Wahl-Gespräch in Berghausen

 Natürlich fand das Wahl-Gespräch nicht im Stehen statt – die Vorstellungsrunde hingegen schon: (v. .l.) Dietmar Beuter, Steffi Treude, Oliver Junker-Matthes, Martin Völkel und Bernd Fuhrmann. Foto: Nicole Klappert
  • Natürlich fand das Wahl-Gespräch nicht im Stehen statt – die Vorstellungsrunde hingegen schon: (v. .l.) Dietmar Beuter, Steffi Treude, Oliver Junker-Matthes, Martin Völkel und Bernd Fuhrmann. Foto: Nicole Klappert
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nik - Noch nicht 19 Uhr, und schon war das Schützenhaus in der Krimmelsdell in Berghausen rappelvoll; gut, dass der Schützenverein Berghausen im Vorfeld ausreichend Stühle gestellt hatte. Die Siegener Zeitung hatte am Montagabend gemeinsam mit Radio Siegen zum ersten von zwei Wahl-Gesprächen geladen, und weit  rund 140 Gäste kamen, darunter zahlreiche bekannte Gesichter aus der Politik, aber eben auch jene Bürgerinnen und Bürger, die einfach die Gelegenheit nutzten, sich jenseits aller Slogans und Plakate ein Bild von ihrem künftigen Stadtoberhaupt zu machen. Alle wollten den drei Männern auf den Zahn fühlen, von denen einer derzeit das Bürgermeisteramt von Bad Berleburg innehat und es gerne weiter inne haben möchte, und den beiden anderen, die es erlangen möchten bei der Kommunalwahl am 25. Mai:

Bernd Fuhrmann, 48 Jahre alt, verheiratet, zwei Söhne, amtierender Bürgermeister, parteilos, von der CDU ins Rennen um die dritte Amtszeit geschickt, 1996 als Stadtjugendpfleger nach Bad Berleburger gekommen, 2004 zum Bürgermeister gewählt, 2009 wiedergewählt. „Bad Berleburg ist ein schlafender Riese, aus dem man noch viel mehr machen kann.“

Dietmar Beuter, SPD, 57 Jahre alt, Ex-Bundeswehroffizier, verheiratet, vier Kinder , „eine Patchworkfamilie“, wohnhaft in Wingeshausen, engagiert u. a . im Sozialverband und in der Kirchengemeinde. Er will auf eine der beiden Beigeordnetenstellen verzichten und die Mitarbeiter des Bauhofes zurück in die Ortschaften holen.

Oliver Junker-Matthes, parteilos und für die Grünen im Stadtrat, 47 Jahre alt, verheiratet und ebenfalls zweifacher Familienvater, vor 25 Jahren „gegen das Anraten eines Erndtebrückers“ nach Diedenshausen gekommen, Land- und Forstwirt. „Viele Hobbys, nur leider zu wenig Zeit dafür.“ Er fordert von der Kommune mehr wirtschaftliche Eigenverantwortung und zieht auch unkonventionelle Lösungen in Betracht.

Die Moderatoren des Abends, Steffi Treude von Radio Siegen und SZ-Redakteur Martin Völkel, hatten sich zahlreiche Stichworte notiert, von denen sie als Wittgensteiner wissen, dass sie den Berleburgern unter den Nägeln brennen: Haushaltskonsolidierung und demografischer Wandel, Gesundheitsstandort und Wirtschaftsstandort Bad Berleburg, die Verkehrsanbindung, der Tourismus und manches mehr – alles Herausforderungen für die Zukunft, die für sich genommen schon komplex genug sind, die aber an bestimmten Punkten kleinen Rädern gleich ineinandergreifen. Da reichten die angesetzten zwei Stunden kaum aus, zumal ja auch das Publikum zu Wort kommen sollte und kam. So lautete eine der Fragen, wie Bad Berleburg vor dem Hintergrund des demografischen Wandels als Wirtschafts- und Wohnstandort auch in Zukunft attraktiv bleiben solle.

Hier setzt Dietmar Beuter auf eine bessere Verkehrsanbindung bei Straße und Schiene, man müsse alle Hebel in Bewegung setzen, was für ihn auch ganz klar den schon lange diskutierten Bau der Route 57 mit einschließt. Gegen die sprach sich Oliver Junker-Matthes „ganz eindeutig aus“, alle diesbezüglichen Planungen seien der Grund dafür, dass man immer noch keine vernünftige Verkehrsanbindung habe. „Es gibt Bereiche, da müssen wir mit Kurven leben.“ Die Route 57 sei ein überdimensioniertes Projekt, zumal in der Sanierung der A 45 schon sehr viel Geld stecke. Junker-Matthes warb dafür, vorhandene Straßen „moderat“ auszubauen, und das gehe auch nicht ohne Einschnitte in die Natur. Im Übrigen verwies er auf das E-Bike, mit dem er selbst angereist war, und dafür, alternative Transportformen wie Sammeltaxen auf Abruf in Erwägung zu ziehen.

Bernd Fuhrmann hingegen sprach sich deutlich für die Route 57 aus. Was den ÖPNV angeht, so machte er klar, dass die Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd der Aufgabenträger sei, nach einer Umfrage im vergangenen Jahr arbeite man seitens der Kommune gemeinsam mit ihnen daran, die beiden Hauptprobleme, das dünne Netz und die mangelnde Akzeptanz, in den Griff zu bekommen. „Das mit dem Fahrrad ist löblich“, meinte Fuhrmann mit Blick auf Junker-Matthes, nur sehe er dies eher im Freizeitbereich.

Auch der Gesundheitsstandort Bad Berleburg, erst in jüngster Zeit wieder durch den geplanten Stellenabbau beim Klinikträger Helios im Gespräch, kam zur Sprache. Bei allen Kandidaten herrschte weitgehend Einigkeit darüber, dass man die Herausforderungen nur im Dialog mit dem Träger in den Griff bekommen könnte. Zwei Arbeitskreise in fünf Jahren seien zu wenig, so Dietmar Beuter, Er habe die Gespräche mit dem Betriebsrat als äußerst „wohltuend“ empfunden. Oliver Junker-Matthes setzte auch hier auf den Dialog. Man müsse die Menschen vor Ort an einen Tisch bekommen und reden – „und wenn die das nicht wollen, und der Eindruck drängt sich auf, dass das in diese Richtung geht“, müsste leerstehende Klinikgebäude mittels Unternehmensakquise mit passenden Anbietern aus dem Gesundheitssektor gefüllt werden. Alternativen in Sachen Reha, die immer weniger stationär wird, sieht auch Bernd Fuhrmann: Zukunftsmärkte wie Wellness und privat finanzierte Kuren müssten von Helios im Blick behalten werden, forderte er, gestand aber ein: „Die Entscheidungen fallen nicht hier vor Ort.“

Dass in Bad Berleburg sehr wenig getan würde, um dem Wort „Bad“ noch gerecht zu werden, monierte Prof. Hajo Schmidt aus dem Publikum: „Der Goetheplatz vergammelt!“ Man habe die Anwohner durchaus in den Prozess der Umgestaltung mit einbezogen, so Fuhrmann mit Blick auf die geplante Umgestaltung. Dass aber auch hier in Zukunft die Bürger mehr in die Pflicht genommen werden könnten als durch bloßes Mitreden, stellte Oliver Junker-Matthes in Aussicht: In Sachen ehrenamtlicher Arbeit müsste mehr getan werden, auch in der Kernstadt – „es wird uns nicht viel anderes übrig bleiben!“

Das Wahl-Gespräch für Bad Laasphe mit Dr. Torsten Spillmann und Günter Wagner findet am 14. Mai, 19 Uhr, im Landhotel Doerr in Feudingen statt.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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