Vom Glück, das man erkämpfen muss

Elf Siegener überstanden haarsträubende Situationen / Bettenstaedt-Tor reicht zum 1:0

geo Siegen. Die Szenen nach dem Schlusspfiff waren symptomatisch: nach den artigen Dankeshuldigungen an die Fans bildeten die Siegener Spieler auf dem Rasen einen Kreis, hüpften und stampften vor Freude und schrien sich ihr eigenes Glück aus dem Leibe. Es war ein Triumph des Kollektivs gewesen, der den »Sportfreunden« nach 90 windigen und Regen durchpeitschten Minuten einen höchst glücklichen 1:0-Sieg über den VfR Aalen und damit das Vorrücken auf Rang 10 der Regionalliga-Süd-Tabelle beschert hatte. Zählte man nun - was keiner tun sollte - noch die drei Zähler hinzu, die der DFB am grünen Tisch vorerst aberkannte, stünde Siegen sogar punktgleich mit dem 1. FC Saarbrücken an 8. Stelle. Wer sagt's denn?

Doch dass es gestern Abend in der rapide hereinbrechenden Dunkelheit zu derartigen Freudenausbrüchen kam, bedurfte schon einer gehörigen Glückssträhne, die die verbliebenen elf Recken vornehmlich in der 2. Halbzeit auf das Äußerste strapazierten. Die Betonung liegt dabei auf »elf«, denn nach dem verletzungsbedingten Ausfall des Litauers Romas Cirba ließ der Blick auf den Aufstellungsbogen, respektive auf die Positionen zwölf bis 17, nicht gerade den Wunsch nach vermehrten Auswechslungen aufkommen. Ohne damit den fleißigen und zweifelsohne guten »Reservespielern« nahe treten zu wollen, so verkörperte die von Trainer Ingo Peter gestern aufgebotene Formation doch so etwas wie das letzte Aufgebot hinsichtlich uneingeschränkter Regionalliga-Tauglichkeit.

Und diese Formation mühte sich zunächst nach Kräften, fußballerisch da weiter zu machen, wo man am Sonntag gegen Pfullendorf aufgehört hatte. Doch schon der Verlust Cirbas wog viel, denn je näher man dem Strafraum kam, desto dünner wurden die Aktionen. Nur gut, dass auch der VfR Aalen, der gestern seine erste Niederlage unter dem neuen Coach Peter Zeidler kassierte, einen schwer wiegenden Ausfall zu beklagen hatte. Denn Neno Rogosic, mit neun Toren treffsicherster Aalener, hatte sich Anfang der Woche eine Fußverletzung zugezogen. So blieben Aalens Angriffswaffen zunächst stumpf.

Umgekehrt glückte Til Bettenstaedt genau dass, wonach er letzten Sonntag vergebens gestrebt hatte: ein Traumtor. Gegenspieler Patrick Neumann verschätzte sich in der 27. Minute bei einer präzisen Flanke Andreas Nauroths, und Bettenstaedt wuchtete per Flugkopfball das Leder zum 1:0 in die Maschen.

Der Siegener hätte sich die Krone aufsetzen können, wenn er auch in der 51. Minute nach feiner Custos-Flanke nicht gar so genau gezielt hätte. So aber knallte sein Flugkopfball an die Latte. Und genau das war wohl das akustische Zeichen zum Aalener Generalangriff einerseits und zu den Siegener »Chaos-Minuten« andererseits. Der eingewechselte Ex-VfBer Christian Seeber sorgte plötzlich für Druck bei den Gästen, und in der Siegener Hintermannschaft brach blankes Entsetzen aus.

Die 52. Minute: Andreas Koch wehrte einen Seeber-Schuss quer durch den Torraum ab, Neumann hatte das leere Tor vor sich, traf den Ball aber nicht richtig, so dass Nauroth vor der Linie retten konnte. 56. Minute: Eric Lukin brachte am Strafraum den keineswegs freien Cem Islamoglu mit einem Querpass in die Bredouille, der sich prompt C-Jugend-mäßig den Ball von Seeber abnehmen ließ. Der umkurvte auch noch Koch und machte dann - nichts! Unfassbar, warum Seeber das Runde nicht einfach in das Eckige schob, denn das Tor war doch leer. So konnte Islamoglu retten. 60. Minute: Koch hechtete in Iselis scharfe und flache Hereingabe und lenkte das Leder an den »Elfer«, wo Seeber Zeit und Platz hatte, Maß zu nehmen. Doch von allen Optionen wählte er die dämlichste, nämlich die, mit »Karacho« dem hilflos auf der Linie harrenden Islamoglu fast das Standbein weg zu ballern.

In der sich daran anschließenden halben Stunde bis zum Abpfiff erwehrten sich die aufopferungsvoll kämpfenden, aber nicht mehr spielenden Siegener tapfer den pausenlosen Dauerangriffen der Gäste. Doch bemerkenswerter Weise gab es nach besagten »Chaos-Minuten« keine wirkliche Aalener Torchance mehr. So gewannen die Hausherren zweifellos mit Glück, aber mit einem Glück, dass man sich hart erarbeiten musste.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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