Vorbilder für die Gesellschaft

 Das Motto ist Programm: Die Schüler der siebten Klassen der Realschule Erndtebrück schlossen am Mittwoch das Social-Media-Training „Cyber-Mobbing stoppen!“ ab. Und reflektierten direkt ihre neu gewonnenen Erkenntnisse. Foto: Timo Karl
  • Das Motto ist Programm: Die Schüler der siebten Klassen der Realschule Erndtebrück schlossen am Mittwoch das Social-Media-Training „Cyber-Mobbing stoppen!“ ab. Und reflektierten direkt ihre neu gewonnenen Erkenntnisse. Foto: Timo Karl
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tika - Die Grenzen zwischen virtueller und physischer Realität verschwimmen zunehmend. Und gleichzeitig geht damit eine Entgrenzung einher, die teilweise bedrückende Ausmaße annimmt. Dabei sind die Triebe facettenreich. „Der gesamtgesellschaftliche Rahmen dessen, was akzeptiert ist, verschiebt sich immer weiter“, wusste Yao Houphouet am Mittwoch. Der Vorsitzende des Vereins Ensible als Stützpunkt für Jugendkultur in NRW sowie Kommunikationspsychologe war in den vergangenen Wochen mehrfach zu Gast in der Realschule in Erndtebrück, um mit Schülern der sechsten und siebten Klasse die Aktion „Cyber-Mobbing stoppen! Das Social-Network-Training“ zu absolvieren, die jungen Menschen zu mehr Medienkompetenz verhelfen soll. Und sie im besten Falle gleichermaßen zu Botschaftern für ein gesellschaftliches Miteinander ausbildet.

Drei Kernthemen umfasst das Projekt, das der Verein Ensible derzeit in alle weiterführenden Schulen in Wittgenstein bringt (SZ berichtete): Medienkompetenz, Kommunikation und (Cyber-)Mobbing. „Viele Jugendliche haben das Maß für ein friedliches Miteinander verloren. Wir wollen sie mit dem Training handlungsfähig machen. Sie sollen Vorbilder für ihre Mitschüler, aber auch gesellschaftliche Vorbilder sein. Letztlich geht es um die Aktivierung der schweigenden Mehrheit“, hob Yao Houphouet das Projekt auf eine zweite Ebene. Ihm geht es darum, Unrecht auf breiter Basis zu unterbinden und die Schüler zu mündigen Bürgern zu erziehen, die im Zweifel einschreiten – online, aber auch im realen Alltag. Dies gilt einerseits etwa für Mobbing oder aber andere psychische und physische Attacken, andererseits aber nicht zuletzt auch im politischen Rahmen. „Es geht darum, eine Gemeinschaft zu bilden und füreinander einzustehen“, betonte der Kommunikationspsychologe.

Dass etwa Probleme des Mobbings real sind, zeigt sich nicht zuletzt immer wieder im Rahmen der Trainingseinheiten. Entsprechend tief ließ es blicken, als Emely aus der Klasse 7b am Mittwoch – vor dem Hintergrund des neu erworbenen Wissens – mutig erklärte: „Wenn man Fehler gemacht hat, sollte man dazu stehen und sich entschuldigen. Ich möchte mich für meine Fehler entschuldigen und hoffe, dass man mir verzeihen kann.“

Schon kurzfristig zeigte das Social-Network-Training erste positive Effekte. Dass es zu dieser Art der Reflexion und vielmehr noch zur Realisierung des Trainings gekommen ist, dafür zeichnete einerseits der Förderverein der Realschule Erndtebrück verantwortlich, andererseits der Lions-Club Wittgenstein, der das Projekt im gesamten Altkreis maßgeblich finanziert – genaueres zu den Hinter- und Beweggründen wollen die Verantwortlichen noch im kommenden Monat erläutern.

„Wir sind froh, dass wir dieses Projekt realisieren konnten. Unsere Lehrerin und Medienbeauftragte Ludmila Melzer hat einen solchen Anlauf schon einmal schulintern unternommen und Medienscouts ausgebildet. Mit diesem Projekt wollen wir das Ganze nun neu beleben“, erklärte Schulleiterin Darjana Sorg. Über das Training hinaus sollen sich die Inhalte künftig stets auch in verschiedenen Unterrichtseinheiten wiederfinden und sich damit „wie ein roter Faden durch den Schulalltag ziehen“, betonte die Leiterin.

Es geht darum, die gewonnenen Erkenntnisse zu konservieren – in technischer, aber auch sozialer Hinsicht. „Wichtig ist es, eine Anti-Virus-App auf dem Handy zu installieren. Und man sollte es vermeiden, Kettenbriefe weiter zu senden oder Fakelinks zu öffnen“, erklärte etwa Jesper aus der Klasse 7a. Seine Klassenkameradin Katja wiederum reflektierte das Training auf sozialer Ebene: „Es ist egal ob man befreundet ist oder nur gemeinsam in einer Klasse – man sollte helfen, wenn jemand geärgert oder beleidigt wird.“

Daran wiederum knüpfte Celin aus der Klasse 7b an: „Wenn es Streit gibt oder sogar jemand geschlagen wird, dann muss man dazwischen gehen – aber möglichst nicht allein, sondern mit so vielen Leuten wie möglich.“ „Gelebte Gemeinschaft“ war der Oberbegriff dafür. „Man muss in der Klassengemeinschaft näher zusammenrücken, Mobbing auch im Internet vermeiden und darf niemanden ausgrenzen“, machte Fine (Klasse 7b) deutlich. Im Umgang mit Menschen und digitalen Medien ist auch die Frage entscheidend, wer da kommunizieren will. „Man sollte alle Profile durchsuchen und schauen, ob da Fakes dabei sind“, konstatierte Nina aus der Klasse 7a. Und nicht nur dies: „Viele kostenlose Apps sind sehr teuer. Man muss die Allgemeinen Geschäftsbedingungen lesen – meistens gibt man alle seine Daten frei“, erklärte sie. Tatsächlich gilt nicht zuletzt der Facebook-Konzern, dem auch der Kurznachrichtendienst „WhatsApp“ angehört, als große Datenkrake.

„Alle Nachrichten und Bilder, die man per ,WhatsApp’ versendet, gehören einem nicht mehr selbst. Diese Daten werden weiterverkauft“, wusste Sönke aus der Klasse 7a. Und genau deshalb machte er eine einfache Rechnung auf: „Manchmal sind kostenpflichtige Apps viel günstiger als die kostenlosen. Denn bei denen zahlt man einmal – und dann nicht mehr. Bei ,WhatsApp’ zahlt man immer – mit seinen eigenen Daten.“ Eine Alternative nannte er übrigens ebenfalls: „Threema“. Die App funktioniert wie „WhatsApp“ ist einmalig kostenpflichtig, die Daten sind dafür aber sicher – so jedenfalls geht es aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen hervor. Bislang allerdings ist der alternative Kurznachrichtendienst nur selten genutzt. Ebenso wie die Möglichkeit einzuschreiten, wenn die Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten sind.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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