SZ

Diakonie-Chef: "Kooperationen reichen nicht"
Vollfusion der Siegener Kliniken doch nicht vom Tisch?

Über die mögliche Fusion von Jung-Stilling-Krankenhaus, Marien-Krankenhaus, Kreisklinikum und Kinderklinik wird immer wieder diskutiert. Dr. Josef Rosenbauer, Diakonie-Geschäftsführer, unterstreicht nun erneut seine Meinung: "Kooperationen werden auf Dauer nicht reichen."
4Bilder
  • Über die mögliche Fusion von Jung-Stilling-Krankenhaus, Marien-Krankenhaus, Kreisklinikum und Kinderklinik wird immer wieder diskutiert. Dr. Josef Rosenbauer, Diakonie-Geschäftsführer, unterstreicht nun erneut seine Meinung: "Kooperationen werden auf Dauer nicht reichen."
  • Foto: SZ-Archiv / jab
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

ch Siegen/Olpe. Auch andere Chefs heimischer Krankenhäuser beobachten den Prozess der Planungsreform ganz genau. Etwa Dr. Josef Rosenbauer, Geschäftsführer der Diakonie in Südwestfalen. Der Zeitpunkt der Entwurfsveröffentlichung zu Beginn der vierten Corona-Welle sei vielleicht unglücklich, „aber es war klar, dass die Politik an ihrem Plan, die Zahl der Kliniken und Betten zu reduzieren, festhalten wird!“

Man dürfe sich nichts vormachen: Einige Kliniken würden diese Reform nicht überleben, weil sie weder die Leistungszahlen noch die Personalvorgaben erfüllen könnten. Rosenbauer: „Doch dabei darf es nicht nur um Wirtschaftlichkeit gehen. Im Mittelpunkt muss die optimale Versorgung der Patienten stehen.

ch Siegen/Olpe. Auch andere Chefs heimischer Krankenhäuser beobachten den Prozess der Planungsreform ganz genau. Etwa Dr. Josef Rosenbauer, Geschäftsführer der Diakonie in Südwestfalen. Der Zeitpunkt der Entwurfsveröffentlichung zu Beginn der vierten Corona-Welle sei vielleicht unglücklich, „aber es war klar, dass die Politik an ihrem Plan, die Zahl der Kliniken und Betten zu reduzieren, festhalten wird!“

Man dürfe sich nichts vormachen: Einige Kliniken würden diese Reform nicht überleben, weil sie weder die Leistungszahlen noch die Personalvorgaben erfüllen könnten. Rosenbauer: „Doch dabei darf es nicht nur um Wirtschaftlichkeit gehen. Im Mittelpunkt muss die optimale Versorgung der Patienten stehen.“ Wichtig aus Sicht des Diakonie-Geschäftsführers: „Abseits der Reform glauben wir weiter daran, dass eine echte Vollfusion aller Siegener Krankenhäuser zu einer neuen Klinik die beste Lösung für eine hochkarätige, dauerhafte und verlässliche medizinische Versorgung der Menschen wäre. Den Vorschlag haben wir ja vor fast zwei Jahren den Trägern der anderen Kliniken unterbreitet. Wir wissen, dass so etwas aus vielerlei Gründen wie unterschiedliche Strukturen oder Historie nicht einfach umzusetzen ist. Aber um die Versorgung auf Topniveau zu garantieren, lohnt der emotionslose Blick über den Tellerrand mehr denn je!“

Dr. Josef Rosenbauer.

Kooperationen allein werden auf Dauer nicht reichen, da jede Klinik – das liege in der Natur des Systems – zuerst einmal auf sich schauen müsse. „In den Gesprächen werden wir uns natürlich konstruktiv einbringen, müssen dabei aber auch unseren Versorgungsauftrag als das überregionale Notfall-Krankenhaus im Dreiländereck NRW/Hessen/Rheinland-Pfalz im Blick behalten. In diesem ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit elementar!“

Kurze Wege im Sauerland

Stichwort Versorgungsauftrag: „Bereits jetzt gibt es aus einigen Bereichen des Hochsauerlandkreises über 40 Minuten Fahrtzeit bis zum nächsten Grundversorger. Deshalb sind unsere Standorte in Südwestfalen für die Grund- und Regelversorgung unverzichtbar und nicht vergleichbar mit der hohen Krankenhausdichte in anderen Regionen“ betont Dr. Gereon Blum, Geschäftsführer der Katholischen Hospitalgesellschaft, zu der u. a. das St.-Martinus-Hospital in Olpe gehört.
Auch Spezialversorgung müsse ortsnah möglich sein. Bei den oft monate- und zum Teil jahrelangen Behandlungsverläufen in der Onkologie z. B. „ist eingesparte Fahrtzeit Lebenszeit, bei einem akuten Herzinfarkt zählt jede Minute – Nähe ist entscheidend!“

Dr. Gereon Blum.

Es sei sehr zu begrüßen, dass die starre Planungsgröße Bett verlassen wird, die bisherigen Planungstools stammen aus den 1960er-Jahren „und entsprechen in keiner Weise mehr den heutigen Anforderungen der Demografie, Ambulantisierung und Digitalisierung“, so Blum weiter.
Und: „Mithilfe des neuen Mehrheitsgesellschafters GFO werden Strukturen weiter optimiert und vernetzt, viele Leistungen werden zukünftig vermehrt in den ambulanten Sektor verlagert, für den die Krankenhäuser dann aber auch geöffnet werden müssen. Dazu warten wir gespannt auf die Ausführungen zum neuen Krankenhausplan, der auch den Weg zu neuen Regionalgesprächen öffnet.“

Nahversorgung in Wittgenstein wichtig

Dass sich die Krankenhausplanung zukünftig nicht mehr an der Bettenzahl einer Klinik, sondern an der eigentlichen medizinischen Leistung sowie an deren Qualität orientieren soll, „kann für Häuser wie unser Haus ein Vorteil sein: Aufgrund der ländlichen Lage sowie einer unzureichenden Verkehrsanbindung an die umliegenden Städte, bedarf es einer gut ausgebauten Basis- und Notfallversorgung direkt in Wittgenstein – das hat nicht zuletzt die Corona-Pandemie gezeigt, in der unsere Klinik eine wichtige Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten war und immer noch ist“, so Elmar Knoche als Klinikgeschäftsführer der Vamed-Klinik in Bad Berleburg.

Elmar Knoche.
Autor:

Christian Hoffmann (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

9 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen