Von Wörtern, Taten und Gedichten

Siegrid Schwengber, der Bentlager Kreis und ein Workshop in Stift Keppel

gmz Siegen. »Vergiss nicht, dass ein Satz eine Tat ist.« Diese Warnung Saint- Exupérys, der (wie andere auch) vor Erfindung der »handlungsorientierten Grammatiken« die Wirkung des Wortes auf den Punkt gebracht hat, hat Siegrid Schwengber ihr ganzes Berufsleben lang begleitet. Als langjährige Pressereferentin der Industrie- und Handelskammer Siegen weiß sie um Bedeutung und die Wirkung von Gesagtem, Gedrucktem und Veröffentlichtem. Vielleicht ist es deshalb nicht verwunderlich, dass sich Siegrid Schwengber nach dem Eintritt in den Ruhestand auch weiterhin der Verantwortung des Wortes stellt – und Gedichte verfasst.

Das hat sie im Laufe ihrer Lebens immer wieder gemacht, wie sie im Gespräch mit der SZ erzählt, aber erst seit kurzem geht sie damit in die Öffentlichkeit. Auf Anraten eines Bekannten hat sie eine Arbeit an die Bibliothek des deutschsprachigen Gedichtes geschickt, die ihre Arbeit auch sofort in ihre Anthologie aufnahm. Ermutigt durch diese Erfahrung schrieb sie sich in einem Lyrik-Workshop ein, um ihr theoretisches und praktisches Rüstzeug zu vertiefen. Auf den ersten Workshop folgte ein zweiter und daran anschließend die Entscheidung, eine Aachener Sektion des Bentlager Kreises zu gründen (Aachener Sektion, weil der zweite Workshop in Aachen stattfand). Aus ganz NRW kommen die Wort-Begeisterten im Alter zwischen 35 und 75 Jahren, die zumeist neben ihren höchst unterschiedlichen Berufen schreiben.

Unter der Ägide von Autor Frank Sporkmann treffen sich die »Aachener Sektionisten« regelmäßig zu Workshops, um über ihre Lyrik und die Prosatexte zu sprechen. Ein erstes Jahrbuch ist in Arbeit, es soll im Herbst erscheinen und wird beim nächsten Workshop in Stift Keppel ein Thema sein (vom 5. bis 8. Februar – Informationen und Kontaktadressen sind auf der Internetseite www.bentlager-kreis.de zu finden). Außerdem stehen Texte von Ingeborg Bachmann »auf dem Programm« und die überaus wichtige Frage, was Verantwortung für den eigenen Text heißt.

Abgesehen von der ethischen Dimension hat diese Frage auch eine ästhetische. Siegrid Schwengber hat beispielsweise die Erfahrung gemacht, dass manche Gedichte »einfach passieren«, dass sie ihr »aus der Hand fallen«. Daran schließt sich dann die Reflexion über das Geschriebene an – auch unter literarischen und formalen Gesichtspunkten (auch wenn sie deshalb den Text dabei nicht immer verändert).

Dass ihr »Gedichte passieren«, heißt ja nur, dass sich Siegrid Schwengber offenbar mit etlichen Themen so beschäftigt, dass sie sie – bewusst oder unbewusst – »im Kopf« schreibt, bevor sie sie zu Papier bringt. Dabei ist die Bandbreite ihrer mal frei, mal formal streng aufgebauten Lyriktexte sehr breit: Manche sind witzig und »respektlos«, entlarven mit mehr als einem Augenzwinkern Attitüden, Befindlichkeiten und Posen großer und kleiner Helden, großer und kleiner Angeber des Alltags. Andere wiederum sind sehr melancholisch, reflektieren die Endlichkeit von Gefühlen, die einhergeht mit einer unstillbaren Sehnsucht nach Unendlichkeit. Manchmal gelingt es ihnen in letzter Sekunde, einen Schimmer Zuversicht zu formulieren. Andere wiederum beschreiben das Problem der Kommunikation und das Entsetzen über Sprachlosigkeit, in seinen verschiedenen Erscheinungsformen.

Der Austausch innerhalb ihrer Arbeitsgruppe hat sie auch ermutigt, neue Themen und Textformen auszuprobieren. So hat sie beispielsweise ein Gedicht, das ihr bei einem Besuch in der Münchner Residenz in den Sinn kam, um einen Prosatext ergänzt, um auch die Erfahrungen zu formulieren, die das Gedicht gesprengt hätten. Auch Lautgedichte und visuelle Gedichte hat sie gemacht – man wird sicher noch einiges von Siegrid Schwengber hören.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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