Vom Brandopfer zum Angezeigten

Verlor in der Brandnacht am 2. Juni diesen jahres sein gesamtes Hab und Gut im Gerbereiweg in Siegen: Hans Föller.  Foto: kalle
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kalle Siegen. Die schlimme Brandnacht vom 2. Juni dieses Jahres im Gerbereiweg, bei dem der zehnjährige Dominik ums Leben kam, weil eine so genannte „Himmelslaterne“ abstürzte und dadurch das Feuer auslöste (die SZ berichtete), steckt dem 40 Jahre alten ehemaligen Mitbewohner Hans Föller noch heftig in den Knochen. In dieser Nacht verlor er sämtliches Hab und Gut. Bis auf seinen Autoschlüssel und die Papiere, die er unter Begleitung der Feuerwehr aus seiner Wohnung holen konnte, war nichts mehr in seinem Apartment zu gebrauchen. Totalschaden. Da stand er nun, wortwörtlich, in seiner kurzen Hose vor dem Nichts. Noch in der Nacht bekam er seelsorgerische Hilfe. Er hatte einen schweren Schock erlitten, wurde von der Feuerwehr ins Hotel Bürger gebracht, konnte dort duschen, einige Telefonate führen. Doch der Tod des kleinen Jungen, den er häufig sah, wenn dieser seinen Vater besuchte, ging Hans Föller nicht mehr aus dem Kopf. Noch heute grübelt er darüber nach, ob man das Kind nicht doch aus der dramatischen Flammehölle hätte retten können. Föllers Nachbarn kamen damals alle bei Freunden und Verwandten unter. Ihm selbst fiel die Hoteldecke auf den Kopf. Seine Eltern und Verwandten konnte er nicht erreichen, die waren allesamt im Urlaub. Er ging ins Weidenauer Krankenhaus, wurde dort beköstigt und betreut. „Die waren dort sehr nett zu mir und haben mich unterstützt“, so der in Netphen in einem Einzelhandelsgeschäft arbeitende Junggeselle. Eine Hausratversicherung hatte er nicht.

Er ging dann in den nächsten Tagen zur Stadt Siegen. Dort hoffte er auf Hilfe bei der Suche nach einer anderen Wohnung. Föller: „Die Dame im Amt hat mich gefragt, ob ich arbeitslos sei. Als ich das verneinte, drückte sie mir einen Zettel in die Hand mit Adressen von Wohnungsgesellschaften, das war’s.“ Doch auf die Schnelle fand er nichts. Er zog in die Wohnung seiner Eltern nach Daaden. Fährt seitdem täglich von der Verbandsgemeinde nach Netphen zur Arbeit. Bevor er die Arbeitsstelle in Netphen antrat, war Föller arbeitslos, sammelte in dieser Zeit ordentlich Schulden an, die er jetzt auf Heller und Cent nach und nach zurückzahlen will. Da bleibt ihm im Monat nichts mehr vom Gehalt übrig. Dann kam plötzlich ein Brief von der Stadt Siegen. Die will von ihm die Hotel- bzw. Telefonrechnung in Höhe von 280 Euro erstattet haben. Die Gebäudeversicherung der Hausbesitzer hat abgelehnt, den Betrag zu zahlen. Die geforderte Summe ist für Hans Föller viel Geld. Er fühlte sich ungerecht behandelt, verlor im Amt die Kontrolle über seine Nerven, flippte aus. Die Polizei wurde angerufen. Das Ergebnis: Die städtische Bedienstete zeigte Hans Föller an. In den nächsten Tagen hat er einen Termin bei der Betzdorfer Polizei.

Die Pressestelle der Stadt Siegen ist der Meinung, die Krönchenstadt habe Hans Föller über das weitere Prozedere ausreichend informiert. Doch da bleiben Fragen offen: Wieso muss der Mann ein Zimmer bezahlen, das nicht er, sondern die Stadt selbst bestellt hat? Warum fordert die Stadtverwaltung den Betrag nicht direkt von der Versicherung ein, die dafür zuständig ist – und schiebt das Problem an das Opfer weiter?

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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