in den Wäldern liege, während man Dachlatten beim Baustoffhandel derzeit nicht bekomme. Beim Rundholz gebe es nach wie vor „ein riesiges Angebot, das Preisniveau ist aber vergleichsweise niedrig“. Derzeit liege man im Vergleich zum Jahr 2015 bei etwa 60 Prozent dessen, was seinerzeit zu erlösen gewesen sei. Er könne Waldbesitzer allerdings nur davor warnen, frisches Käferholz liegen zu lassen und auf bessere Tarife zu spekulieren: Sei der Borkenkäfer einmal aktiv, müsse das Material heraus aus dem Wald.

"Wir werden auch in Zukunft Nadelholz brauchen,
daran besteht kein Zweifel."

Andreas Wiebe
Leiter Wald und Holz NRW

In Sachen Preisgestaltung gehe es „hinter der Säge anders zu“. Wie sich der Markt dort entwickele, darauf hätten die Waldbesitzer überhaupt keinen Einfluss: „Die Forstbetriebe können ihre Mengen gar nicht steuern, sie müssen das aufgearbeitete Holz aus den Wäldern bekommen.“

Exportmärkte anders entwickelt

Martin Schwarz vom Team Holzwirtschaft bei Wald und Holz NRW erklärte, dass der Eigenbedarf an Nadelholz in Deutschland über Jahre hinweg problemlos zu decken gewesen sei. Nur: „Die Exportmärkte haben sich ganz anders entwickelt.“ Während die Sägewerke – trotz Drei-Schicht-Betriebes – nur über begrenzte Kapazitäten verfügten, fordere der weltweite Bauboom enorme Mengen. In vielen Ländern seien Corona-bedingte Konjunkturprogramme angelaufen, allen voran in den Vereinigten Staaten, so Schwarz. Hinzu komme, dass Deutschland in der Vergangenheit Holz aus anderen EU-Ländern importiert habe – derzeit allerdings nicht.

Andreas Wiebe machte aber eines deutlich: Auch in Zukunft sei Holz „ein absoluter Zukunftsrohstoff, der dem Klimaschutzeffekt Rechnung trägt“. Es gehe um Nachhaltigkeit und kurze Wege. Mit der Fichte? Andreas Wiebe: „Wir werden auch in Zukunft Nadelholz brauchen, daran besteht kein Zweifel.“

Vielversprechende Alternative

Niemand werde Fichten, die durch eine Naturverjüngung entstanden seien, aus dem Wald heraus reißen. Aber es gebe durchaus vielversprechende Alternativen.

Wie weit die derzeitigen Lieferengpässe um sich greifen, macht Zimmermann Roland Göbel aus dem Bad Laaspher Ortsteil Oberndorf deutlich: Er könne zwar weiter seine Kunden bedienen – aber nur deshalb, weil er das Material schon Anfang des Jahres bestellt habe. Mittlerweile sei die Situation so, dass Angebote von Lieferanten noch eine halbe Stunde gültig seien, danach nicht mehr.

Auftragsbestätigungen ohne Lieferzusage seien an der Tagesordnung. In einzelnen Segmenten liege, so Göbel, der Preisanstieg bei 300 Prozent. Er könne Kunden verstehen, die beim Angebot für ein Carport derzeit lieber abwarten wollten – weil das Material nicht zu bezahlen sei.

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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