Verbraucherzentrale warnt
Vorsicht am Telefon

mir Siegen. Wie oft im Leben sagen wir „Ja“? Am Standesamt meist einmal, manche trauen sich ein zweites oder gar drittes Mal. Am Telefon passiert das laufend: „Spreche ich mit Michael Roth?“ Vorsicht, die vollmundige Zustimmung mit den zwei Buchstaben kann verhängnisvoll sein und taucht später in einem Telefonmitschnitt auf, mit dem der Telefonkunde Strom und Gas bestellt hat. Besser wäre diese Antwort: „Wer will das wissen?“

Unwissentlich fünf Verträge auf einmal abgeschlossen

„Wir hatten einen Fall, da hatte jemand fünf Verträge an der Backe“, erzählt Julian Sturm, Leiter der Siegener Verbraucherzentrale, über die Vorkommnisse im Jahresbericht 2018. „Die Anrufer fragen Daten zu den Konten, den Stromzählern und der Anschrift ab, und schon kann Energie geliefert werden.“
Sturm mahnt alle Verbraucher, am Telefon bitte nicht vorschnell Abmachungen mit Callcenter-Mitarbeitern zu treffen. Viele Leute könnten am Telefon aber nicht strikt „nein“ sagen. Später würden sie unruhig, wenn Forderungen per Inkasso eingetrieben werden sollten. Häufig seien alte Menschen betroffen, dazu ein großer Teil von Menschen mit Sprachdefiziten.Allerdings traf Sturm noch eine klare Aussage: „Die Siegener Versorgungsbetriebe sind in keinem der bekannt gewordenen Fälle betroffen gewesen.“ Oft werde am Telefon vorgegaukelt, es sollten Preisvergleiche für Energie durchgeführt werden. Meist aber würden Verträge nur für ein bestimmtes Unternehmen angeboten und möglichst sofort abgeschlossen.
Eine ganze Reihe von Nachfragen besorgter Kunden bezogen sich gegen Ende 2018 auf die Bayerische Energieversorgungsgesellschaft, Guthaben wurden nicht ausgezahlt, im Februar musste der Billigstromanbieter Insolvenz anmelden. Anrufer aus Siegen und dem Siegerland waren in großer Sorge: „Bekomme ich keinen Strom mehr?“ Die Verbraucherzentrale konnte alle Anrufer beruhigen, niemandem wurde der Strom gekappt.

Warnung auch vor Blitzschnell-Krediten

Blitzschnell-Kredite sollte man nicht in Anspruch nehmen, warnt die Verbraucherzentrale Siegen. Auf Facebook und sonst wo lockte ein Kreditvermittler, es gebe 7777 Euro bar auf die Hand. Die Kunden erhielten aber ein Starterpaket für 149,90 Euro, das per Nachnahme sofort bezahlt werden musste. Wurde die Annahme verweigert, folgten Zahlungsaufforderungen mit Mahn- und Inkassokosten von bis zu 555 Euro. Und das alles für eine bloße Prepaid-Kreditkarte.Wish.com ist noch so ein Problemfall für die Verbraucherschützer, trotz oder gerade wegen der fußballerischen Werbeikone Neymar jr. Eine Top-Uhr für 37 Euro, vom Händler mit Sitz in China gekauft, wurde schnell zum Problem, weil die Ware nicht kam, sehr wohl aber die Rechnung. Klarna wollte Geld, Wish sah sich nur als Vermittler. Sturm präsentierte dazu noch einen Fall mit einer Hauptforderung von 8,40 Euro, die Gesamtforderung eines Inkasso-Unternehmens belief sich auf 62,43 Euro. Sturm: „Wenn eine Inkasso-Firma dazwischen ist, können wir mit denen diskutieren.“

Erotikdienstleister oft Gegenstand von Fällen

Erotikdienstleister sind oft Gegenstand von Fällen der Verbraucherzentrale Siegen. Geschädigte haben von dubiosen Anrufen berichtet, bei denen unbescholtene Bürger zurückrufen sollten und dies auch taten. Die Folge: Telefonsex-Service für 90 Euro, dazu 50 Euro Mahnkosten plus Pauschalen für dies und jenes, unterm Strich eine Inkasso-Forderung über 280 Euro. Zu zahlen an Ventus Inkasso mit Sitz in Tschechien. Sturm berichtete, in einem Fall sei eine Person mit sechs Schreiben traktiert worden, schnell die geforderte Summe zu zahlen. Ja, es sei sogar vorgekommen, dass Leute gezahlt hätten, trotzdem sei die nächste Forderung mit noch höheren Mahngebühren gestellt worden. Sturm: „Ventus ist noch nie bei Gericht gewesen. Betroffene sollten einen Musterbrief schreiben und widersprechen.“ Den Musterbrief gibt es bei der Verbraucherzentrale.

Verbraucherschutz in Zahlen

Die Verbraucherzentrale Siegen hatte 2018 genau 6655 Anfragen von Ratsuchenden, dazu kamen 1465 Veranstaltungskontakte. Die Internetzugriffe auf die Seiten der Beratungsstelle summierten sich vergangenes Jahr auf 8059.
Die häufigsten Verbraucherprobleme:
26 Prozent Dienstleistungen,
20 Prozent Telefon,
14 Prozent Konsumgüter,
13 Prozent Energie,
12 Prozent Finanzen.
Wie oft wurden Verbraucher im vergangenen Jahr ungewollt zum Thema Energie angerufen? Jeweils 19 Prozent gaben an, zwei- oder dreimal sei das der Fall gewesen. Immerhin 14 Prozent sagten, sie hätten sogar mehr als zehn Anrufe dieser Art gehabt.

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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