SZ

Schub für die Gründerszene
Von der Idee zum Geschäft

Gestern eingezogen, heute schon mittendrin in der Entwicklungsarbeit: das Team der MWTest GmbH, die sich mit Sicherheitssystemen in Autos beschäftigt.
2Bilder
  • Gestern eingezogen, heute schon mittendrin in der Entwicklungsarbeit: das Team der MWTest GmbH, die sich mit Sicherheitssystemen in Autos beschäftigt.
  • Foto: ihm
  • hochgeladen von Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin)

ihm Siegen. Vorgestern sind die Möbel geliefert worden, die Whiteboards lehnen noch auf den Stühlen, die Wände sind kahl. Aber die Laptops laufen, junge Männer stehen an den Schreibtischen und debattieren über Sensoren, Datenfiles und Vernetzung. Hier sind Unternehmer am Werk – künftige, angehende, beginnende, aktive. In welchen Stadium sie sich genau befinden, ist schwer zu sagen. Nur arriviert – das sind sie noch nicht. Denn dann dürften sie in diesen Büros nicht arbeiten.

Arriviert sind die Nachbarn in den Büros auf dem „Summit“ im Gewerbegebiet Leimbachtal. Martin Hill und Bernd Buxbaum, beide selbst einst Gründer aus den Reihen der Universität Siegen und heute überaus erfolgreiche Unternehmer, vermieten 320 Quadratmeter Bürofläche für Start-ups.

ihm Siegen. Vorgestern sind die Möbel geliefert worden, die Whiteboards lehnen noch auf den Stühlen, die Wände sind kahl. Aber die Laptops laufen, junge Männer stehen an den Schreibtischen und debattieren über Sensoren, Datenfiles und Vernetzung. Hier sind Unternehmer am Werk – künftige, angehende, beginnende, aktive. In welchen Stadium sie sich genau befinden, ist schwer zu sagen. Nur arriviert – das sind sie noch nicht. Denn dann dürften sie in diesen Büros nicht arbeiten.

Arriviert sind die Nachbarn in den Büros auf dem „Summit“ im Gewerbegebiet Leimbachtal. Martin Hill und Bernd Buxbaum, beide selbst einst Gründer aus den Reihen der Universität Siegen und heute überaus erfolgreiche Unternehmer, vermieten 320 Quadratmeter Bürofläche für Start-ups. Mieter ist die Universität, die damit Unternehmensgründungen aus den eigenen Reihen fördert. Was die Hochschule sich das kosten lässt, wollte Kanzler Ulf Richter gestern bei der Unterzeichnung des Mietvertrags nicht verraten. Nur so viel: Die Kontrakt wird nach drei bis fünf Jahren auf den Prüfstand gestellt. Dann wird man sichten, was die Förderung der Jungunternehmer gebracht hat.

"Accelerator" als Sprungbrett

So viel Zeit haben die vier Start-ups, die soeben eingezogen sind, aber nicht. In ein bis zwei Jahren sollen sie auf eigenen Füßen stehen können, umriss Martin Hill das Ziel des „Accelerators“, der im Summit entstanden ist. Der Begriff lässt sich wohl am ehesten mit „Beschleuniger“ übersetzen. Beschleunigt wird der Sprung in die Selbstständigkeit einerseits von der Universität, die die Jungunternehmer kostenlos unterbringt, andererseits von den anderen Unternehmern im Summit, die sich bereiterklärt haben, die Anfänger zu coachen. Finanzen, Vertrieb, Marketing, Akquise, Fachkräfteanwerbung – es gibt eine ganze Fülle von Themen abseits des eigentlichen Produkts, bei denen der Rat eines Erfahrenen Gold wert sein kann.

Der Accelerator im Leimbachtal ist genaugenommen schon der zweite, den die Hochschule unterstützt. Während es im Summit um Sensortechnik und das „Internet of things“ geht, steht am Campus Buschhütten der Maschinenbau im Fokus – auch hier lässt sich allerdings ohne Sensoren und intelligente Steuerung, genauer: ohne lernende Systeme, keine Zukunft gestalten.

Volker Wulf, Prorektor für Digitales und Regionales, kündigte an, dass ein dritter Accelerator bereits in Planung sei. Dabei soll es um den Bereich Sozialwesen und soziale Arbeit gehen, in dem die Universität Siegen auch stark aufgestellt ist. Der Hotspot für Unternehmensgründungen im Sozialbereich müsse in der Innenstadt liegen, sagte Wulf: „Da, wo die Menschen sind.“

Gründer-Spirit beleben

77 Unternehmensgründungen sind in den vergangenen zehn Jahren aus der heimischen Universität hervorgegangen, hat Ulf Richter ermittelt. Es könnten noch mehr sein, findet er. Der Gründer-Spirit, der vor Jahrzehnten im Geisweider Technologiezentrum wehte, aber dort durch konzeptionelle Fehler zerstoben war, soll nun im Leimbachtal neuen Auftrieb erhalten.

Die meisten der Jungunternehmer sind vom Weidenauer Gründerbüro der Hochschule nach Siegen gezogen. Das Gründerbüro versteht sich als „Brutkasten“ (Inkubator), in dem die Geschäftsideen reifen können. Hier kann probiert werden, ob eine Idee zur Geschäftsidee taugt. Wenn die Arbeit in einen Businessplan mündet und Geld beschafft werden muss, ist der Accelerator der nächste Schritt des Weges auf den freien Markt.

Erfreulich für die Hochschule: Die nächsten Start-ups sind schon in den Weidenauer Inkubator eingezogen, sodass die neu angemieteten Flächen keine Leerstände an anderer Stelle produziert haben.

Fitnessstudio und E-Tankstellen

Die Rahmenbedingungen im Leimbachtal sollen den Gründergeist beleben. Offene Kommunikation, eine Kantine für gemeinsame Mahlzeiten, Lounges, ein Fitness-Studio für den körperlichen Ausgleich, gute Verkehrsanbindungen einschließlich Elektrotankstellen und vieles mehr – das vor wenigen Monaten erst bezogene Gebäude bietet eine ganze Reihe von Pluspunkten.

Um in den Genuss dieser Annehmlichkeiten zu kommen, mussten die Start-ups ein Bewerbungsverfahren durchlaufen. Von den zehn Teams, die sich beworben haben, wurden nach eingehenden Gesprächen vier ausgewählt.

Damit das Accelerator-Projekt funktioniert, müsse aber auch die Region ihren Beitrag leisten, unterstrich Volker Wulf. Unternehmen brauchen nun mal Aufträge. Die alteingesessenen heimischen Firmen sollten nicht zögern, den jungen Entwicklern eine Chance zu geben, appellierte Wulf: „Man muss sich darauf einlassen, auch mal jungen Unternehmen eine Chance zu geben.“ Martin Hill nickte: „Unbedingt, das Commitment (Engagement, d. Red.) der heimischen Wirtschaft ist wichtig.“

Risikokapital erwünscht

Und das Commitment der heimischen Bankenwelt ebenfalls. Die Bereitschaft, Risikokapital zu vergeben, sei in Deutschland durchaus ausbaufähig, fand Martin Hill. Auch wenn das Siegerland – zum Beispiel mit dem Siegerlandfonds – vergleichsweise gut aufgestellt sei.

Die Andeutung von Volker Wulf, dass sich die Universität selbst mit – kleineren – Beteiligungen in die jungen Unternehmen einkaufen könnte, klang ungewöhnlich. In den USA sei das ganz normal, sagte Wulf. Ob solche Invests noch vom Auftrag der Universität – Forschung, Lehre und Transfer – gedeckt sind, blieb letztlich offen.

Gestern eingezogen, heute schon mittendrin in der Entwicklungsarbeit: das Team der MWTest GmbH, die sich mit Sicherheitssystemen in Autos beschäftigt.
Universitätskanzler Ulf Richter (sitzend) unterschreibt den Mietvertrag für den „Accelerator“ im Summit-Gebäude. Den jungen Unternehmerkollegen unter die Arme greifen wollen Prof. Dr. Martin Hill und Dr. Bernd Buxbaum als Hausherren des imposanten Hightech-Standorts. Angetan von der Idee ist auch Prorektor Prof. Dr. Volker Wulf (v. l.).
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

11 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Pizzeria da Pino in Geisweid wird 30 Jahre alt. Das Team freut sich über und mit seinen Gästen.
3 Bilder

Einladung an Gäste und Freunde nach Geisweid
Pizzeria da Pino feiert Geburtstag

In diesem Jahr wird die Pizzeria da Pino an der Röntgenstraße 9 in Geisweid 30 Jahre alt. Dieses Ereignis möchte das Team um Inhaber Giuseppe Giannetti und seine Ehefrau Maria am Sonntag, 19. September, ab 11.30 Uhr mit allen Kunden und Freunden, Partnern und Bekannten gemeinsam feiern. Einladung zum Sekt bei der Pizzeria da Pino„Wir sind einfach froh und dankbar, dass unsere Kunden und ihre Kinder und Enkelkinder uns so lange die Treue gehalten haben und immer noch halten. Daher ist unsere...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen