BIS AUF WEITERES
Vorerst ausgeflogen

SZ-Redakteur Jan Schäfer.
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Ziemlich wenig los da oben am Himmel. Der Flugverkehr ist wieder stark ausgedünnt, nur selten lässt sich ein Flieger blicken. Vor zwölf Monaten hätten wir das nie für möglich gehalten. Damals, als die Welt noch eine völlig andere war. Der Tag vor einem Jahr hat sich bei mir eingebrannt. Oft bekommt man als Journalist interessante Einblicke hinter die Kulissen unserer Welt. Im Cockpit eines Airbus zu sitzen, gehört aber schon zu den seltenen Gelegenheiten. Meine von langer Hand geplante Begleitung der nach der Stadt Siegen benannten Lufthansa-Maschine gehört, ich geb’s gerne zu, zu den aufregendsten Erlebnissen meines Reporterlebens. Dabei zu sein, wie ein Langstreckenflug vorbereitet wird. Blicke werfen zu können in die Schlafkabinen der Crew und über die Schultern der Piloten. Sechs Stunden nach dem Start in Frankfurt den Landeanflug auf das Lichtermeer von Dubai im Cockpit zu erleben, zu fotografieren, später über das alles zu schreiben. Für so etwas kann ich mich begeistern. Hätte ich geahnt, wie schnell ich nach meiner Rückkehr auf unbestimmte Zeit geerdet werden sollte von einem seinerzeit noch belächelten Virus – ich hätte es noch viel mehr zu schätzen gewusst. Ich habe doch keine Angst vor diesem neumodischen Corona, hatte ich besorgte Nachfragen vor dem Trip abgetan. Ich fliege doch nicht nach China! Selbst beim Erkunden der arabischen Glitzerstadt, für das mir vor dem Rückflug etwas Zeit blieb, musste ich noch schmunzeln: über diese ostasiatischen Touristen in der Metro, die sich hinter albernen Mundschutzmasken versteckten, während ich den Mief der dicht an dicht im Waggon stehenden Männerschar locker und selbstverständlich wegatmete. Es hat sich viel getan seither, im Nachgang lässt mich die Erinnerung an das Gedränge schaudern. Der Airbus D-AIKD derweil ist, anders als viele seiner geflügelten Artgenossen, weiter in der Luft. Nach mehrwöchiger Zwangspause im Frühjahr trägt er den Namen „Siegen“ wieder munter nach Afrika, Asien und Amerika – erst gestern ging’s nach Houston. Wann wir selbst wohl wieder so frei sein werden?

j.schaefer@siegener-zeitung.de

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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