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KOMMENTAR
Volkspartei? Ein historisches Ergebnis für die CDU

SZ-Chefredakteur Markus Vogt.

Dass es so endet, hätte einem schlechten Drehbuch entspringen können.

Dass es so endet, hätte einem schlechten Drehbuch entspringen können.

Unionskanzlerkandidat Armin Laschet hat bei der Stimmabgabe zur Bundestagswahl gegen die Regeln der geheimen Wahl verstoßen. Seine Kreuze waren auf dem falsch gefalteten Zettel deutlich zu erkennen. Ein pannenreicher Wahlkampf geht mit einem dicken Patzer zu Ende. Vom missglückten Lacher bis zur missglückten Stimmabgabe: Armin Laschet ist der Verlierer dieser Wahl. Er hat die CDU bei Zustimmungswerten von 36 Prozent übernommen, hat sie zu ihrem historisch schlechtesten Wahlergebnis geführt. Bei 13 von 19 Bundestagswahlen holte sie über 40 Prozent der Wählerstimmen. Nie waren es weniger als 30 Prozent. Jetzt hat nur jeder vierte Wähler sein Kreuzchen bei der CDU gemacht. Darf sich die Union da noch Volkspartei nennen?
Zur Fairness gehört: Nicht Laschet allein darf man dieses Wahlergebnis ankreiden. Die ewigen Sticheleien der CSU haben die Talfahrt beschleunigt. Ebenso eine Wahl-Kampagne, die zu keinem Zeitpunkt die Erfolge Laschets als NRW-Ministerpräsident zur Geltung bringen konnte.
Ob Laschet und die CDU mit diesem Ergebnis an einer neuen Regierung beteiligt sind – die Antwort könnte einige Zeit auf sich warten lassen. Das Rennen um die Kanzlerschaft ist offen. Laschet und auch sein Kontrahent Olaf Scholz (SPD) haben gestern ihren Machtanspruch formuliert. Scholz kann sich dabei – zumindest gefühlt – als der Gewinner dieser Wahl sehen. Er hat der Sozialdemokratie zu einem überraschenden Comeback verholfen.
Kanzler wird der, der es schafft, eine Koalition zu bilden. Und das wird denkbar schwierig. Olaf Scholz wird versuchen, eine Ampelkoalition mit der FDP und den Grünen zustande zu bringen. Doch wie kommen Liberale und Grüne zusammen, die sich in wesentlichen Programmpunkten fundamental unterscheiden? Sind die Grünen bereit, ihre ehrgeizigen Ziele in der Klimapolitik herunterzuschrauben? Wird die FDP Abstriche machen bei ihrer ehrgeizigen Finanz- und Rentenpolitik?
Armin Laschet hat eine schwächere Hand in diesem Koalitionspoker – obwohl er in NRW bewiesen hat, dass er eine Regierung mit der FDP führen und auch mit den Grünen gut kann. Er geht mit der Aura eines Verlierers in die Gespräche.

Worüber gestern Abend im politischen Berlin niemand sprechen wollte: eine Fortsetzung der großen Koalition. Dabei könnte dieses Modell insbesondere nach langen und am Ende dann gescheiterten Koalitionsverhandlungen und vor dem Hintergrund einer drohenden Neuwahl durchaus realistisch sein.

m.vogt@siegener-zeitung.de

Autor:

Markus Vogt (Chefredakteur) aus Siegen

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