Vom Stolz der Spieler, die Schmach zu tilgen

Das schwere Auswärtsspiel der Sportfr. Siegen:

Ausgerechnet in Augsburg: Trainer Feichtenbeiner erwartet Trotzreaktion von Mannschaft

geo Siegen. »Wenn das unser wahres Gesicht sein sollte, steigen wir ab!« Michael Feichtenbeiner wurde gestern nur einmal laut und emotional. Um so hektischer kritzelten die Journalisten bei der routinemäßigen »Donnerstag-PK« das Gesagte auf ihre Schreibblöcke hernieder. Es ging dem Trainer der Siegener »Sportfreunde« um das Thema Stolz, den er von seiner Mannschaft nach der desolaten Leistung beim 0:2 am Sonntag gegen die SpVg Elversberg nunmehr einfordert, am besten im morgigen, schweren Auswärtsspiel beim nach wie vor als Titelaspiranten gehandelten FC Augsburg.Wie das wohl gehen soll nach der rasanten Talfahrt der Siegener Mannschaft bis auf den drittletzten Tabellenplatz? In den letzten vier Spielen der Regionalliga Süd setzte es drei 0:2-Niederlagen und ein eher bescheidenes 1:1, zudem reist heute Mittag die auswärtsschwächste Mannschaft der 3. Liga zum morgigen Match in Augsburg an. Ein Team, das nach dem Trainerwechsel von Ernst Middendorp auf den ehemaligen Rostocker Bundesliga-Coach Armin Veh bei der Heimpremiere des »Neuen« vor Tatendrang nur so sprühen dürfte.

Selbst Feichtenbeiner räumte ein, dass man angesichts der erdrückenden Spielerbilanz eigentlich sehr kleine Brötchen backen müsse. Über 700 Einsätze in der Fußball-Bundesliga haben die Kicker des Augsburger Kaders auf dem Buckel, die Siegener deren 33, die zwar statistisch nicht wegzudiskutieren sind, sich sportlich aber - gemeint ist der formschwache Oliver Unsöld (ehemals SSV 1846 Ulm) - derzeit eher wenig niederschlagen. Ein Mehr an Erfahrung und Potenz, das Siegens Trainer zu der Aussage verleitete: »Für mich bleiben Augsburg und Saarbrücken die klaren Titelfavoriten! Wehen wird am Ende nicht mehr vorne stehen.«

Doch die »glasklare« Favoritenrolle der Bayern soll kein Feigenblatt für seine Truppe sein: »Wer heute in den Bus steigt, muss in Augsburg etwas reißen wollen. Sonst braucht er nicht mit zu fahren.« Bleibt abzuwarten, ob der schwäbische Coach den »Gesinnungs-Schaffner« spielt, wenn seine Kicker nach dem heutigen Vormittagstraining frisch geduscht und gestärkt in den Bus steigen. Vermutlich aber hat Feichtenbeiner diesen Teil seiner Trainingsarbeit schon in den letzten Tagen in Einzelgesprächen und anderen Formen der Spieleransprache erledigt. Zumindest will er beobachtet haben, dass das Stimmungsbarometer nach dem »noch tieferen Tiefpunkt« vom Sonntag und Montag spürbar in die Höhe geklettert sei - übrigens diametral im Gegensatz zu den real gesunkenen Außentemperaturen, die den Akteuren im Rosenau-Stadion morgen nachmittag »Eisschrank-Atmosphäre« bescheren dürften.

Gegen Frost und Frust hat Feichtenbeiner freilich einen Allzeit-Tipp parat: Laufen! Seine Prämisse an die zuletzt so enttäuschenden Spieler: »Wir müssen in Augsburg von der 1. Sekunde an präsent sein, viel Laufen, die Mannschaft muss sich gegenseitig helfen.« Tatsächlich räumte der Coach gestern ein, dass das Elversberg-Spiel eher den gegenteiligen Eindruck, also den einer nicht intakten Elf vermittelt habe und das Hackordnungs- und/oder Hierarchie-Prozesse die Spieler möglicherweise mehr beschäftigten als es dem gemeinsamem Ergebnis gut war.

Dies sei aber nicht Auslöser der aktuellen Talfahrt gewesen, Des Trainers Theorie sieht nach dem wochenlangen »hopp und »flopp« in Heim- und Auswärtsspielen zunächst in den Niederlagen beim damaligen »Schlusslicht« 1. FC Kaiserslautern/A. und dann im folgenden 0:2 gegen Kickers Offenbach den »Knackpunkt«. Feichtenbeiner: »In Kaiserslautern hatte jeder mit dem Ende der Auswärtsmisere gerechnet. Es kam nicht so, und Verunsicherung und Druck wuchsen dadurch schlagartig an.«

Da bleibt freilich nun die große Frage, wie das total verunsicherte Ensemble ausgerechnet jetzt die Kurve kriegen soll. Erinnert sei - in beachtlicher Sorge - an die nächsten Aufgaben;: morgen in Augsburg; Mittwoch im DFB-Pokal gegen Greuther Fürth; Sonntag gegen Hoffenheim...

Zumindest personell wird es keine Änderungen geben, da es auch keine Alternativen gibt. Obendrein ist noch Sascha Bäcker ausgefallen, der sich gegen Elversberg eine Oberschenkelzerrung zuzog. Das könnte immerhin Oliver Unsöld eine neue Plattform bieten, sich in besserer Form zu präsentieren. Verletzungsbedingt fehlt ferner Jens Truckenbrod. Gesperrt ist noch Eric Lukin, was angesichts der prominenten Besetzung der Augsburger auf deren rechter Angriffsseite doppelt schwer wiegt. »Jörg Bode und Jörg Reeb könnten heute noch jede Bundesliga-Abwehr aushebeln«, ist Feichtenbeiner von den Qualitäten der beiden Augsburger mehr als überzeugt. Das lässt zumindest nicht das Allerbeste für morgen Nachmittag erhoffen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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